Patrick Dempsey: «Le-Mans-Sieg toller als ein Oscar»

Von Gerhard Kuntschik
24h Le Mans
Speedweek.com Exklusivinterview mit Hollywood-Star Patrick Dempsey. Im Porsche des schwäbischen Proton-Teams startet Dempsey zum vierten Mal bei den 24h.

James Dean, Gene Hackman, James Garner, George Lucas, Jason Priestley – alle diese Hollywoodstars waren oder sind vom Rennfieber infiziert. Am meisten waren es aber Paul Newman (1925-2008) und Steve McQueen (1930-1980). Newman wurde beim Training für die Dreharbeiten des Indy-500-Dramas «Winning» in Watkins Glen zum Piloten ausgebildet und dann wirklich Rennfahrer – mit Platz zwei in Le Mans 1979 samt Klassensieg im Porsche 935 von Dick Barbour, in dem Rolf Stommelen die meiste Zeit am Steuer saß. Und McQueen erlangte auch mit seinem Film «Le Mans» (1970) Berühmtheit, in dem er aus vertraglichen Gründen nur spielte, im Rennen aber nicht teilnehmen durfte. Doch im selben Jahr war er in Sebring mit Peter Revson Zweiter im Porsche 908 geworden, vom Ferrari von Andretti/Vaccarella/Giunti nur um 23 Sekunden geschlagen.

Und nun Patrick Dempsey. Seit dem Ausstieg aus «Grey's Anatomy» nach zehn Jahren und elf Staffeln kann sich «McDreamy» ganz auf seine Saison im WEC konzentrieren. Der 49-Jährige, für den bei Porsche vor Le Mans 80 Interviewanfragen vorlagen, war zuletzt «Ehrenmarshal» bei den 500 Meilen von Indianapolis.

Wie entstand Ihre Rennsportbegeisterung? Waren Sie zuerst Fan und Zuschauer oder wollten Sie gleich Pilot werden?

Dempsey: Ich war schon als Kind fasziniert, und als Erwachsener verfolgte ich Rennen stets vor dem Fernseher. Ich absolvierte einige Tage in der Barber-Rennfahrerschule und weitere Lehrgänge, kam zu den ersten Einsätzen. Das war vor zehn Jahren, und jetzt bin ich hier in der Langstrecken-WM.

Und Sie wollten nie NASCAR fahren wie fast jeder Amerikaner?
Dempsey (lacht):

Nein, nie. Mich faszinierten die klassischen Straßenkurse bei uns wie Watkins Glen, Mid-Ohio, Road America usw., wo Sportwagenrennen eben gefahren werden.

Welches Ziel haben Sie als Rennfahrer?

Le Mans zu gewinnen, das ist das ultimative Ziel. Dass mir Porsche die Gelegenheit gibt, in der WM zu fahren, ist fantastisch, da wird ein Traum für mich wahr. Die WM ist eine große Herausforderung. Ich möchte hier sehr hart für den Erfolg arbeiten. Die Atmosphäre im Team ist großartig. Ich kann auf höchstem Niveau teilnehmen. Wir tauschen uns im Team sehr gut aus, die Kameraden helfen mir, auch der Steirer Klaus Bachler. Aber es bleibt immer eine gesunde Rivalität zwischen uns und dem Schwesterauto.

Wer ist ihr Vorbild – als Rennfahrer und als Schauspieler?

Es war für mich faszinierend, den Werdegang von Paul Newman zu verfolgen und wie viel Engagement er im Rennsport als Fahrer und Teamchef zeigte.

Was ist für Sie erstrebenswerter - den Oscar oder Le Mans zu gewinnen?

Ohne Zweifel und definitiv Le Mans. Wenn du dort siegst, ist das etwas ganz Besonderes. Das wird immer mein Ziel sein.

Wollen Sie einmal in die Prototypenklasse aufsteigen?

Nein, nicht wirklich. Ich bin bei den GT-Autos sehr happy. Die sind für meine Karriere am besten.

Nachdem Sie Ihre Arbeit bei „Grey’s Anatomy“ beendeten, werden Sie sich jetzt ganz auf den Rennsport konzentrieren oder die Schauspielerlaufbahn neu ankurbeln?

Mein Fokus liegt jetzt zu hundert Prozent auf dem Antreten in der WM. Ich versuche mein Leben in die richtige Balance zu bekommen. Es hängt auch von den Angeboten ab.

Die erste Hälfte der WEC-Läufe findet in Europa statt. Haben Sie hier schon einen Wohnsitz oder pendeln Sie noch aus den USA herüber?

Ich hätte gern einen hier in Europa, aber ich pendle, um meine Familie, meine Kids in Los Angeles zu sehen.

Haben Sie eigentlich die Karrieren von Paul Newman und Steve McQueen verfolgt?

Je mehr ich in den Rennsport hineingezogen wurde, desto mehr habe ich auch über die beiden wahrgenommen. Es war damals eine völlig andere Zeit des Rennsports, die aus heutiger Sicht sehr interessant ist.

Haben Sie die Filmklassiker zu Rennsportthemen wie «Winning» (über das Indy 500, Anm.), «Grand Prix» und «Le Mans» gesehen?

Ja. «Winning» war nicht gut, «Le Mans» hat die Atmosphäre sehr gut eingefangen. In «Grand Prix» hätte ich gern McQueen in der Rolle von James Garner gesehen, ich glaube, er war sogar anfangs dafür vorgesehen. Aber die Gespräche haben sich da offenbar zerschlagen.

Welche Gefühle haben Sie nach dem Ausstieg nach so vielen Jahren in «Grey’s Anatomy»?

Es war eine großartige Zeit, und ich muss dankbar für die Erfahrung sein, die ich da machen konnte. Die Serie machte mich bekannt, aber jetzt bin ich froh, hier eine Rennkarriere aufbauen zu können.

Sie verbrachten ja die vergangenen Weihnachtsfeiertage in Österreich, wollen Sie wieder zurückkommen? Vielleicht auch zu einer Oldtimerfahrt im Ennstal Classic?

Absolut, das würde ich gern. Wir arbeiten daran.

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