Bautista: Razgatlioglu hat viel Talent, Marquez aber «auf anderem Level»
Alvaro Bautista kennt beide Rivalen aus eigener Erfahrung: Der Spanier vergleicht Toprak Razgatlioglu mit Marc Marquez – und dämpft die Erwartungen an Razgatlioglus erstes MotoGP-Jahr.
Alvaro Bautista ist einer der wenigen Fahrer, die sowohl in der MotoGP gegen Marc Marquez als auch in der Superbike-WM gegen Toprak Razgatlioglu angetreten sind. Deshalb hat seine Einschätzung besonderes Gewicht, wenn es um die große Frage geht, ob Razgatlioglu in der MotoGP das Zeug hat, eines Tages Marquez herauszufordern.
Mit dem bevorstehenden MotoGP-Debüt des Türken bei Pramac-Yamaha blicken die Fans gespannt auf seine ersten Auftritte. Doch Bautista mahnt zur Vorsicht: Der Umstieg von der Superbike-WM in die Königsklasse sei enorm anspruchsvoll.
«Für ihn wird es sicher nicht einfach, denn es gibt viele Veränderungen – andere Motorräder, Reifen, Bremsen und Strecken. Es wird ein sehr hartes Jahr für Toprak», listete Bautista beim Treffen mit SPEEDWEEK.com auf.
Trotzdem stellt Bautista die außergewöhnlichen Fähigkeiten Razgatlioglus nicht infrage. Besonders dessen Gefühl für das Motorrad hebt er hervor: «Er hat viel Talent und eine enorme Kontrolle über das Motorrad. Jetzt muss man sehen, wie er sich an die Reifen und das Bike gewöhnt.»
Marc Marquez ist laut Alvaro Bautista allen Fahrern einen Schritt voraus
Im direkten Vergleich mit Marc Marquez zieht Bautista jedoch eine klare Linie. Für ihn ist der Ducati-Werksfahrer weiterhin das Maß der Dinge in der MotoGP: «Was das Talent betrifft, ist Marc auf einem anderen Level als der Rest des Feldes. Toprak ist ebenfalls sehr talentiert, aber es ist anders.»
Spannend ist Bautistas Einschätzung zur Entwicklung beider Fahrer. Während Marquez aus seiner Sicht seinen Zenit bereits erreicht hat, sieht er bei Razgatlioglu noch deutliches Steigerungspotenzial: «Ich denke, Marc hat sein bestes Niveau schon erreicht, und von dort aus ist es schwer, sich noch weiter zu verbessern. Toprak hingegen hat noch mehr Spielraum, um sich zu steigern.»
Gerade deshalb könne das erste MotoGP-Jahr für den Türken vor allem eine wichtige Lernphase werden. In der Superbike-WM hat Razgatlioglu viele Rennen gewonnen und tritt mit großem Selbstvertrauen an. Doch in der MotoGP dürfte er zunächst nicht um Siege kämpfen. Vielmehr geht es darum, sich an das neue Umfeld zu gewöhnen – unabhängig von den Platzierungen. Bautista sieht darin eine mentale Herausforderung:
Keine Seriensiege wie in der Superbike-WM: Razgatlioglu muss geduldig sein
«Er muss verstehen, dass er im Moment nicht in der Position ist, um um gute Resultate zu kämpfen. Er muss sich auf sich selbst konzentrieren und versuchen, sich jedes Mal zu verbessern – egal, welches Ergebnis dabei herauskommt», schildert Bautista. «Es ist egal, ob er um Platz 10, Platz 15 oder um den letzten Platz kämpft – entscheidend ist nur die Leistung.»
Unterm Strich erwartet Bautista kein sofortiges Kräftemessen zwischen Razgatlioglu und Marquez um Siege. Bei Pramac-Yamaha wird der Türke voraussichtlich technisch im Nachteil sein, während Marquez bei Ducati weiterhin auf konkurrenzfähige Technik zurückgreift. Deshalb muss bei Razgatlioglu der Lernprozess klar im Vordergrund stehen.
Doch langfristig traut Bautista Razgatlioglu zu, einen großen Schritt nach vorne zu machen. Sein Talent und seine Entwicklungskurve könnten ihn eines Tages in die Nähe der absoluten Spitze bringen – auch wenn Marc Marquez für ihn aktuell noch «auf einem anderen Level» fährt.
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