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Die Formel 1 versteckt sich: Armuts-Zeugnis für Ferrari, Mercedes & Co.
Seit 26. Januar laufen auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya die Formel-1-Wintertests. Fans auf den Tribünen? Pustekuchen. Medien entlang der Bahn? Unerwünscht. Die Formel 1 spielt Verstecken. Wieso?
Formel 1
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Die Formel 1 nimmt endlich langsam Schwung auf, aber sie versteckt sich: Der erste Wintertest, von Montag 26. Januar bis Freitag, 30. Januar, findet hinter verschlossenen Toren statt. Die elf GP-Teams üben ohne Fans auf den Tribünen und ohne neugierige Medienvertreter an der Strecke.
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Wer sich am Abend nach dem ersten Testtag in Fan-Foren umhört, merkt schnell: Die Fans sind enttäuscht. Da haben wir eine faszinierende neue Formel 1, mit ganz anderen Rennwagen und – bravo! – lauteren Motoren, aber die Öffentlichkeit wird ausgeschlossen. Wieso verstecken sich Top-Teams wie Mercedes und Ferrari? Wovor haben sie solche Angst? Ist dieser Schritt gemessen an früheren Schritten zu einer neuen Rennwagen-Generation nachvollziehbar? Erster Testtag 2014: Ein Desaster Wir blicken zurück. Anfang 2014 trat die Königsklasse in die Turbohybrid-Ära, von den wunderbar hochdrehenden V8-Saugmotoren mit 2,4 Litern Hubraum erfolgte ein Wechsel zu 1,6 Liter Turbo-Motoren mit Energie-Rückgewinnung.
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2022, erneut ein markanter Wandel, kehrte die Formel 1 dann zu Flügelautos zurück, hier bestand die grösste Umstellung aus der Aerodynamik, der Antrieb blieb gleich. Was geschah an den jeweils ersten Testtagen 2014 und 2022?
2014 ähnelte das Wintertestprogramm jenem von 2026: Ein erster Viertagestest in Jerez (Südspanien), dann zwei mal vier Tage in Bahrain. 2026 haben wir fünf Tage in Barcelona dann zwei Mal drei Tage in Bahrain. WM-Auftakt damals wie 2026 in Melbourne (Australien).
2022, mit den neuen Wing-Cars, wurde drei Tage lang auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya getestet, dann lediglich drei Tage in Bahrain. Die Formel 1 konnte gleich vor Ort bleiben: Der WM-Auftakt erfolgte ebenfalls auf dem Bahrain International Circuit. 2014 bezahlten die Teams viel Lehrgeld: Nur acht Rennställe auf der Bahn. Am meisten Runden (31) drehte Ferrari mit Kimi Räikkönen vor Lewis Hamilton im Mercedes (18), gefolgt von Toro Rosso (heute Racing Bulls) mit Jean-Eric Vergne (15).
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Dahinter Force India mit Sergio Pérez (10), Sauber mit Esteban Gutiérrez (7), Williams mit Valtteri Bottas (6), Red Bull Racing mit Sebastian Vettel (3) sowie Caterham mit Marcus Ericsson (1). Acht Teams, 93 Runden insgesamt, McLaren fuhr am ersten Tag überhaupt nicht, Marussia bastelte an der Piste noch am Wagen, Lotus war gar nicht erst nach Andalusien gereist. Der langjährige Formel-1-Techniker Gary Anderson sagte damals: «Es zeigt sich, wie knifflig es ist, die neuen Motoren in den Griff zu bekommen. Die Teams befinden sich in einer steilen Lernkurve. Die Rennställe brauchen Zeit, und auch beim Saisonbeginn werden wir Schwierigkeiten mit der Zuverlässigkeit erleben.» Tatsächlich kamen beim WM-Auftakt 2014 im Albert-Park von Melbourne 14 von 22 Autos ins Ziel.
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Erster Testtag 2022: Teams bekommen Technik in den Griff 2022 ein komplett anderes Bild am ersten Testtag: 16 Fahrer auf der Bahn, Ferrari drehte am meisten Runden (153), gefolgt von Red Bull Racing (147), Williams (132), Mercedes (127), AlphaTauri (121), Aston Martin (119), McLaren (103), Haas (43) und Alfa Romeo (32). Die neue Aerodynamik hatte auch ihre Tücken, hinderte die Teams aber erheblicher weniger am Fahren. Beim WM-Auftakt dann: Von 20 Piloten sahen 17 die Zielflagge. 2026 in Barcelona nun sind also fünf Tage geplant, aber jeder Rennstall darf nur drei davon auf die Bahn. Weil die Teams Angst haben, dass die neuen Autos grössere Probleme machen, erzeugten sie bei Formula One Management und dem Autosport-Weltverband FIA Druck, um den ersten Wintertest hinter verschlossenen Toren durchführen zu können. Also keine Fans, keine Medien. Formula One Management-treue Medien spielen das herunter. Sie argumentieren, dass Kritiker des ersten Tests die Lage verkennen, denn sie vergässen – die Formel 1 sei ebenso sehr Geschäft wie Sport.
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Die Formel 1, meinen sie, schütze sich nur selber vor Image-Schaden, in dieser ersten Phase mit den neuen Rennwagen, wenn an Grundsätzlichem gearbeitet werde. Angst vor Image-Schaden ist übertrieben Ich erwidere: Ja und? Die Angst vor einem Image-Schaden ist völlig übertrieben. Wintertests sind dazu da, Probleme mit den Rennwagen vor der GP-Saison zu finden und zu kurieren. Das wissen die Formel-1-Fans. Einige Rennställe haben für den ersten Funktionstest den so genannten Filmtag verwendet. Wenn die Teams (eigentlich für Film-Aufnahmen) 200 Kilometer zurücklegen dürfen. Die wenigsten Teams sind so weit gekommen, was eher an misslichem Wetter in Silverstone oder Imola lag als an unausgereifter Technik. Aber auch das wäre doch kein Problem. Ich habe auch noch nie einen GP-Fan getroffen, der gesagt hat: «Mercedes ist beim Testen kaum gefahren, ich kaufe mir wohl doch lieber einen Audi.»
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Zudem: 2026 haben die Motorenhersteller viel mehr Erfahrung mit der Turbohybrid-Technik als vor zwölf Jahren; auch wenn die neue Motorgeneration (50 Prozent Leistung vom Verbrenner, 50 Prozent elektrisch) den Technikern einige Denksportaufgaben aufgehalst hat. Für den Test unter Ausschluss der Öffentlichkeit finden wir ferner das Argument: Die Fahrer müssten auch in Sachen verstellbarer Aerodynamik oder Einstell-Modi der Elektrik so viel üben, das sei für die Fans nichtssagend. Die Teams würden zu oft in der Box stehen, das sei für Zuschauer nicht interessant. Pardon? Wir sprechen hier vom weltweit grössten Sportspektakel der Welt. Wir sprechen von interessanten neuen Werkezeugen für die Piloten. Gerade jetzt ist die Phase, in welcher die Formel 1 das den Fans näherbringen müsste. In Maranello kommen Hunderte zu einem Funktionstest, von dem sie wissen: Mehr als fünf Runden werden Lewis Hamilton und Charles Leclerc nicht auf der Bahn zu sehen sein. Und da sollen zehn Teams in Barcelona uninteressant sein?
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Schönreder finden zudem: Das Verborgene habe doch seinen Reiz, ein wenig Rätselraten werde die Anziehungskraft nur erhöhen. Ich erwidere: Wo die Information aufhört, beginnt die Spekulation, das ist in der modernen Formel 1 einfach ungenügend. Der erste Testtag in Katalonien hat gezeigt – die Rennställe informieren mit dem bewährten Vorgehen von Politikern: Viel reden, wenig sagen. Alles in allem bleibt aber der schale Nachgeschmack: So wie 2014 erhalten wir faszinierende neue Rennwagen, aber die Spitzentechnik wird nicht gebührend in die Auslage gestellt. Die meisten PR-Berater würden das, höflich formuliert, als unkluges Vorgehen einstufen. Schade.
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