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Jean-Michel Bayle: Versagen & Suche nach Perfektion

Jean-Michel Bayle war seit Mai als Betreuer von Red Bull-KTM-Werksfahrer Johann Zarco im Einsatz. Dessen Aufgabe im MotoGP-Rennen von Assen bezeichnet er als «indiskutabel», aber auch aus dem Versagen lerne man.

MotoGP

Im Artikel erwähnt



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Jean-Michel Bayle war in Le Mans im Mai erstmals als Betreuer von Johann Zarco in der Red Bull-KTM-Box gesichtet worden. In Silverstone war er allerdings nicht mehr vor Ort – die Enttäuschung über den Vertrauensbruch wiegt schwer. Zur Erinnerung: Der 29-jährige Franzose hatte seinen Landsmann und Coach nicht vorab darüber informiert, dass er den Vertrag mit KTM zum Jahresende frühzeitig auflösen würde. Wie und ob die Zusammenarbeit zwischen Zarco und Bayle fortgeführt wird, ist deshalb offen.

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Der 50-jährige Franzose ist einer, der weiß, worauf es im Motorsport ankommt: Der zweifache Motocross-Weltmeister (1988 in der Klasse 125 ccm und 1989 in der Klasse 250 ccm) siegte als erster Europäer auch in der US-Supercross-Championship. Danach wechselte JMB in den Straßenrennsport, wo er unter anderem einen Neunten WM-Rang in der Königsklasse 500 ccm erreichte (1996). Später stieg er auch noch in den Tourenwagensport ein.

Im Interview blickt Bayle auf seine Arbeit mit dem zweifachen Moto2-Weltmeister in den vergangenen Monaten zurück. Er spricht über das Versagen und die Suche nach der Perfektion.

Jean-Michel, wie kannst du mit deiner Erfahrung einem anderen Fahrer weiterhelfen?

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Den Leuten ist nicht bewusst, wie schwierig der Job eines MotoGP-Fahrers wirklich ist. Sie meinen, dass es damit getan ist, auf ein Motorrad zu steigen, Gas zu geben und zu bremsen... Das stimmt nicht, denn wenn es so wäre, dann würden es alle machen.

Es verlangt einem enorm viel ab, angefangen beim Talent, ein Motorrad zu fahren – was nicht jeder hat. Dann braucht es eine immense Disziplin und auch immenses Selbstvertrauen. Das alles baut aufeinander auf und man kann daran arbeiten.

Was die Sache interessant macht, ist, warum gewisse Fahrer sehr stark sind und andere es nicht so weit schaffen, obwohl sie über dasselbe Talent verfügen. Es handelt sich um Sport auf höchstem Niveau und alles, was sich auf hohem Niveau abspielt, ist eine Suche nach der Perfektion. Diese Suche nach Perfektion findet nicht nur dann statt, wenn der Fahrer auf dem Motorrad sitzt. Es geht auch um seine Vorbereitung, um seine Herangehensweise, die Arbeit, die er davor macht, die Leute, die er um sich hat. Das alles ergibt ein Paket – und dieses Paket ist effizient oder eben nicht.

Dann kann man als Außenstehender immer schnell sagen, dass es einfach ist, auf dem Motorrad Gas zu geben. Aber so ist es nicht.

Nach einer anfänglichen Phase, in der es für Johann Zarco immer besser lief – bei den Testfahrten in Sepang war er zum Beispiel der erste KTM-Pilot unter 2:00 m – musste er viele Enttäuschungen wegstecken. Vor allem in Assen, wo er das Rennen ohne ersichtlichen Grund aufgab. Wie seid ihr damit umgegangen?

Im muss dazu weiter ausholen. In Le Mans war ich zum ersten Mal bei einem Grand Prix vor Ort dabei, auch wenn die Entscheidung schon vor Jerez gefallen war.

Am Anfang war mir die Situation zwar bekannt, aber ich blieb für die ersten drei Grand Prix in der Beobachterrolle. Denn wenn du mitten in der Saison dazustößt, hat jeder schon seinen Platz im Team... Zuerst schaut man also einfach, was passiert. Du machst eine Analyse der Situation. Das war der erste Schritt der Arbeit: beobachten, schauen, analysieren. Nachdem ich die Dinge, die gut und weniger gut waren, analysiert hatte, begannen wir mit der Arbeit.

Das Ergebnisse sieht man klarerweise nicht nach einer Woche. Es braucht Zeit, bis sich alles einspielt, das Vertrauen, die Arbeit...

Assen war natürlich eine große Enttäuschung. Für einen Fahrer ist es ein Gefühl des Versagens – einfach so aufzuhören, ohne ein technisches Problem am Motorrad zu haben. Aber gleichzeitig war der Start seines Rennens gut gewesen, einer seiner besten. Er war 17. gestartet und lag auf Rang 10, er hatte also schon sieben Plätze gutgemacht. Das war noch nie vorgekommen, seit er auf die KTM gestiegen ist. Das war positiv.

Denn meine Arbeit besteht auch darin, das, was positiv war, zu unterstreichen und mitzunehmen, um das Selbstvertrauen aufzubauen – und das, was negativ war, zu analysieren, die Schlüsse daraus zu ziehen und es dann zur Seite zu schieben.

Es wurde viel darüber diskutiert, wie schlimm es ist, ein Motorrad einfach abzustellen. Auf der anderen Seite, wenn man das Motorrad nicht mehr fahren kann, dann kann es auch gefährlich werden...

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Ja, aber es bleibt trotzdem indiskutabel.

Aber am Ende ist es so, dann muss man sich überlegen, warum es so war. Das hat uns dahin geführt, dass wir zum Beispiel Tests zur körperlichen Verfassung von Johann durchgeführt haben.

Wir haben also das Negative zur Seite geschoben und die Situation genutzt, um dann zu versuchen, sie zu verbessern.

Auch das Versagen ist interessant, weil man viel daraus lernt.

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