Rennfahrer
Claire Williams
Nationalität
Großbritannien
Geburtsdatum
21.07.1976
Alter
49
Biographie
Claire Williams ist die Tochter von Sir Frank Williams und Lady Virginia Williams und schnupperte seit Kindesbeinen Motorsportluft, indem sie ihre Eltern oft zu den Rennen begleitete und schön früh während der Schulferien im Büro mitarbeitete. Sie studierte an der Universität von Newcastle Politikwissenschaften und machte 1999 ihren Abschluss. Ein Jahr später bekam sie den Posten als Pressesprecher der Rennstrecke in Silverstone.
2002 wurde Claire Williams festes Mitglied des Teams ihres Vaters, als sie die Rolle der Chefin der Kommunikationsabteilung übernahm. 2011 folgte die Beförderung zur Leiterin der Abteilung Marketing und Kommunikation. Als Frank Williams sich 2013 aus dem Tagesgeschäft des Teams zurückzog, übernahm Claire als stellvertretende Teamchefin seine Aufgaben. In dieser Rolle hat sie auch weiterhin die Verantwortung für Marketing, Kommunikation und alle kommerziellen Aspekte des Teams. Sie führt das drittälteste Formel-1-Team (nach Ferrari und McLaren) mit Umsicht und gesundem Menschenverstand.
Herbst und Winter 2016 wurden turbulent für die quirlige Engländerin: Zunächst verkündete Felipe Massa in Monza seinen Rücktritt von der Formel 1. Dann trat nach dem WM-Finale von Abu Dhabi überraschend Weltmeister Nico Rosberg zurück. Mercedes hatte von Anfang an den Williams-Piloten Valtteri Bottas auf dem Radar. Claire Williams konnte Massa zum Rücktritt vom Rücktritt bewegen, was eine Personalrochade möglich machte – Bottas von Williams zu Mercedes, Massa aus der Formel-1-Frührente für ein Jahr zurück ins Renncockpit: Er nahm 2017 seine vierte und unwiderruflich letzte Williams-Saison an der Seite des kanadischen Teenagers Lance Stroll in Angriff. Claire Williams sei Dank.
Allerdings entwickelte sich die Saison nicht wie gewünscht: Massa fuhr selten mit dem alten Feuer, und der junge Stroll machte besonders im ersten Saisonteil zu viele Fehler. Immerhin errang er in Baku mit Platz 3 auch einen Podestrang. Williams schloss den Konstrukteurs-Pokal auf dem fünften Schlussrang ab.
Claire Williams lebt mit ihrem Freund Andrew Murdoch in Newbury. Abseits der Rennstrecke waren die Geschehnisse erfreulicher: Am 10. Oktober 2017 kam ein gesunder Junge zur Welt. Der Kleine tröstete Claire in den folgenden Monaten über viele Enttäuschungen hinweg, denn 2018 erlebte der Williams-Rennstall einen Absturz ins Bodenlose. Lance Stroll und Sergey Sirotkin fuhren bei ihren insgesamt 42 Einsätzen ganze drei Mal in die Punkte, der Kanadier wurde WM-Drittletzter, der Moskauer Letzter, Williams eroberte lediglich sieben Punkte und schloss die Saison als rote Latern ab.
Williams befindet sich in der grössten Krise, seit Frank Williams sich vom Formel-1-Hungerleider zum Weltmeister gemausert hat. Frank Williams hat dieses Team zum dritterfolgreichsten Rennstall hinter Ferrari und McLaren gemacht, mit neun Konstrukteurs-Pokalen und sieben Fahrer-WM Titeln. Aber die letzte Marken-WM wurde 1997 gewonnen, also vor mehr als zwanzig Jahren, im gleichen Jahr wurde letztmals ein Williams-Pilot Weltmeister, es war Jacques Villeneuve. Der gleiche Villeneuve ist noch immer in der Formel 1, als TV-Experte, und er erhielt bei Williams Hausverbot – weil sich der Kanadier erdreistet hat, Williams an den Karren zu fahren. Der elffache GP-Sieger findet: Der Fisch stinke vom Kopfe, Claire Williams sei einfach eine Fehlbesetzung auf dem Chefsessel.
Klar geht die Krise von Williams an der Engländerin nicht spurlos vorbei, die im Oktober 2017 erstmals Mutter geworden ist. Claire Williams gibt zu: "Natürlich denke ich daran, alles hinzuschmeissen. Jeder würde das an meiner Stelle. Aber es geht nicht darum, ob ich mir das noch länger antun will. Es geht darum, dass ich mir die Frage stellen muss – bin ich für diesen Job die Richtige? Ich bin jedenfalls nicht am Punkt, an dem ich in den Spiegel gucke und das Problem sehe."
"Wenn mich Menschen im Fahrerlager oder in den sozialen Netzwerken kritisieren, dann können sie das tun vom Morgen bis zum Abend. Aber wenn mir jemand bei Williams ins Gesicht sagt, dass ich diesem Rennstall Schaden zufüge, dann gehe ich. Bis dann habe ich jede Menge zu tun, und ich gebe nicht auf. Wir liegen auf dem zehnten Platz, ich muss den Kopf dafür hinhalten, es liegt an uns, das zu korrigieren."
Seit 2013 hat Claire Williams diesen Posten inne, offiziell heisst ihr Job stellvertretende Teamchefin. Claire weiter: "Es ist demütigend. Wir treten jedes Wochenende an, im Geiste von Williams. Ich hatte vor einigen Monaten eine längere Diskussion mit Vater, und er hat mich mehr unterstützt als ich es erwartet hätte. Ich dachte, er würde etwas sagen wie: „Um Himmelswillen, was machst du eigentlich?“ Aber das hat er nicht. Er war überaus philosophisch und hat gemeint: „Claire, wir haben schon früher besch..... Zeiten, und wir haben das überwunden. Du musst weitermachen.“"
"Ich möchte Vater beeindrucken, denn er hat mir diesen Posten anvertraut. Ich will ihn nicht beschämen, ich will dieses Team nicht kaputtmachen. Das wäre grauenhaft."
Williams steht gewaltig unter Druck. Im Sommer 2018 wurde Force India gerettet – von einer Gruppe von Investoren um Lawrence Stroll, des Vaters von Williams-Fahrer Lance Stroll. Es war nur eine Frage der Zeit, bis Stroll und seine Millionen weiterziehen. Jacques Villeneuve, vor mehr als zwanzig Jahren letzter Weltmeister mit Williams, hielt fest: "Nicht nur der Verlust von Lawrence Stroll, auch das Aus des Martini-Sponsorings ist wohl der letzte Sargnagel für Williams. Williams wird danach viele Einnahmen aus den TV-Rechten verlieren, weil sie am hinteren Ende des Feldes kämpfen. Selbst Bezahlfahrer werden dann ihr Geld nicht dort ausgeben wollen."
Die angebliche Fehlbesetzung gibt sich kämpferisch. "Wir sind an der Börse, unsere Zahlen liegen offen. Es gibt viele Spekulationen über die finanzielle Lage von Williams. Aber wir haben ein gesundes Budget, mit dem wir die Saison 2018 bestreiten, und wir werden auch im kommenden Jahr ein gesundes Budget haben."
Williams gibt zu, dass der 2018er Renner vom Typ FW18 aerodynamisch verpatzt wurde und dass auch andere Fehler gemacht worden seien. Ins Details geht die Britin dabei nicht. "Aber das hat uns ermöglicht, alles unter die Lupe nehmen zu müssen. Das hätten wir vielleicht nicht getan, würden wir auf WM-Rang 5 liegen."
Von Fortschritt konnte 2019 keine Rede sein, ganz im Gegenteil.
Die neunfachen Sieger des Konstrukteur-Pokals profitierten zu Beginn der Turbohybrid-Ära vom Bonus durch den bärenstarken Mercedes-Motor: 2014 und 2015 wurde der Rennstall jeweils WM-Dritter, dann begann der Absturz – nach den Rängen 5 in den Jahren 2016 und 2017 wurde Williams zwei Mal Letzter, 2019 konnte in 21 Rennen eben mal ein kümmerlicher Punkt eingefahren werden.
Anfang 2019 blamierte sich das stolze Williams schon zu Beginn der Wintertests bis auf die Knochen. Teamchefin Claire Williams musste zugeben – der neue Wagen wird nicht rechtzeitig fertig!
Wie tief ist dieses Williams gefallen. Als GP-Neuling George Russell mit zwei Tagen Verspätung zur ersten Runde im neuen Williams FW42-Mercedes auf die Barcelona-Bahn ging, brandete spärlicher Applaus durch den Mediensaal – schwer zu sagen, ob es Zeichen des Respekts war oder des Mitleids.
Teamchefin Claire Williams: "Das Auto ist da, das ist für uns eine gewaltige Erleichterung. Furchtbare Tage wäre eine Untertreibung dessen, was wir erleben. Der FW42 hatte eine sehr schwierige Geburt aber endlich ist der Wagen auf die Bahn, und wir können mit der Arbeit beginnen."
Mercedes-Zögling George Russell fuhr eine Installationsrunde, dann verschwand das neue Auto wieder in der Box. Vielleicht passte es, dass zur Premiere ausgerechnet Formel-2-Fahrer Russell am Lenkrad sass, denn gemessen an der ausgeklügelten Aerodynamik der gegnerischen Fahrzeuge sah der neue Williams wie ein F2-Auto aus. Mit einer so hemdsärmeligen Aerodynamik ausgerüstet hatten die Briten so viele Chancen wie eine Kreisliga-Elf gegen Bayern München.
Williams geniesst als Traditions-Team grossen Respekt. Niemand will Williams am Boden sehen. Es kommt mir vor, als würde ein alternder Boxer im Ring stehen, ein früherer Weltmeister, jetzt aber mit grauem Haar und müdem Blick. Kein echter Sportfan möchte, dass dieser Mann vermöbelt wird.
Es wurde in Katalonien viel gemunkelt, bis hin zum verblüffenden Gerücht, der Rennstall habe kurz vor einer ausgewachsenen Meuterei der Mitarbeiter gestanden. In Spanien nahm Claire Williams dazu Stellung: "Ich habe nicht besonders auf all diese Spekulationen geachtet, die über uns verbreitet werden. In einer solchen Situation ist es naheliegend, dass gemutmasst wird. Bei uns selber gibt es keine Schuldzuweisungen. Wir wollen keine Energie mit so etwas vergeuden. Jetzt ist vielmehr die Zeit, um noch näher zu rücken. Natürlich sind wir dabei, besser zu verstehen, wieso wir mit Verspätung beginnen mussten. Wir werden das ergründen und aus diesem Fehler lernen."
Jeder Formel-1-Fan würde an dieser Stelle einwerfen: Und woran lag’s denn nun? Versemmelter Crash-Test? Fehlerhaft konstruierte Bremsen? Säumige Lieferanten?
Claire Williams verperrte den Blick hinter die Kulissen wie die Formel-1-Teams, welche diese jämmerlichen spanischen Wände vor die offenen Boxen rollen: "Es handelt sich wahrscheinlich um eine Kombination von Dingen. Wir wollen da nicht ins Detail gehen. Wichtig ist, dass wir hier sind. Wir kennen die Hauptschuldigen, hm, nicht die Hauptschuldigen, das ist das falsche Wort, eher die Hauptgründe, warum es zu dieser Verzögerung gekommen ist. Aber wir wollen das nicht breit treten. Wir waschen schmutzige Wäsche nicht in der Öffentlichkeit. Das wäre nicht angemessen."
Um Williams wurde kolportiert, und das Team bestätigte oder dementierte das nicht: Der Grund für die Verzögerung seien Probleme mit dem Crash-Test des Chassis gewesen. Es habe Schwierigkeiten mit Lieferanten gegeben. Der Produktionsplan sei schlampig entworfen gewesen. Es wird im Fahrerlager der katalanischen Piste auch kolportiert – die Daten aus dem Windkanal seien erschreckend. Es wird erzählt, falsch entworfene Teile hätten beim Zusammenbau nicht gepasst und mussten neu produziert werden.
Technikchef und Teilhaber Paddy Lowe wurde noch vor dem Saisonbeginn 2019 beurlaubt, im Juni war die Trennung vollzogen. Seine Mitarbeiter konnten den letzten WM-Schlussrang nicht verhindern.
Kein Wunder, werden kritischen Stimmen gegen Claire Williams laut. Die Tochter von Teamgründer Frank Williams steht – wenn auch nur offiziell als stellvertretende Teamchefin – schliesslich an der Spitze der Mannschaft aus Grove. So erklärte etwa GP-Veteran und Sky Sports F1-Experte Martin Brundle: "Ich bin da nicht am Drücker und weiss auch nicht alles, aber ich würde Claire bitten, eine Stufe aufzusteigen und eine eher präsidiale Rolle einzunehmen."
"Dann würde ich jemanden wie Andreas Seidl an Bord holen und ihm absolute Handlungsfreiheit geben. Denn der Erfolg hängt in der Formel 1 von der Zukunft ab, nicht von der Vergangenheit", stellte der Brite klar. Will heissen: Das Tagesgeschäft muss in andere Hände. Doch trotz der immer deutlicheren und lauteren Kritik, bleibt Williams zuversichtlich. Sie sagte zu Skysports.com: "Wir haben uns diesen Winter sehr ehrgeizige Ziele gesetzt, um sicherzustellen, dass Williams wieder im Mittelfeld mitkämpft."
Gleichzeitig relativierte die Britin auch: "Wir wissen, wo wir stehen, aber wir haben keine Ahnung, was die Konkurrenz macht, und das wird der wichtigste Faktor bei der Frage sein, wo wir in der anstehenden Saison leistungsmässig stehen werden. Diese Frage wird auch nicht so schnell beantwortet werden, wir werden erst nach den Testfahrten oder sogar nach den ersten Rennen des Jahres wirklich wissen, wie konkurrenzfähig wir im Vergleich sein werden. Aber wir haben hart gearbeitet in diesem Winter. Wir müssen damit fortfahren und beten, dass sich der Aufwand auch auf der Strecke zeigen wird."
Ex-Williams-Pilot Jacques Villeneuve giftelt: "Das Team ist fertig. Sie tun nichts, um die Situation zu verbessern. Das einzige, das sie interessiert ist, dass die am Ende des Jahres ein gutes finanzielles Resultat erzielen. Letztes Jahr hatten sie einen Gewinn von 16 Millionen Dollar. Die Investoren sind glücklich und das reicht ihnen."
Villeneuve ist noch immer in der Formel 1 tätig, als TV-Experte für die italienische Sky, und er erhielt bei Williams Hausverbot – weil sich der Kanadier erdreistet hat, Williams heftig an den Karren zu fahren. Der elffache GP-Sieger findet: Der Fisch stinkt vom Kopfe, Claire Williams sei einfach eine Fehlbesetzung auf dem Chefsessel.
Villeneuve hatte schon die Entscheidung kritisiert, dass der steinreiche Unternehmer Lawrence Stroll seinen Sohn Lance in einen Williams setzte. "Williams hat seine Seele an die Milliarden von Lawrence Stroll verkauft, der nur eins im Sinn hat: seinen Sohn zu stärken. Selbst Formel-1-Rentner Massa war schneller als Stroll."
Nach dem völlig missglückten Saisonbeginn 2019 sagte der elffache GP-Sieger Villeneuve: "Die Williams-Führung bezahlt nun für die schlechten Entscheidungen der letzten Jahre, Williams ist kein Rennstall mehr."
Der Kanadier kritisierte, dass Williams 2011 an die Börse gegangen ist. "Williams ist inzwischen eine Firma, die am Ende des Jahres ihren Teilhabern einen Profit vorweisen muss. Das haben sie geschafft, also sind alle zufrieden. 2018 haben sie einen Gewinn von 16 Millionen Dollar erwirtschaftet, aber wenn ich das sehe, so behaupte ich – dann haben sie nicht genug für den Rennsport ausgegeben. Der Firmenpräsident will doch gar nicht in der Formel 1 gewinnen, er will sicherstellen, dass er für die Aktionäre so viel als möglich herausholt. Nur darauf kommt es noch an."
Normalerweise schweigt Claire Williams die provokanten Aussagen von Villeneuve weg, nun aber bezeichnet sie die anhaltenden Breitseiten des Kanadiers als "lästig. Ich finde es überaus ärgerlich, wenn Leute Kritik üben und nicht die ganze Geschichte erfassen. Ich bin eine ehrliche Haut. Wenn jemand Kritik üben will, dann kann er jederzeit zu mir kommen und mit mir sprechen."
"Wenn es im Geschäft nicht gut läuft, wäre es selbstherrlich, sich nicht in Frage zu stellen. Aber ich bleibe davon überzeugt, dass ich dieses Team vorwärtsbringen kann. Ich kann uns da rausboxen. Wenn ich nicht mehr daran glaube, dann ist es Zeit zum Gehen. Ich mach das nicht zum Geldverdienen, ich mach das aus Überzeugung und mit Herzblut. Ich würde auch ohne Gehalt arbeiten. Das bin ich Williams schuldig."
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