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Große Trauer um Tourenwagenlegende Dieter Glemser (1938-2026)
Drei Wochen vor seinem 88. Geburtstag ist der ehemalige Mercedes-, Porsche- und Ford-Werksfahrer Dieter Glemser verstorben.
Ein unglücklicher Sturz innerhalb seines Hauses beendete in der Nacht zum 10. Juni das Leben des schwäbischen Rennsport-Idols Dieter Glemser. Trotz aller erdenklichen Notfall-Maßnahmen erwachte der Tourenwagen-Könner nicht mehr aus der Bewusstlosigkeit.
Mit ihm hat der internationale Motorsport einen seiner ehemals Besten verloren. Für jeden Teamchef war er ein absoluter Glücksfall: Ruhig, souverän, pflegeleicht, loyal, unglaublich schnell und dazu noch nicht mal ein Materialmörder.
Sein optisch unauffälliger Fahrstil machte den gelernten Gärtner und Rosenzüchter aus Warmbronn bei Leonberg zwar nicht unbedingt zum Publikumsliebling, aber jeder seiner Arbeitgeber schwärmte von seinen Qualitäten.
Ob in einem Porsche, Mercedes, Ford Escort oder Capri RS – am Ende stand er fast immer unterm Lorbeerkranz. An die 100 Siege wurden zwischen 1959 und 1974 für ihn notiert.
Bei den klassischen Rallye-Marathons fühlte er sich genauso wohl wie auf der Rundstrecke – damit gehörte er zu den wenigen Profis, die damals sowohl den reinen Rennsport als auch das Rallyefahren perfekt beherrschten. Werksverträge bei Mercedes, Porsche und zuletzt bei Ford belegen dies.
So bescherte «Schwabenpfeil» Glemser der 1969 neu gegründeten Kölner Ford-Rennabteilung gleich den ersten Meistertitel im Rundstrecken-Championat. Im 1,6 Liter Escort TwinCam unter der Regie von Sportchef Jochen Neerpasch gewann er 1969 alle zehn Meisterschafts-Läufe.
Danach kam schon der Wechsel in den legendären Capri RS, an dessen Entwicklung er bis zur Rennreife wesentlichen Anteil hatte. Mit dem Gewinn des Tourenwagen-Europa-Titels 1971 zahlte sich für Glemser auch die oft langwierige Testarbeit aus. Gleich fünf EM-Saisonsiege gelangen ihm im ersten kompletten Capri RS-Jahr, darunter der beim 24 h-Klassiker in Spa.
Glemsers Erfolgstory ging zügig weiter – 1972 Vize-Europameister im Capri RS hinter Ford-Teamkollege Jochen Mass, 1973 und 1974 im Zakspeed Escort RS gleich zwei Titelgewinne hintereinander in der hart umkämpften Deutschen Rennsport-Meisterschaft (DRM).
Einen unverschuldeten, schweren Unfall sah Glemser auch als Wink des Schicksals. Beim Tourenwagen-GP am Ring flog sein Capri RS 1973 nach einem Lenkungsbruch im Bergabstück «Wehrseifen» meterhoch durch die Luft, überschlug sich mehrfach und blieb als unförmiges Blechknäuel liegen.
Mit schweren Prellungen und Rippenbrüchen lernte Glemser erstmals das Adenauer Krankenhaus von innen kennen. Schon während der Rekonvaleszenz war er arg ins Grübeln gekommen, ob er nicht besser Schluss machen sollte, entschied sich aber dann doch nochmal fürs Weiterfahren. Zum Saisonende 1974 beendete er dann endgültig seine Rennfahrer-Laufbahn.
Eigentlich sollte Glemser von Ford nun in eine Berater-Funktion gehievt werden, was sich aber über den Winter 73/74 wegen der damals gerade beginnenden Energiekrise und daraus resultierender zurückgefahrener Werksaktivitäten im Motorsport zerschlug.
Nach einem Renault-Gastspiel als Instruktor und Pate des Renault 5-Cups kamen Glemser und Ford dann aber doch wieder zusammen – ab 1982 stand für ihn eine neue Aufgabe an. Als Chef-Instruktor kümmerte er sich um die Damen des neugeschaffenen «Ford Fiesta Ladies Cup».
Und als Porsche 1986 den «944 Turbo-Cup» aus der Taufe hob, erinnerten sich auch die Stuttgarter an Glemsers Management-Qualitäten im Cup-Segment und übertrugen ihm die Leitung der neuen Rennserie.
Hier hatte er es mit trickreichen Typen vom Schlag eines Jockel Winkelhock, Roland Asch, Jörg van Ommen oder Harald Grohs zu tun. Als in den Folgejahren der gute Ruf des Porsche 944-Cups durch eine offenkundige Betrugswelle mit dem Ladedruck ruchbar wurde, räumte Glemser gnadenlos auf und sorgte für die Bestrafung aller überführten Sünder.
Schließlich bat ihn sein alter Partner Mercedes zum Gespräch in Sachen DTM. Damit war Glemser nochmal in die einst beste deutsche Rennserie eingebunden. Er blieb fast zehn Jahre bei AMG im Organisationsteam.
Sein letztes Werks-Engagement im Motorsport mündete in eine Exklusiv-Vereinbarung, nach der er für AMG Funktionstests mit den GT- und Sportwagen des Hauses absolvierte und so manchem reichen Käufer in Dubai, Bahrain oder Singapur den teuren AMG-Neuwagen mit einem «Einführungs-Kurs» persönlich übergab. Dazu war er gern gesehener Instruktor bei der «AMG Driving Experience» sowie ausgesuchten Fahrerlehrgängen.
Eingedenk alter Daimler-Tage machten ihn die Stuttgarter schließlich zum Botschafter der Stern-Marke im Classic-Bereich. So stand beispielsweise vor 13 Jahren ausgerechnet an seinem 75. Geburtstag eine Dienstreise mit der «Roten Sau» zur «Arlberg-Classic» in Österreich an. Bei der Reise-Begleitung handelte nicht etwa um eine frivole Dame, sondern um den Kosenamen des berühmten AMG Mercedes 300 SEL 6.3, mit dem die Herren Heyer und Schickentanz beim 24 h-Rennen in Spa 1971 sensationell Platz 2 belegten – besiegt seinerzeit nur von Glemser/Soler-Roig im Capri RS …
Mit Begeisterung verfolgte Glemser zu Hause am TV-Gerät die Rennen der Formel 1, MotoGP und DTM. Besonders hingebungsvoll genoss Glemser seine Rolle als Opa. Die drei Töchter haben ihm und seiner Frau Helga (die beiden waren fast 65 Jahre verheiratet) sieben Enkelkinder geschenkt. Ein wahrhaft erfülltes Leben. Ihnen allen gilt unser tiefes Mitgefühl und Anteilnahme.
Danke Dieter für viele gemeinsame Erlebnisse über eine Zeitspanne von mehr als einem halben Jahrhundert. Wir hatten die beste Zeit, die man nur haben kann.
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