Berger kritisiert Teamorder: Mag keinen Betrug am Fan

Von Andreas Reiners
DTM
Gerhard Berger

Gerhard Berger

Gerhard Berger war geschockt, als Paul di Resta unbedrängt an Lucas Auer vorbeizog. Sauer. Zumindest im ersten Moment. Da dachte der DTM-Chef, dass eine Unart wieder Einzug in seine Serie gehalten hat.

Stallorder. Teamorder. Dabei sah es so aus, als sei die DTM darüber hinweg, raus aus der Nummer mit den strategischen Spielchen.

Für einen Racer wie Berger ist so etwas ein No-go. Komplett inakzeptabel. «Es ist unsportlich und es wäre dem Fan gegenüber nicht in Ordnung. Es wäre für die DTM ein Rückschritt. Aber Uli Fritz (Mercedes-Teamchef, Anm.d.Red.) hat mir versichert, dass es keine Stallorder war und die Fahrer selbst dafür verantwortlich waren. Dann gehe ich davon aus, dass dem so ist», sagte Berger.

Nicht nachvollziehen kann er allerdings, dass sein Neffe Auer im Zweikampf mit Paul di Resta Platz eins mehr oder weniger kampflos aufgab. Und auf der Geraden auf die Bremse stieg. «Ich weiß nicht, warum Lucas auf der Geraden auf die Bremse steigt. Darüber muss ich mit ihm noch sprechen. Jemand, der Meister werden will, der muss Ellenbogen haben, der muss dagegenhalten und bis zur letzten Kurve mit den Zähnen im Lenkrad kämpfen. Sonst wirst du nie Meister», sagte er.

Auer räumte ein, dass er sich gegen di Resta weniger wehrte. «Ja klar. Audi war zu dem Zeitpunkt nicht weit weg. Da denke ich gar nicht an Paul, sondern an mich selbst. Wenn ich schon nicht gewinne, will ich wenigstens Zweiter werden. Da muss man einfach weiter denken.»

Berger sieht das anders, eigentlich kennt er seinen Neffen als Kämpfer: « Das ist eine ganz neue Seite, die ich so noch nicht kenne. Die Reifen – in der einen Runde fährt er zwei Sekunden langsamer, dann wieder zwei Sekunden schneller. Kompletter Schwachsinn, dass die Reifen nur eine Runde lang nicht gehen. Und: Warum bremst er dann? Aber wie gesagt: Uli Fritz hat mir versichert, dass es keine Stallorder gab. Und deshalb gibt es keinen Grund für mich, das anzuzweifeln.»

Ob nun Stallorder oder nicht – gut ist die Diskussion für die DTM nicht. Verbieten kann man die Teamorder aber auch nicht wirklich. Beziehungsweise: Bekommt man es durch Verbote überhaupt in den Griff? Denn: «Man kann niemanden daran hindern, dass er langsamer fährt. Jeder, der sich innerhalb des Sports bewegt, hat eine Verantwortung, fair und sportlich zu sein. Sonst arbeitet man gegen das, womit sich jeder Teilnehmer schmückt: Sportlich zu sein.»

Den Ärger der Fans kann er vollkommen verstehen. «Die haben alle recht. Ich kaufe mir doch keine Karte für ein Rennen oder schaue es mir im Fernsehen an, wo einer auf die Bremse steigt auf der Geraden. Das ist für den Rennsport eine Todsünde. Ein No-Go. Das akzeptiert niemand, das darf nicht sein. Und wer das bewusst steuert, hat im Sport nichts zu suchen.»

Der Österreicher weiß, dass das Thema bei den Fans und in der Serie nun präsent ist, nach den ganzen positiven Schlagzeilen der vergangenen Wochen ist das ärgerlich. Er will aber auch nicht, dass das Thema unter den Teppich gekehrt oder totgeschwiegen wird. «Das darf sich nicht verlaufen. Beim letzten Rennen Teamorder, wenn es um den Titel geht – das hat es schon immer gegeben. Ich will aber in keinen Sport involviert sein, in dem in einer frühen Phase, in der alle noch vorne mitfahren können, irgendwelche Spielchen passieren. Ich mag einfach keinen Betrug am Fan.»

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