Krieg der Weltmeister: Triumphieren nur Egomanen?

Kolumne von Jan Sievers
Eisspeedway

Muss man um Weltmeister zu werden ein rücksichtsloser Draufgänger sein? Nikolai Krasnikov steht im Eisspeedway ähnlich in der Kritik wie Nicki Pedersen im Speedway.

Im Sport kann nur erfolgreich sein, wer über den nötigen Egoismus verfügt. Auch wenn der eine oder andere abseits der Strecke dem Gemeinwohl dient, haben Weltmeister eines gemeinsam: sie sind selbstsüchtig.

Wäre Nikolai Krasnikov nicht egozentrisch, wäre er nie achtmal Eisspeedway-Weltmeister geworden. Wofür er nach dem Auftakt bei der Russischen Meisterschaft erneut in der Kritik steht, sind seine Fahrmanöver. Im Stechen um Platz 1 am ersten Renntag des Russischen Championats in Togliatti fuhr er Weltmeister Dmtri Koltakov derart hart innen ran, dass er dafür heftige Kritik einstecken musste. Um Haaresbreite hätte der Zusammenstoß in einem üblen Crash enden und den Champion die Saison kosten können.

Jedoch ist es das, was die Fans sehen wollen. Vier Wahnsinnige, die sich auf der Rennstrecke die Karten legen und mit dem Messer zwischen den Zähnen um den Sieg kämpfen. Sonst wären sie zum Damen-Rommé in eine beheizte Halle gegangen, anstatt bei Minusgraden im Stadion auszuharren.

Krasnikov ist berühmt für seine Furchtlosigkeit, was zum Nachteil der Gegner ist. Er ist nicht nur derjenige, der den Gashahn am längsten offen hält, er profitiert auch davon, dass seine Gegner wissen, dass er nie zurückzuckt. Wenn Krasnikov von hinten angreift sieht man selten Fahrer, die wirklich dagegenhalten. Sie wissen, wenn sie ihm die Linie versperren, endet es meistens mit harten Kollisionen oder üblen Crashs.

Im Sommer ist Nicki Pedersen ein Beispiel eines Egozentrikers, der den Bogen immer wieder überspannt. Sobald der dreifache Weltmeister den Helm aufsetzt, werden bei ihm gewisse Knöpfe ein- und andere ausgeschaltet. Ist der Däne nicht in Führung, fährt er gerne mal auf seine Gegner auf, oder blockt derartig, dass es häufiger zu schweren Stürzen kommt. Pedersen ist wie Krasnikov der Badboy im Sport. Doch nur diejenigen, die nicht jedermanns Liebling sein wollen, werden am Ende Weltmeister.

Dasselbe erlebten wir in der MotoGP-WM 2015, in der sich Valentino Rossi und Marc Márquez bekriegten – und damit für die besten Quoten und globales Medieninteresse sorgten.

Die Frage ist nur, ob immer alle Mittel ausgeschöpft werden müssen. Am Beispiel Greg Hancock wird deutlich, dass dies nicht zwingend ist. Der US-Amerikaner ist wie Pedersen dreimal Weltmeister, hat sich aber noch nie unbeliebt gemacht und gilt als der fairste Fahrer in der Speedway-Weltmeisterschaft. Auch Simon Wigg, der zu seiner Zeit Rekordweltmeister auf der Langbahn war, tat keiner Fliege etwas zu leide und holte insgesamt fünf WM-Titel.

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