6h Bahrain: Weitere Gedanken zum Rennen der FIA WEC

Kolumne von Oliver Müller
FIA WEC
Während Toyota beim Saisonfinale der FIA WEC einen souveränen Rennsieg feierte, verabschiedete sich Porsche aus der LMP1-Klasse mit zwei Podiumsplätzen. SPEEDWEEK.com reflektiert die Geschehnisse aus Bahrain.

Sie ist nun also zu Ende gegangen. Die Saison 2017 der Sportwagen-WM (FIA WEC) feierte in Bahrain einen krönenden Abschluss. Und während (gerade zum Ende der Saison) das ein oder andere Rennen eine eher zähe Angelegenheit war, bot die Veranstaltung in Bahrain einen doch recht guten Unterhaltungswert. Letztendlich sicherte sich Toyota mit dem TS050 Hybrid von Sébastien Buemi, Anthony Davidson und Kazuki Nakajima den Sieg. Zwar hatte der japanische Hersteller bei den 24 Stunden von Le Mans sowie bei der Vergabe der beiden WM-Titel das Nachsehen, jedoch konnte Toyota am Ende einen Saisonsieg mehr als der Rivale aus Schwaben feiern.

Betrachtet man die Saison rückwirkend, hatte Toyota sogar in sechs von neun Rennen (Silverstone, Spa-Francorchamps, Le Mans, Fuji, Shanghai und Bahrain) das schnellere Auto. Und hätte es in Le Mans nicht doppelte WM-Punkte gegeben (zum letzten Mal übrigens), so wäre auch der Fight um den WM-Titel noch um einiges enger gewesen.

Alle fünf Toyota-Siege gingen an das Fahrer-Trio Sébastien Buemi, Anthony Davidson und Kazuki Nakajima. Mehr Triumphe in einem Jahr gab es in der FIA WEC (bzw. deren Vorgänger-Meisterschaften) letztmals im Jahre 1990, als Jean-Louis Schlesser und Mauro Baldi im grandiosen Sauber-Mercedes C11 sogar sechs Mal (Suzuka, Monza, Dijon-Prenois, Nürburgring und Donington und Montreal) ganz vorne lagen.

Auch bei Porsche konnte sich 2017 nur ein Trio in die Siegerlisten eintragen. Timo Bernhard, Earl Bamber und Brendon Hartley siegten Mitte der Saison viermal in Folge (Le Mans, Nürburgring, Mexiko und Austin). Somit ging André Lotterers Porsche-LMP1-Stint tatsächlich sieglos zu Ende. Nur zu gerne hätte der Deutsche an seine erfolgreiche Audi-LMP1-Zeit anknüpfen wollen. Doch zu seiner Ehrenrettung: In Le Mans versagte die Technik am 919 Hybrid, als Lotterer in Führung lag. Und sowohl am Nürburgring wie auch in Austin wurden Lotterer/Nick Tandy/Neel Jani vom Porsche Kommandostand zurück gepfiffen, um dem in der WM besser platzierten Schwesterfahrzeug den Sieg zu geben.

Sowohl Porsche-Pilot Nick Tandy wie auch Toyota-Mann Kamui Kobayashi blieben in Bahrain im Überrundungsverkehr hängen und machten dadurch die Siegesambitionen ihres jeweiligen Fahrzeuges zunichte. Von außen gesehen mag dies verwunderlich wirken, dass die Piloten solche Fehler begehen – zumal der 5,412 Kilometer lange Kurs mit insgesamt 26 Fahrzeugen wahrlich nicht überfüllt ist. Doch die Sicht in einem geschlossenen LMP1 ist tatsächlich nicht besonders berauschend. Bezogen auf die Anzahl der Überrundungen pro 6-Stunden-Rennen ist die Fehleranzahl insgesamt aber auf einem sehr geringen Prozentwert. Das ist vergleichbar mit einem Fußballspiel. Sobald ein Abwehrspieler nur einmal kurz gepatzt hat, ist zumeist ein Gegentor das Resultat. Und ein LMP1-Pilot macht im Rennen 999 Dinge richtig über die kein Mensch spricht, doch bei Aktion Nummer 1000 hat er sich einmal verschätzt und jeder hat es gesehen.

In der GTE-Klasse war auch in Bahrain wieder Ferrari das Maß der Dinge. Mit einem lupenreinen Doppelsieg bestätigten Davide Rigon/Sam Bird sowie James Calado/Alessandro Pier Guidi ihre dominierenden Stellung in der Klasse. Für Calado/Pier Guidi bedeutete dies gleichzeitig auch den GTE-Fahrer-WM-Titel. Während Calado bereits seine vierte Saison als Ferrari-Werksfahrer bestritt, war es für den Italiener Pier Guidi die erste. Nach dem Wechsel von Gianmaria Bruni zu Porsche musste Pier Guidi in dessen Fußstapfen treten. Viele trauten das dem 33-Jährigen nicht zu. Doch Pier Guidi belehrte sie eines Besseren.

Auch der Titel in der GTE-Am-Klasse ging an des beste Gespann der Saison. Paul Dalla Lana, Pedro Lamy und Mathias Lauda gewannen vier von neun Rennen. In einer Klasse, in welcher der jeweilige Gentleman-Pilot den großen Unterschied macht, konnte sich der kanadische Geschäftsmann Paul Dalla Lana mit Bravour behaupten. Bei seiner besten Rennrunde in Bahrain von 2:02,759 Minuten lag er vor all seinen Herrenfahrer-Pendants: Christian Ried (2:03,859), Weng Sun Mok (2:04,021), Michael Wainwright (2:04,286) und Thomas Flohr (2:04,533).

Die FIA WEC geht nun in ihre lange Winterpause. Start der 'Super-Season' 2018/19 ist am 5. Mai in Spa-Francorchamps.

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