Ferrari: Jean Alesi, Flavio Briatore zu Australien-GP

Von Mathias Brunner
Formel 1
​Klar hängt in Italien nach der tollen Australien-Darbietung von Sebastian Vettel und Ferrari der Himmel voller Geigen. Aber ist Ferrari Titel-fähig? Insider wie Jean Alesi und Flavio Briatore nehmen Stellung.

Erster Sieg seit Singapur 2015 – Sebastian Vettel hat mit seiner roten Göttin namens Gina ganz Italien in einen Freudentaumel versetzt. Die Tifosi träumen jetzt natürlich vom Titel. Etwas differenzierter sehen es Experten wie die früheren Ferrari-Piloten Jean Alesi und Ivan Capelli, wie die Erfolgs-Teamchefs Cesare Fiorio und Flavio Briatore, wie der langjährige GP-Pilot Jarno Trulli und Ex-Ferrari-Technikchef Mauro Forghieri.

Jean Alesi (52), von 1991 bis 1995 in Ferrari-Diensten, sagt meinem Kollegen Andrea Cremonesi von der Gazzetta dello Sport: «Jetzt traue ich Ferrari sogar den WM-Titel zu. Der Schritt ins neue Reglement war ein Schritt ins Ungewisse. Es gab 1000 Zweifel, was Mercedes-Benz oder Red Bull Racing auf Lager haben würden. Nun erwarte ich in China eine Bestätigung der guten Leistung von Australien. Die Leichtigkeit, mit welcher Vettel Hamilton im Rennen gefolgt ist, fand ich verblüffend. Hamilton hatte umgekehrt keine Chance, Vettel folgen zu können. Wenn ein Auto von Anfang an gut ist, so wie der Ferrari, dann fällt auch die Entwicklung leichter. Aber natürlich sollte niemand Mercedes und Red Bull Racing abschreiben.»

Flavio Briatore (66), Weltmeistermacher von Michael Schumacher und von Fernando Alonso, warnt: «Wir müssen China abwarten, um ein klareres Bild zu erhalten. Der Ferrari-Sieg macht Freude, aber Melbourne ist eine besondere Rennstrecke. Der Kampf um den Titel scheint härter zu werden, das ist prima. Vettel ist in Australien hervorragend gefahren, der Sieg ist hoch verdient. Aber ich erwarte noch Grosses von Red Bull Racing und Mercedes. Im Idealfall haben wir einen Dreikampf um den WM-Titel.»

Der Mailänder Ivan Capelli (52), 1992 Ferrari-Werksfahrer, findet: «Für ein Urteil ist es noch zu früh. Ich glaube, der Sieg von Ferrari hat auch viel damit zu tun, dass Mercedes und Red Bull Racing in Sachen vernetzter Aufhängungen einen Schritt zurück machen mussten. Was ich interessant fand: Hamilton und Vettel liessen ihren Stallgefährten Bottas und Räikkönen keine Chance. Da bin ich gespannt, wie es weitergeht. Ferrari steht in Sachen Entwicklung gut da, denn die Basis ist solide. Es ist viel schwieriger, ein mittelprächtiges Auto auf Tempo zu bringen als ein gutes noch schneller.»

Auch der Turiner Cesare Fiorio (77), von 1989 bis 1991 Rennchef der berühmtesten Scuderia der Welt, glaubt an eine Titelchance. «Ferrari hat ganz offenbar ein prachtvolles Auto gebaut, die Umstellung beim Reglement hat es ihnen erlaubt, den Rückstand auf Mercedes wettzumachen. Und wir erleben einen wiederbelebten Sebastian Vettel. 2016 konnte Kimi Räikkönen bessere Leistungen zeigen, weil Vettel unter seinem Potenzial gefahren ist. In Sachen WM warne ich vor Red Bull Racing – die haben im Laufe der Saison 2016 Ferrari eingeholt und dann überholt. Also ist klar, was die in Sachen Entwicklung drauf haben.»

Mauro Forghieri (82), langjähriger Technikchef von Ferrari, sagt: «Gewiss, Melbourne hat seine eigenen Gesetze. Aber Australien hat mindestens bewiesen, dass Mercedes 2017 nicht mehr alles in Grund und Boden fährt wie früher. Der Ferrari ist unter einem guten Stern geboren, die Balance zwischen Mechanik und Aerodynamik stimmt.»

Jarno Trulli (42), in 252 Grands Prix gestählt, ist der Ansicht: «Es ist verlockend, an den WM-Titel von Ferrari zu glauben. Denn der Sieg in Australien ist keine Frucht des Zufalls. Die Ausgangslage stimmt. Jedes der drei Top-Teams hat alle Ressourcen, um tüchtig entwickeln zu können. Daher traue ich auch Red Bull Racing zu, zur Spitze aufzuschliessen.»

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