Mika Häkkinen über Strafen: «Unfair und lächerlich»

Von Rob La Salle
Formel 1

​Der zweifache Weltmeister Mika Häkkinen (48) kann sich mit dem Strafensystem in der Formel 1 nicht anfreunden. «Wenn ein Pilot wegen neuer Motorteile nach hinten rücken muss, ist das nur lächerlich.»

Gut die Hälfte des Monza-Startfelds musste Strafversetzungen hinnehmen, weil in vielen Rennwagen Motorteile oder Getriebe gewechselt werden mussten. Die Fans schlagen wegen des komplexen Strafsystems die Hände über dem Kopf zusammen, und auch Racer wie Mika Häkkinen sind am Ende ihrer Geduld.

Der Formel-1-Champion von 1998 und 1999 sagt in seiner Kolumne für den Wettanbieter Unibet: «Wenn ein Pilot wegen neuer Motorteile nach hinten rücken muss, dann ist das nur lächerlich. Mir ist schon klar, dass es einfach ist, das heutige System zu kritisieren und mit der richtigen Alternative zu glänzen. Aber ich habe mit dem Vorgehen an sich Mühe – wieso soll ein Fahrer bluten, wenn die Teams oder Lieferanten versagen?»

Der 20fache GP-Sieger aus Finnland meint weiter: «Als ich noch Formel 1 fuhr, hatten wir auch unsere Strafen. Aber hier drehte es sich um Ungehörigkeiten auf der Strecke. So wie wir sie heute auch noch erleben. Hin und wieder wurde eine Geldbusse ausgesprochen, damit die Nachricht auch wirklich ankam.»

«Aber was heute in Sachen Strafen und Versetzungen passiert, das ist eine völlig andere Ebene und den Piloten gegenüber unfair. Die Rennställe und die Motorhersteller kennen die Regeln, wenn sie Autos und Triebwerke konzipieren und bauen oder wenn sie Verbesserungen einführen. Wenn sie also ihre Hausaufgaben ungenügend gelöst haben, dann sollten gefälligst auch Teams und Motorhersteller dafür geradestehen – nicht die Fahrer. Die Fans sollten ihre Helden von jenem Startplatz losfahren sehen, für die sich die Piloten im Abschlusstraining die Seele aus dem Leib gefahren haben. Und nicht von ganz hinten.»

«Mir kommt das vor, als würde ein Schulbub einen Streich machen, und dann wird die ganze Familie zum Schulleiter zitiert und muss anschliessend nachsitzen. Das ist doch ein Witz. Ganz abgesehen davon, dass die meisten Rennsportfans das komplexe Strafsystem nicht verstehen.»

Der langjährige McLaren-Mercedes-Fahrer Häkkinen sagt zum vergangenen Rennen von Lewis Hamilton: «Monza sieht immer so einfach aus, aber das ist es nicht. Wenn du mit 350 Sachen fährst, dann passieren die Dinge wirklich schnell. Alleine schon den Bremspunkt perfekt auf die Reihe zu bekommen, Runde für Runde, ist überaus anspruchsvoll. 1999 habe ich die Führung in Monza wegen eines Drehers weggeworfen. Das passierte zu einem wichtigen Zeitpunkt, weil mein WM-Rivale Eddie Irvine in der Zwischenwertung nur einen Punkt hinter mir lag.»

«Der Hintergrund – ich hatte mich nicht wohlgefühlt und musste sogar Antibiotika nehmen. Ich dachte, dass dies meine Leistung nicht beeinflussen würde, aber das tat es.»

«Zudem haben wir im Rennen eine andere Übersetzung verwendet als im Qualifying. Mit einem längeren ersten Gang für den Start, das bedeutete, dass ich die erste Schikane im zweiten Gang nahm und nicht wie in der Quali im ersten. Zudem kam, dass wir eine andere Rennstrategie fuhren als Ferrari und die Ingenieure mich baten, bitteschön 30 Runden im Quali-Tempo zu fahren. Jedenfalls kam ich in Runde 30 zur ersten Schikane und weil ich nicht ganz bei mir war, legte ich nicht den zweiten Gang ein, sondern eben den ersten. Normalerweise hätte die Bordelektronik das Blockieren der Hinterräder verhindern müssen, aber auch dort war an jenem Tag der Wurm drin – Dreher.»

«Ich war sehr wütend auf mich selber. Ich musste mir eingestehen, dass die Erkältung auf mich einen grösseren Einfluss gehabt hatte als erwartet. Nicht nur beim Auto muss alles perfekt sein, wenn du einen Grand Prix gewinnen willst.»

Mika Häkkinen sagt zum kommenden Singapur-GP: «Ich erwarte eine ganz starke Leistung von Red Bull Racing und Ferrari. Mercedes wird nur dann mithalten können, wenn sie bei der Abstimmung alles prfekt auf die Reihe bekommen.»

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