Neues Rätsel Racing-Raritäten: In die Wüste geschickt

Von Mathias Brunner
Formel 1

​​​Das Rätsel «Racing-Raritäten» zeigt einen Mann, der in die Wüste geschickt worden ist. Altes Auto und moderner Helm ergeben einen seltsamen Kontrast. Wo und wann ist das Bild entstanden? Machen auch Sie mit!

Aus dem Archiv unserer Partner der britischen Foto-Agentur LAT stellen wir bekanntlich jede Woche ein kleines Stück Motorsporthistorie vor. Das Vorgehen ist kinderleicht – sagen Sie uns, wer zu erkennen ist, wo und wann das Bild entstand (Beispiel: Jo Siffert, Monza, 1970) und gewinnen Sie mit etwas Glück einen kleinen Preis. Bitte Namen, Adresse, Geburtsjahr und Telefonnummer nicht vergessen. Schicken Sie Ihre Lösung an: mathias.brunner@speedweek.com. Einsendeschluss ist jeweils Sonntag der laufenden Woche, 24.00 Uhr.

Die richtige Lösung vom letzten Mal: Der Schweizer Clay Regazzoni mit seinem Ferrari Dino 166 V6-Renner vor dem Italiener Nanni Galli in einem Tecno 68, wir sind beim Formel-2-Rennen von Thruxton am 7. April 1969.

Nicht alles in der guten alten Zeit war gut. Unser Bild zeigt, was heute Hashtag-Kampagnen und Shitstorms auslösen würde: Das Werbebanner für Embassy (auf unserem Foto als «sy» noch zu erkennen), angeblich «der beste Schmauch», und Zaungäste, die keine Zaun nutzen, weil es keine Zäune gab, sie standen vielmehr direkt an der Rennstrecke, aus heutiger Sicht absolut haarsträubend.

Auch die Perspektive unseres LAT-Bilds zeigt, wie nahe die Fotografen dem Geschehen damals gewesen sind.

Die Piste ist unverkennbar Thruxton in Südengland, ursprünglich (wie auch Silverstone) ein Flugfeld der Königlichen Luftwaffe. 1968 entstand hier eine Strecke, auf welcher noch heute gefahren wird, etwa Tourenwagen oder Formel 3 oder britische Superbikes. 1993 bewegte Damon Hill hier seinen Formel-1-Williams. Gemäss Abmachungen mit den Lokalbehörden ist der Rennbetrieb auf zwölf Tage im Jahr beschränkt. Am berühmtesten wurde die Piste durch packende Formel-2-Rennen.

Clay Regazzoni wurde als Südschweizer von den Tifosi als einer der ihren angesehen. Der als furchtlos bekannte und im Zweikampf gefürchtete Tessiner kam 1970 auf dem Weg zu seinem Formel-2-EM-Titel (mit Tecno) ins Formel-1-Team von Ferrari, bestritt nur ein Teil der WM, wurde aber noch WM-Dritter hinter Jochen Rindt und Jacky Ickx. Er gewann das Windschattenrennen von Monza 1970, an jenem Wochenende, als die Formel 1 um Jochen Rindt trauerte.

«Rega» blieb bis Ende 1972 bei Ferrari, es folgte ein Zwischenjahr bei BRM, dann bildete er zusammen mit Niki Lauda ein Traum-Team. Die Unzuverlässigkeit seines Ferrari kostete ihn den WM-Titel 1974 gegen Emerson Fittipaldi, 1975 holte das dann Niki Lauda mit dem ersten Titel für Ferrari seit 1964 (John Surtees) nach. Regazzoni blieb bis Ende 1976 bei Ferrari, dann tingelte er herum – 1977 im Ensign, 1978 in Shadow, Renaissance 1979 mit Williams (erster Sieg für Frank Williams, in Silverstone), 1980 bei Ensign. In Long Beach 1980 erlitt er bei einem Unfall (gebrochenes Bremspedal) so schwere Verletzungen, dass er von nun an in den Rollstuhl gezwungen war. Regazzoni fuhr auch als Querschnittgelähmter Rennen (Handgasvorrichtung) und nahm beispielsweise an der Rallye Paris-Dakar teil. Am 15. Dezember 2006 kollidierte er auf einer Autobahn von Parma mit seinem Chrysler Voyager mit einem Lastwagen. Regazzoni war auf der Stelle tot.

Clay Regazzoni war ein Rennfahrer, wie ihn sich die Menschen vorstellen: Piratengrinsen, Schnauzer, Frauenkenner, gutem Essen und Wein zugeneigt. Aber Regazzoni war mehr.

Piero Ferrari, Sohn des legendären Rennstallgründers, hat über Clay einmal gesagt: «Alle reden immer von Niki Lauda, wie er Ferrari wieder auf die Siegerstrasse brachte. Die Rolle von Clay als Testfahrer wird dabei komplett unterschätzt. Ich habe ihn als äusserst sensiblen Piloten in Erinnerung, der jede Nuance seines Renners heraushören konnte.»

Nanni (eigentlich Giovanni Giuseppe Gilberto) Galli, 1940 in Bologna geboren, bestritt in seiner Karriere nur 17 Grands Prix, Highlight blieb Rang 9 in Brasilien 1973, in einem Iso-Marlboro-Renner von Frank Williams. Erfolgreicher war Galli im Sportwagen – mit seinem Alfa-Renner galt er als absoluter Spitzenfahrer.

Der Ferrari Dino 166 war 1969 am Ende seines Einsatz-Zyklus’, am erfolgreichsten war das Chassis nicht bei den sporadischen Formel-2-Einsätzen, sondern in der Tasman-Serie, in welcher Chris Amon 1969 damit den Gesamtsieg herausfuhr.

Zum neuen Rätsel: Wo wir uns befinden, dürfte für die meisten Ratefüchse leicht zu erkennen sein. Aber ein moderner Helm und ein altes Auto, das will nicht so richtig zusammenpassen.

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Viel Spass beim Rätseln!

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