Force India: Wieso Vijay Mallya als Direktor abtritt

Von Mathias Brunner
Formel 1
Vijay Mallya

Vijay Mallya

​Der Unternehmer Vijay Mallya hat seinen Posten als Direktor des Rennstalls Force India aufgegeben. Der 62-Jährige bleibt jedoch Mitbesitzer und Teamchef. Was er zu dieser Entscheidung sagt.

Anfang Dezember 2017 erlebte Rennstall-Mitbesitzer Vijay Mallya innerhalb von 24 Stunden zwei Auftritte, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Am Sonntag noch Gast bei der Autosport-Gala, am Montag dann vor dem Amtsgericht Westminster. Bei den «Autosport Awards» in London konnte er seinen Gegner genüsslich unter die Nase reiben, was die vor der Saison 2017 behauptet hatten. Mallya war sauer aufgestossen, was Renault-Sport-Geschäftsleiter Cyril Abiteboul im Februar 2017 festgehalten hatte. Der Franzose war davon überzeugt, dass vor dem Hintergrund des neuen Reglements die Mittelfeldteams Mühe haben würden. Woraufhin Force India den tollen vierten Schlussrang von 2016 wiederholte, während das Renault-Team mit Ach und Krach WM-Sechster wurde.

Weniger erfreulich dann der Gang vors Amtsgericht Westminster am Montag. SPEEDWEEK.com-Leser wissen: Der indische Unternehmer soll von Grossbritannien nach Indien ausgeliefert werden. Doch Mallya versucht mit allen rechtlichen Mitteln, diese Auslieferung zu verhindern. Worum geht es? Der Oberste Gerichtshof von Indien ist im Mai 2017 zum Urteil gekommen, der Unternehmer Vijay Mallya habe eine Anweisung des Gerichts missachtet. Ihm war verboten worden, 40 Millionen Dollar aus einer Abfindung des Getränkekonzerns Diageo an seine Kinder zu überweisen. Stattdessen hätte das Geld gemäss Anordnung des Gerichts zum Abbau des gewaltigen Mallya-Schuldenbergs verwendet werden müssen.

Mallya hatte sich für seine Kingfisher-Airline sehr viel Geld geliehen, die Rede ist von insgesamt einer Milliarde Euro. Es ist also kein Wunder, dass die Bank Ansprüche beispielsweise auf jene Abfindung Mallyas erhebt, die ihm seitens Diageo zugesprochen worden ist. Am 18. April 2017 stellte sich Mallya in England, der Druck war ihm offenbar zu gross geworden. Auf Kaution in Höhe von 650.000 Pfund (773.000 Euro) kam Mallya frei. Fluchtgefahr besteht keine: Mallyas Reisepass ist eingezogen.

Die Rechtsvertreter von Mallya argumentieren vor Gericht, es bestehe Gefahr für Leib und Leben, sollte ihr Mandant ausgeliefert werden. Zudem sei der Prozess gegen Mallya in Indian politisch motiviert. In Indien erwarte Mallya ein unfairer Prozess. Mallya kann das Verfahren bis ans Oberste Berufungsgericht (Supreme Court) schleppen, die oberste gerichtliche Instanz von Grossbritannien. Wie lange das alles dauern kann, wagen nicht einmal britische Rechtsexperten abzuschätzen.

Nun ist Mallya als Direktor von Force India zurückgetreten. Er wird nach eigenen Angaben durch seinen Sohn Siddarth ersetzt. Mallya hat dazu erklärt: «Ich muss mich um meine rechtlichen Angelegenheiten kümmern. Es ist besser, wenn die Firma davon nicht berührt wird.»

Dass Force India angeblich verkauft werde, hat Mallya verschiedene Male dementiert: «Es gibt keine Bestrebungen, das Team zu verkaufen. Ob ich in Grossbritannien bleibe oder nach Indien zurückgeschickt werde, ändert nichts an der Team-Struktur. Das laufende Auslieferungsverfahren hat gar nichts mit den Besitzverhältnissen oder mit der Leitung des Teams zu tun.»

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