2. Training Sotschi: Hamilton top, Ferrari legt nach

Von Mathias Brunner
Formel 1
Lewis Hamilton in Sotschi

Lewis Hamilton in Sotschi

​Zweites Training im Sotschi-Autodrom zum Grand Prix von Russland: Bestzeit von WM-Leader Lewis Hamilton, Ferrari kopiert die Konkurrenz, die Fahrer kämpfen mit körnenden Reifen.

Ferrari gibt Gas: Die Italiener haben einen optimierten Frontflügel nach Russland gebracht, der die besten Ideen von Red Bull Racing und Mercedes vereint. Ziel dieser Neuentwicklung: Die Strömung nachhaltiger um die Vorderräder herumzwingen, mehr Luft zum Unterboden schaufeln, mehr und konstanter Abtrieb erzeugen. Ferrari hat zudem unter der Fahrerzelle neue Luftleit-Elemente angebracht. Mercedes hat mit einem neuen Heckflügel gekontert und dabei ironischerweise eine Idee von Ferrari aufgenommen – zwei zentrale Stützen statt einer. Beide Rennställe entwickeln mit Volldampf weiter.

Kimi Räikkönen entdeckte Flüssigkeit auf seinem Helmvisier und erkundigte sich bei seiner Boxenmannschaft. Die Italianer beruhigten ihn: Nein, gemäss des Raders sind keine Niederschläge in Sicht. Überhaupt sind die Wettervorhersagen recht ermutigend – weder fürs Qualifying noch fürs Rennen ist Regen angesagt. Allerdings waren über dem Autodrom von Sotschi dunkle Wolken zu sehen, der eine oder andere Tropfen kann sich also durchaus zu Kimi Räikkönen verirrt haben.

Kimis Stallgefährte Sebastian Vettel beklagte sich über Vibrationen. Sehr häufig stammen die von den Felgen, wenn etwa ein Ausgleichsgewicht verloren geht.

Nach einer halben Stunde hielt Max Verstappen die Bestzeit, knapp 15 Hundertstelsekunden vor Lewis Hamilton, dann Valtteri Bottas, Daniel Ricciardo, Vettel, Kevin Magnussen, Kimi Räikkönen, Pierre Gasly, Charles Leclerc und Carlos Sainz.

Nach vierzig Minuten fand Lewis Hamilton endlich eine freie Runde und stanzte Bestzeit auf den Asphalt. Die neue Formel 1 wird die Rekorde von Sotschi einmotten: Hamilton fuhr 1:33,548 min, die Pole-Positioin von Sebastian Vettel 2017 lag bei 1:33,194 min.

Valtteri Bottas’ Versuch, die schnellste Zeit zu fahren, verpuffte in einer russischen Grünfläche aus Kunstrasen: Ausgangs der letzten Kurve geriet der Finne neben die Bahn. Damit war ein Versuch auf hyperweichen Reifen im Eimer.

Ferrari gondelte zu diesem Zeitpunkt auf den Rängen 5 (Vettel) und 6 (Räikkönen) herum, mit viel Sprit an Bord.

Lance Stroll holperte hart über einen Randstein und meldete sich per Funk: «Könnt ihr prüfen, ob mit dem Wagen alles in Ordnung ist? Der Schlag war ziemlich hart.» Die Williams-Box gab Entwarnung. Ebenfalls neben der Bahn: der künftige Ferrari-Fahrer Charles Leclerc. Er war in Kurve 5 von der Strecke geraten, hatte aber das Glück, dass dort die Auslaufzone ziemlich üppig ist. Der Monegasse kleinlaut am Funk: «Ich bin beim Anbremsen auf den Randstein geraten.»

Stand nach einer Stunde: Die Mercedes von Hamilton und Bottas vor den Red Bull Racing-Rennern von Verstappen und Ricciardo. Der Abstand von rund vier Zehnteln auf identischen Reifen scheint nach diesen Quali-Simulationen realistisch zu sein. Die Fahrer wechselten zurück auf die ultraweichen Pirelli, um Dauerläufe zu fahren. Sie brauchen mehr Erfahrungwerte auf einer Bahn, die bis zur achten Kurve frisch asphaltiert worden ist.

Bottas und Hamilton teilten sich die Arbeit: Bottas blieb auf dem hyperweichen Pirelli, Hamilton versuchte die ultraweiche Mischung. Bei den Einsätzen der weichsten Reifen (die pink markierten hyperweichen Pirelli) zeigte sich – die Walzen bauen nicht so dramatisch ab wie in der Hitze von Singapur.

Der Kampf im Mittelfeld wird wunderbar: Der siebtschnellste Pérez lag 1,7 Sekunden hinter Leader Hamilton, vom Mexikaner bis hinunter zu Rang 17 (Fernando Alonso) drängelten sich elf Piloten in weniger als einer Sekunde.

Kurzer Blick auf die Top-Speed-Liste: Mit Mercedes-Power sind die Piloten gut bedient – Bottas mit 331,6 km/h vor Hamilton (327), Pérez (324,9), Stroll (324,1) und Ocon (323,3), alle Autos mit Mercedes-Motoren. Dann Leclerc im Sauber-Ferrari (322,1) und Pierre Gasly im Toro Rosso-Honda (321,5).

Schreckmoment für Sebastian Vettel: Dreher von Sebastian Vettel am Eingang zu Kurve 13, beschädigt wurden nur der Stolz und ein Satz Reifen. Der Deutsche kam trotzdem für einen kurzen Check an die Box. Danach monierte der vierfache Champion den dichten Verkehr im Autodrom von Sotschi. Das verfälsche die Ergebnisse.

Daniel Ricciardo beklagte sich wie zuvor Max Verstappen über körnende Reifen, wenn sich auf der Reifenoberfläche kleine Reifenkügelchen bilden. «Links vorne ist es besonders schlimm», berichtete der Australier. Kimi Räikkönen schimpfte über das gleiche Reifenphänomen der hyperweichen Pirelli. GP-Sieger Johnny Herbert: «Manchmal kann ein Fahrer das Körnen beenden, indem er in den Kurven ein klein wenig behutsamer fährt, wir reden hier von Unterschieden im Zehntelsekundenbereich. Dann kann sich ein solcher Reifen erholen, und der Gummi baut wieder die übliche Haftung auf. Aber da musst du als Pilot schon was auf dem Kasten haben.»

Tatsächlich meldete sich Daniel kurz darauf: «Die Vorderreifen haben sich stabilisert, aber die hinteren Reiefn haben viel einstecken müssen, das beeinträchtigt die Fahrzeugbalance.»

Die ultraweichen Reifen erweisen sich als weitaus haltbarer. Die Strategen der Top-Teams werden ersthaft in Betracht ziehen, im zweiten Quali-Teil mit violett markierten Walzen zu verwenden – um mit einem belastbareren Reifen ins Rennen gehen zu können.

Zum Fazit des zweiten Russland-Trainings fällt uns ein Spruch von Sebastian Vettel ein: «Wo Mercedes ist, da ist vorne.»

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Lewis Hamilton: Hunger auf mehr als Formel 1

Mathias Brunner
​Lewis Hamilton ist nach 2008, 2014, 2015, 2017, 2018 und 2019 zum siebten Mal Formel-1-Weltmeister. Doch sein Erbe besteht nicht aus Bestmarken, die er reihenweise niederreisst. Sein Erbe reicht erheblich weiter.
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