Adrian Newey: Rutsch-Randsteine gegen Pistensünder

Von Adam Cooper
Formel 1
Adrian Newey (links)

Adrian Newey (links)

​Es liegt in der Natur des Racers, den kürzesten Weg von A nach B zu suchen. Der führt auch mal abseits der Rennstrecke durch. Adrian Newey schlägt eine verblüffend einfache Lösung gegen Pistensünder vor.

Der Autoverband FIA tut sich schwer mit Pistensündern. Immer wieder suchen die Herren Formel-1-Fahrer den Weg am eigentlichen Asphaltband vorbei, um den Weg zu kürzen oder mehr Schwung für die folgende Kurve zu holen. F1-Rennleiter Charlie Whiting und seine Kollegen reagierten zum Teil mit schlafenden Polizisten, mit Kunststoff-Elementen, die so platziert werden, dass das Abkürzen unattraktiv wird. Geklappt hat das nicht immer. Max Verstappen handelte sich an solch einem Element in Texas einen Aufhängungsschaden ein, weil die Querlenker für die Art von Belastung nicht gebaut worden sind.

Traditionalisten führen spöttisch ins Feld: Früher standen entlang der Piste halt Bäume. Kein Wunder, war das Abkürzen keine besonders kluge Idee. Aber die heutigen Formel-1-Fahrer wissen durchaus, wie man sich an Pistengrenzen hält. In Monte Carlo fährt schliesslich auch keiner hinter der Leitschiene und in Singapur auch nicht hinter den Beton-Elementen. Geht doch.

Wie soll das Thema Pistengrenzen weiter angepackt werden? Charlie Whiting hat gesagt, dass Red-Bull-Technikgenie Adrian Newey vor kurzem einen verblüffend simplen Vorschlag gemacht habe. «Er meinte – wir könnten einen besonders rutschigen Randstein einführen. Ich sagte zu ihm: “Das ist eine prima Idee, Adrian, aber wenn du einen Randstein findest, der seine Aufgabe in der Formel 1 erfüllt, gleichzeitig aber auch für Motorräder passend ist, dann lass es mich bitte wissen. Denn wir haben noch keinen gefunden.“»

Whiting weiter: «Das grösste Problem ist wirklich, dass die Rennstrecken das ganze Jahr über betrieben werden und die Organisatoren natürlich nicht jede Woche alles umbauen wollen. Am Red Bull Ring etwa werden Randsteine für die Formel 1 gelegt, die natürlich wieder abgebaut werden müssen, wenn die MotoGP kommt. Es ist nun mal so, dass auf vielen Strecken nicht nur Formel 1 gefahren wird, sondern auch Tourenwagen und Superbikes und MotoGP oder Porsche-Cup. Also müssen wir mit gewissen Kompromissen leben.»

«Unsere zusätzlichen Elemente funktionieren manchmal besser, manchmal weniger gut. Am Red Bull Ring haben wir zunächst Randsteine hinzugefügt, die zu Aufhängungsschäden führten. Aber nur bei gewissen Autos. Klar kamen die betroffenen Teams zu uns und haben sich beklagt: „Ihr müsst die Kerbs so bauen, dass unsere Autos sie verdauen können.“ Darauf sagte ich zu ihnen: „Nein, das muss genau umgekehrt laufen, ihr müsst Autos bauen, welche alle Elemente einer Rennstrecke verkraften.“ Das Ganze ist ein kompliziertes Thema, und leider gibt es kein Allheilmittel.»

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