«Manni, dää Junge vom Nörborschring»

Kolumne von Guido Quirmbach
Unvergessen: Manfred Winkelhock

Unvergessen: Manfred Winkelhock

Heute vor 25 Jahren verunglückte Manfred Winkelhock im kanadischen Mosport. Erinnerungen eines Motorsportfans!

Unfassbar, diese zwei grausamen Rennen sind bereits 25 Jahre her. Mit Manfred Winkelhock und Stefan Bellof starben beide deutsche Formel 1-Piloten innerhalb von drei Wochen bei Sportwagen-Rennen. Zu sagen, wir damals junge Rennfans hätten sie gekannt, wäre natürlich vermessen, aber wir durften sie erleben. Ein paar Erinnerungen.

Es war der 27. März 1980. Mein Vater machte beim sonntäglichen Frühstück den Vorschlag, zum Nürburgring zu fahren. Dort wäre ein Autorennen. Ich wusste, es ist der zweite Lauf zur «Deutschen Rennsport-Meisterschaft», der Top-Meisterschaft im nationalen Motorsport. Ich war da schon dran interessiert, fand die Autos mit den gewaltigen Flügeln toll, aber Fussball war für mich interessanter. Was sich nach diesem Tag schlagartig ändern sollte!

So war ich zum ersten Mal live bei einem Autorennen und freute mich vor allem auf ein Auto: Den Porsche 935 K3! Laut Programmheft gab es sogar zwei, den Jägermeister-K3 von Axel Plankenhorn und einen weiteren, gefahren von der späteren Ring-Legende und ebenso unvergessenen Edgar Dören.

Als das Feld erstmals an unserem Zuschauerplatz, dem Schwalbenschwanz, vorbeikam, führte Stommelen im Liqui Moly-935 vor Ludwig im Super-Capri, noch mit dem Riesen-Heckflügel. Bereits auf Rang drei lag Manfred Winkelhock in einem Gruppe 4 BMW M1, der den Lauf als Test für die Procar-Serie im Team von Manfred Cassani absolvierte. Sowohl Stommelen als auch Ludwig hatten irgendwelche Probleme, und so wurde Manfred Winkelhock in dem total unterlegenen M1 Sieger meines ersten Autorennens! Der Sieg wurde ihm später aberkannt, da er im Training unter Gelb überholt hatte, aber das spielt für die Leistung und Erinnerung keine Rolle. Einen K3 habe ich an dem Tag übrigens nicht gesehen, auf der wechselnassen Strecke kamen Plankenhorn und Dören ebenso wie Bob Wollek im Loos-Porsche nur bis zum Pflanzgarten.

Einmal infiziert, immer infiziert, es begann die Zeit, wo ich regelmässig mit Zweimann-Zelt und Freund Thomas freitags vom meinem Vater zum Ring gefahren wurde und uns Thomas Vater am Sonntag wieder abholte.

Ein gutes Jahr später, Eifelrennen. Gleicher Ort, diesmal fährt Winkelhock im Zakspeed-Capri alles in Grund und Boden und fuhr in Zeitenregionen, von denen andere nur träumen konnten. Wieder ein souveräner Sieg. Vier Wochen später, bei den 1.000km haute er mit dem Capri mit 7.18.48 min eine Trainingszeit raus, die die Streckensprecher Kalli Hufstadt und Rainer Braun verstummen liess. Und wir waren tief beeindruckt. Und irgendwie passte es in seine Karriere, dass Winkelhock dann beim Rennen nicht starten konnte, nach dem «Warm up» gab es einen Motorschaden. Doch eigentlich war es egal, denn mit dem Tod von Herbert Müller wurden wir auch erstmals mit der schrecklichen Seite des Motorsports konfrontiert.

Im Herbst realisierte sich sein Formel 1-Traum. Winkelhock sollte 1982 bei ATS starten. Dazu steuerte er den Wagen in der Sendung «Wetten dass». Oh ja, auch die gibt es schon so lange und wegen Winkehocks Auftritt dort verzichtete ich auf die Dorf-Disco. Jemand hatte gewettet, im Go Kart schneller zu beschleunigen als ein Formel 1. Winkelhock beschleunigte das Kart im fliegenden Start locker aus. Worauf Kart-Pilot sich ärgerte und meinte, er wäre ja auch von einem stehenden Start ausgegangen.

Die Formel 1 war für Winkelhock und seine Fans eine Leidenszeit. Erfolgserlebnisse waren rar, Tiefschläge gab es viele. 1983 titelte die Bild-Zeitung: «Ferrari zittert vor ATS-BMW», als der neue Turbo-Renner für Winkelhock vorgestellt wurde. Nun, in Maranello konnte man sich schnell wieder beruhigen, der ATS-BMW kam selten im Grid über das Mittelfeld hinaus und noch viel seltener ins Ziel. Wir freuten uns dennoch, Manfred Winkelhock im Turbo beim Heim-Grand-Prix zu sehen, doch daraus wurde nichts. Im Qualifying freitags wegen technischer Probleme keine einzige Runde gefahren, am Samstag regnete es. Nichtqualifikation beim Heimspiel, die übelste Strafe, die man sich vorstellen konnte.

Eine Woche später dann konnte ich es nachholen. Es waren Ferien, erster Urlaub des Lebens ohne Eltern, Ziel Zeltweg, Grosser Preis von Österreich. Formel 1 war damals übrigens durchaus bezahlbar war, die Jugend-Stehplatzkarte kostete 1983 in Zeltweg inklusive Formel 1-Fahrerlager 100 Schilling, also rund 14 DM! Wir lernten dort Fans aus Adenau kennen (mit denen wir zum Teil heute noch befreundet sind), sangen gemeinsam «Manni, dää Junge vom Nörborschring, der hat unterm Arsch das schnellste Ding». Geholfen hat es nichts, Ausfall in der 34. Runde.

In Interviews hörte oder las man in dem Zeitraum bei Winkelhock Frust raus. Erfolgserlebnisse holte er sich woanders, so gewann er 1983 den Grossen Preis der Tourenwagen auf der Nordschleife mit Dieter Quester. Sehr gefreut habe ich mich nach dem 10-Minuten-Bericht in der Sportschau über den Sieg beim ersten Auftritt in einem Porsche 956, als er 84 auf dem Norisring Bellof, Ludwig, Stuck und Co. schlug. Er konnte es noch!

Letztmalig gesehen habe ich Manfred Winkelhock 1985 im Fahrerlager (es war damals noch kein Problem, sich da reinzuschmuggeln) beim Grand Prix auf dem Nürburgring. Seine Stimmung schien der sportlichen Bilanz in nichts nachzustehen, denn bei RAM kam er im Vergleich zu ATS vom Regen in die Traufe.

Eine Woche später war es an der sinnlosen Mauer in Mosport vorbei!

 
Es war faszinierend zu sehen, wie Winkelhock immer kämpfte. Er war kein Strahlemann. Aber er war ein leidenschaftlicher Rennfahrer, dies kam bei uns immer an, auch wenn man ihn nur vom Autogrammsammeln her kannte.

Teamkollege Marc Surer und der langjährige Wegbegleiter Yörn Pugmeister haben ihre Erlebnisse mit Manfred Winkelhock zusammengefasst. Auf sechs Seiten in der aktuellen Printausgabe von SPEEDWEEK, für 2,-€ am Kiosk.

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