Ross Brawn über Ferrari: «Das willst du nicht sehen»

Von Mathias Brunner
Formel 1
​Es kriselt bei Ferrari: Der Motor ist zu wenig leistungsstark, die Aerodynamik verbesserungsbedürftig, Leclerc räumte seinen Stallgefährten Vettel weg. Formel-1-Sportchef Ross Brawn über die Misere von Ferrari.

Einem Ross Brawn macht in der Königsklasse niemand etwas vor. Als Technikchef bei Benetton wurde der Engländer mit Michael Schumacher 1994 und 1995 Weltmeister, dann folgte er dem grossen Schumi zu Ferrari. Brawn arbeitete zunächst als Technischer Leiter, später als Teamchef, von 2000 bis 2004 wurden fünf WM-Titel in Folge gewonnen, die grösste, ungebrochene Erfolgsserie eines Fahrers bei einem Rennstall.

Heute ist Ross Brawn 65 Jahre alt und Sportdirektor der Formel 1. Auch er hat auf dem Red Bull Ring erlebt, wie sich Ferrari am ersten GP-Wochenende schwertat. Rang 2 von Charles Leclerc war ein Geschenk der Konkurrenz. Beim zweiten Rennen kam es knüppeldick: Erneut zeigte sich, dass der Motor den Ruf des stärksten Formel-1-Triebwerks los ist, die neuen Aerodynamik-Teile hinterliessen einen zwiespältigen Eindruck, im Rennen räumte Charles Leclerc seinen Stallgefährten Sebastian Vettel ab. Nach dem Totalausfall liegt Ferrari derzeit in der WM nur auf dem fünften Zwischenrang.

Ross Brawn sagt in seiner Analyse des GP-Wochenendes: «Das war ein Wochenende zum Vergessen für Ferrari. Leclerc und Vettel haben die Todsünde von Formel-1-Fahrern begangen – eine Kollision mit dem Teamkollegen. Das willst du als Teamchef nicht sehen. Und es tut Ferrari doppelt weh. Nicht nur, dass beide Autos aus dem Rennen waren. Ferrari verpasste auch die Chance, die neuen Teile zwei Stunden im Härtetest eines Grand Prix zu prüfen; jene Teile, deren Einsatz wegen des enttäuschenden ersten Wochenendes vorgezogen wurden.»

«Charles hat die Schuld sofort auf sich genommen. Das ist lobenswrt, hilft aber nichts. Gleichzeitig – so etwas kann im Rennsport halt passieren.»

«Eines der grössten Probleme besteht darin, dass kein Team dermassen unter Beobachtung steht wie Ferrari. Der Druck vor allem durch die italienischen Medien ist gross, ich kenne das aus eigener Erfahrung. Du musst als Teamchef darauf achten, dass sich dieser Druck nicht negativ auf deine Mitarbeiter auswirkt.»

«Die Fachkräfte müssen das Vertrauen des Managements spüren und sich ganz auf ihre Aufgaben konzentrieren können. Die Probleme von Ferrari lassen sich nicht über Nacht lösen, die Italiener haben einen langen Weg vor sich. Sie müssen ergründen, wo das fundmentale Problem mit diesem Wagen liegt, und sie müssen das schleunigst tun. Denn es ist offensichtlich, dass sie ein beträchtliches Stück hinter der Spitze liegen.»

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