Formel 1: Ein selten kurioser Unfall

Gefahr für Andretti: 11 neue GP-Teams, 9 gingen unter

Von Mathias Brunner
​Michael Andretti will mit General Motors, Cadillac und Honda in die Formel 1. Die Geschichte zeigt: Es ist sehr schwierig, in die Königsklasse zu kommen, aber es ist noch schwieriger, sich dort zu halten.

Michael Andretti, ehemaliger GP-Pilot und erfolgreicher IndyCar-Fahrer, hat am 5. Januar ein Bündnis mit General Motors und Cadillac verkündet. Dabei hat GM-Chef Mark Reuss erklärt, dass Andretti bereits einen unterzeichneten Vertrag mit einen Motorpartner besitze, viele Anzeichen deuten auf Honda.

Wann Michael, Sohn der Rennfahrerlegende Mario Andretti, seinen Rennstall in die Formel 1 bringen kann, das hängt von Anmeldeprozedere des Autosport-Weltverbands FIA ab. FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem hat erklärt, dass bald darüber informiert werden soll, wie dieser Bewerbungsprozess aussehen wird.

Michael Andretti ist mit seinem Rennstall Andretti Autosport überaus erfolgreich in der IndyCar-Serie, bei den Indy Lights, in der Formel E, in der Extreme E und auch im Rallycross-Sport. Aber auch er kennt die jüngere Geschichte der Formel 1 und hat erlebt, wie schwer sich neue Rennställe in der Königsklasse tun. Um genau zu sein, sind von 11 neuen Teams in den vergangenen 29 Jahren nur noch zwei in der Formel 1 vertreten! Werfen wir einen Blick zurück.

Simtek 1994
Simtek war der dritte Formel-1-Anlauf des englischen Technikers Nick Wirth. Ein Projekt für BMW scheiterte, das Design wurde an den Italiener Andrea Sassetti (Andrea Moda Formula) verkauft. Ein zweites Projekt scheiterte an der Finanzierung, als der Geldgeber des geplanten Bravo-Teams, Jean-François Mosnier, verstarb. 1994 brachte Wirth endlich ein Team an den Start. Am schwarzen Wochenende von Imola kam im Qualifying der Salzburger Roland Ratzenburger ums Leben, einen Tag später starb Ayrton Senna. Simtek hielt sich bis zum fünften Rennen 1995 über Wasser, dann war Schluss.

Pacific 1994
Keith Wiggins hatte mit seinem Pacific-Team in jeder Nachwuchsserie Rennen und Titel gewonnen. 1994 stieg in die Formel 1 ein. Aber das Timing war von Anfang an schlecht. Das Auto sollte vom renommierten Rennwagenhersteller Reynard gebaut werden, doch der verkaufte sein Design lieber an Ligier. Der Wagen aus der Feder von Frank Coppuck war zu simpel. Pacific holte nie einen Punkt und sperrte 1995 zu.

Forti 1995
Noch ein Rennstall aus der Formel 3 und Formel 3000 (heute Formel 2), der den Schritt auf die grosse Bühne wagte. Das Team von Guido Forti überstand eineinhalb Jahre, dann kollabierte das Finanzsystem des neuen Partners Shannon.

Lola 1997
Der traditionsreiche Rennwagenhersteller scheiterte an einem fragwürdigen Finanzierungsmodell und an veralteter Technik. Schon am zweiten GP-Wochenende in Brasilien war der Ofen aus. Mehr zum Lola-Fiasko finden Sie hier.

Stewart Grand Prix 1997
Der Rennstall der schottischen Rennlegende Jackie Stewart schlug sich tapfer – 1999 gewann Johnny Herbert sogar den Chaos-GP auf dem Nürburgring. Stewart verkaufte das Team an Ford, doch das Engagement mit der Marke Jaguar war ein Desaster. Jaguar Racing holte von 2000 bis 2004 in fünf Jahren nur 49 Punkte und zwei Podestplätze. Dann kaufte Visionär Dietrich Mateschitz den Rennstall, und als Red Bull Racing begann eine Erfolgsgeschichte mit sechs Fahrer-WM-Titeln (Sebastian Vettel 4, Max Verstappen 2), fünf Siegen im Konstrukteurs-Pokal (2010 bis 2013 sowie 2022) und bislang 92 GP-Siegen

Toyota 2002
Nach jahrelanger Vorbereitung und mit scheinbar endlosen finanziellen Mitteln stiegen die Japaner in die Formel 1 ein. Was im Rallye-Sport zu zahlreichen WM-Titeln geführt hatte, endete in der Königsklasse mit einer Blamage – 139 Starts von Melbourne 2002 bis Abu Dhabi 2009, 3 Pole-Positions, 13 Podestplätze, kein Sieg. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten zog Toyota dem Projekt den Stecker.

Super Aguri 2006
Ex-GP-Fahrer Aguri Suzuki trat drei Saison lang an, als B-Team von Honda und als Ausbildungsplatz für Takuma Sato. Der Rennstall eroberte nur vier Punkte und musste nach dem Spanien-GP 2008 zusperren.

Lotus 2010
Der damalige FIA-Chef Max Mosley strebte eine kostengünstigere Formel 1 an, aber Pläne für einen Kostendeckel, wie wir ihn heute kennen, konnten nicht umgesetzt werden. Flugunternehmer Tony Fernandes (AirAsia) kaufte die Rechte am Namen Team Lotus und trat so 2010 an, danach wurde der Name in Caterham geändert, nach einem Rechtsstreit mit dem früheren Renault-Werksrennstall über die Bezeichnung Lotus. Nach zwei zehnten Rängen im Konstrukteurs-Pokal rutschte das Team im Klassement ab und erhielt zu wenig Preisgeld, um sich über Wasser halten zu können. Der schleichende Tod wurde mit einer Sammelaktion unter Fans verzögert, aber Ende 2014 war Schluss, nachdem Fernandes erfolglos versucht hatte, sein Team an eine Gruppe von Geschäftsleuten zu verkaufen.

Virgin Racing 2010
Einer von drei Rennställen, deren F1-Geschäftsmodell auf den Vorstellungen von Mosley basierte. Virgin-Chef Richard Branson stand nur ein Jahr lang hinter dem Projekt, dann wurden Anteile am Team an Marussia Motors verkauft. Aber auch als Marussia Virgin Racing und später als Marussia F1 und Manor blieben die Erfolge spärlich, Ende 2016 fiel der Vorhang.

HRT 2010
Das Hispania Racing Team konnte unter verschiedenen Besitzern drei Jahre lang keine Punkte einfahren und sperrte Ende 2012 zu.

Haas 2016
Der Formel-1-Rennstall des US-amerikanischen Werkzeugmaschinen-Herstellers Gene Haas erreichte in sieben Jahren Königsklasse 237 Punkte, eine Pole-Position (Kevin Magnussen in Brasilien 2022) und zwei beste Rennrunden. 2018 wurde das Team, das eine enge Partnerschaft mit Ferrari pflegt, einen bewundernswerten fünften Platz im Konstrukteurs-Pokal.

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