Verstappen tritt nach Schumi – 17 Jahre zu spät!

Von Peter Hesseler
Formel 1
Jos Verstappen (re.)  in Spa 2011

Jos Verstappen (re.) in Spa 2011

17 Jahre nach dem Skandaljahr 1994 fällt dem Holländer ein, dass Michael Schumachers Benetton-Ford getürkt gewesen sein soll – überraschend ist nur der Zeitpunkt.

Jos Verstappen, Teamkollege von Michael Schumacher im Skandaljahr 1994, erhebt 17 Jahre nach den Ereignissen seine Stimme über Schumi, der beim ersten Titelgewinn des Gebrauchs einer verbotenen Traktionskontrolle beschuldigt wurde.

Bisher freundschaftlich miteinander verbunden, darf man nun davon ausgehen, dass die Beziehung künftig sachlicher Natur sein wird.

Jos «the Boss» fuhr 1994 neben Schumi bei Benetton und sagt jetzt in einer holländischen Zeitung: «Ich weiss, was damals bei Benetton passiert ist. Viele denken, ich würde nach Entschuldigungen (für sein gegenüber Schumi langsameres Tempo) suchen, aber ich weiss, dass sein Auto anders war als meines. Ich dachte immer, es wäre unmöglich: Ich bremste am Limit und nahm die Kurven so hart wie möglich, also wie konnte Schumacher es (besser) machen?»

Dieser Gedanke Verstappens klingt merkwürdig banal, besteht doch das Rennfahren aus etwas mehr als Anbremsmanövern und dem Kurvennehmen am Limit. In diesem Falle: Verstappens Limit…

Aber Verstappen lässt sich nicht aufhalten: «Da waren elektronische Fahrhilfen», sagt er mit Blick auf Schumis Benetton. Was niemandem neu ist, denn die Programme zum Verhindern durchdrehender Antriebsräder und die dazugehörige Mechanik wurden noch 1994 vom Weltverband im Auto des Kerpeners gefunden. Was nie von Amts wegen bewiesen wurde (oder werden sollte) war, ob Schumi seine Traktionskontrolle tatsächlich im Wettbewerb aktiviert hat. Zumindest war dies der offizielle Grund dafür, dass er damals seinen WM-Titel behalten durfte.

Aber von Ayrton Senna bis zu Gerhard Berger hatte sich schon nach einem Rennen des Jahres 1994 herumgesprochen, dass der Benetton B194 verdächtige Kunststücke drauf hatte, auch bei jüngeren Kollegen.

Verstappen weiter: «Es wurde nie ausgesprochen, aber als ich Teamchef Flavio Briatore danach fragte, entgegnete er: Lass’ uns nicht drüber reden.»

Verstappen ist schon der zweite Teamkollege des Jahres 1994, der Schumachers Benetton-Ford von damals für illegal erklärt. Der Finne J.J. Lehto bestätigte schon im Frühjahr 1994 entsprechende Verdachtsmomente, indem er sagte: «Michael hat Knöpfe am Auto, die ich nicht habe.» Kurz danach war er kein Benetton-Pilot mehr.

Insofern bestätigen Verstappens diffuse Anschuldigungen nur die ohnehin gängige Meinung, dass man den Titel von 1994, besonders nach dem Tode von Ayrton Senna und der Verfehlungen, die sich das Benetton-Team des Skandal-Managers Flavio Briatore über die Traktionskontrolle hinaus leistete, am besten gar nicht vergeben hätte.

Aber die FIA und Ecclestone brauchten damals ein Gegengewicht zu Williams, McLaren und Ferrari und liessen viele Dinge einfach geschehen.

Warum Verstappen (39) Schumis Traktionskontrolle damals nicht gestört hat, kann man sich ja denken. Immerhin kam er letztlich auf zehn Rennen für das Briatore-Team…

Nun ist seine Karriere beendet. Da hat man mal so richtig Zeit zum Plaudern.

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