Mutprobe Monaco-GP: Wo die grössten Gefahren lauern

Von Rob La Salle
Formel 1

Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff und Technikchef Paddy Lowe reisen mit Respekt zum Strassenklassiker von Monaco: «Diese Strecke kann dich eiskalt erwischen, wenn du zu stark von dir überzeugt bist.»

Fünf Siege in Folge – natürlich reist Mercedes als Favorit zum kommenden Grand-Prix-Klassiker von Monte Carlo. Aber Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff weiss: «Die Strecke belohnt Fahrbarkeit, Selbstvertrauen und eine starke Qualifying-Performance. Zuallererst geht es aber darum, Fehler zu vermeiden: Für die Fahrer und das Team gibt es keinen Raum für Fehler. Wir haben seit dem letzten Rennen hart gearbeitet und niemand in unseren Teams in Brackley, Brixworth und Stuttgart wird sich zurücklehnen. Wir bleiben vor Monaco mit beiden Beinen fest auf dem Boden, denn diese Strecke kann dich eiskalt erwischen, wenn du zu stark von dir überzeugt bist. Unser Silberpfeil ist schnell und Lewis sowie Nico sind Spezialisten auf diesen Straßen. Wir müssen jedoch jedes Puzzlestück richtig zusammensetzen, wenn wir unsere Erfolgsserie am nächsten Wochenende fortsetzen wollen.»

Technikchef Paddy Lowe ergänzt: «Monaco ist ein schwieriges Event, sowohl mit Blick auf die Logistik als auch auf die Abläufe innerhalb des Teams. Zudem verlangt es auch den Fahrern viel ab. Es ist entscheidend, mit jeder Session mehr Schwung aufzunehmen. Die Streckencharakteristik verzeiht keine Fehler und kann dazu führen, dass selbst der kleinste Fehler im Hinblick auf das gesamte Rennwochenende erhebliche Folgen haben kann. Wer in Monaco Zeit verliert, verpasst damit mehr als auf jeder anderen Strecke eine Gelegenheit. Es ist wichtig, ab der ersten Runde am Donnerstag alles richtig hinzubekommen.»

«Wir haben dort im vergangenen Jahr mit Nico gewonnen, was ein fantastisches Ergebnis für uns war. Auch Lewis hat in der Vergangenheit dort beeindruckende Leistungen gezeigt, inklusive seines Sieges im Jahr 2008. Monaco ist eine Fahrerstrecke und Lewis sowie Nico sind beide in Topform. Aus diesem Grund erwarten wir einen spannenden Wettkampf. Die Strecke ist so einmalig, dass es schwierig ist, Vorhersagen zu treffen, welche Teams bei diesem Rennen stark sein werden. Wir erwarten sicherlich nicht, den gleichen Vorsprung zu haben wie zuletzt in Barcelona.»

Monaco: Völlig andere Arbeitsweise

Monaco ist das Kronjuwel der Formel 1. Dieses Rennen möchte jeder Fahrer gewinnen und wem das gelingt, dessen wird man sich lange erinnern. Es ist ein außergewöhnliches Rennen: Eine der größten Herausforderungen für die Fahrer im gesamten Motorsport. Das Rennwochenende ist aus mehreren Gründen anders als jedes andere. Zunächst einmal wird schon am Donnerstag gefahren und nicht wie bei jedem anderen Grand Prix erst am Freitag. Dadurch erhalten die Teams mehr Zeit, um die Daten zwischen dem Training und dem Qualifying zu analysieren. Dies ist ein Nachteil für jene Teams, die bei der Datenanalyse besonders effizient sind und ihre Ergebnisse schnell in ein starkes Setup umsetzen können. Das sorgt für einen gewissen Ausgleich für alle Teams, die vielleicht nicht die gleichen Ressourcen zur Verfügung haben. Es ist eine ganz andere Arbeitsweise.

Monaco-Falle Qualifying

Ein Rennwochenende in Monaco muss auf logische und progressive Art und Weise angegangen werden. Das Crescendo ist das Qualifying, mit dem das gesamte Wochenende vorbestimmt wird. Hier zeigt sich die Arbeit von Fahrern und Teams aus allen Trainingssitzungen: Wer das Beste aus seinem Auto herausholen kann und dabei keine Fehler begeht, ist im Vorteil. Deshalb ist Monaco eine ganz besondere und einzigartige Herausforderung.

Es gibt eine Vielzahl an Aspekten, die ein Team beachten kann, um das Potential des Autos bestmöglich zu nutzen. Während der letzten Qualifying-Session stehen einem Fahrer realistisch betrachtet nur eine, vielleicht zwei freie Runden zur Verfügung und es ist nicht ungewöhnlich, dass es im Q1 zu einer Überraschung kommt. Wenn 22 Autos auf einer sehr kurzen Strecke unterwegs sind, muss jeder Fahrer den Moment finden, in dem er freie Fahrt hat, und dann eine komplette Runde hinlegen. Eine Kombination aus gelben und manchmal sogar roten Flaggen sowie dem Verkehr macht es sehr einfach, zur falschen Zeit an der falschen Stelle der Strecke zu sein. In Monaco muss man viel mehr Sorgfalt bei der Verminderung von Risiken walten lassen als auf jeder anderen Strecke.

Ewiges Rätsel: Wie entwickelt sich die Strecke?

Genau genommen ist Monte Carlo keine Rennstrecke. Selbst in Melbourne, einem weiteren Straßenkurs, gibt es neben der Formel 1 noch genügend Action, um die Streckenentwicklung im Verlauf eines Wochenendes eher gering zu halten. Anders als auf jeder anderen Strecke ist der Kurs in Monaco am Rennwochenende für die Öffentlichkeit geöffnet - natürlich abgesehen von den Rennzeiten. Zwischen dem Qualifying am Samstag und dem Rennen am Sonntag strömen tausende Menschen mit Getränken in den Händen durch die Straßen, sodass sich die Strecke dramatisch verändert. Das muss man vorhersagen, verstehen und richtig umsetzen – nur dann kann man im Rennen das bestmögliche Resultat erzielen. Schon mehrfach war es der Fall, dass sich die Reifen am Donnerstag ganz anders verhalten haben als am Sonntag im Rennen. Aus diesem Grund ist es ein ganz besonderes Rennen für die Fahrer und Ingenieure.

Asphalt: Freund oder Feind der Reifen?

Wie in der vergangenen Saison kommen in Monaco die weichen und die superweichen Reifen zum Einsatz. Das ist keine Überraschung und Standardvorgehen für einen Straßenkurs, weil dort ein anderer Asphalttyp als auf einer permanenten Rennstrecke verwendet wird.
Grundsätzlich handelt es sich um öffentliche Straßen. Monaco achtet jedoch sehr gut auf seine Straßen und pflegt diese perfekt. So wird rund ein Drittel der verwendeten Streckenoberfläche jedes Jahr neu asphaltiert. Die Qualität des Asphalts ist viel besser als auf gewöhnlichen Straßen, was die regelmäßigen Arbeiten bedingt.

Gleichzeitig ist der Asphalt sehr glatt und es kommt nicht zu schwerer Abnutzung, die man auf einer normalen Streckenoberfläche erwarten würde. Aus diesem Grund kommen die weichsten Reifenmischungen zum Einsatz, um die beste Haftung auf einer Streckenoberfläche mit relativ wenig Grip zu bieten.

Der Nachteil dabei ist, dass es eine hohe Wahrscheinlichkeit für Graining an den Reifen gibt, also eine Beschädigung der Reifenoberfläche durch Abscheren der obersten Gummischicht. Dazu kommt es besonders häufig am Donnerstag, wenn die Strecke den geringsten Grip bietet. Auch dies zeigt, dass man während des Trainings und des Rennens ganz unterschiedlichen Herausforderungen gegenüberstehen kann.

Kein Hitze-GP, aber eine Qual fürs Auto

Eine effiziente Kühlung zu erzielen, ist eine schwierige Aufgabe in Monaco. Oftmals kämpfen die Teams mit den Motor- und Bremsentemperaturen. Der Grund dafür ist, dass – mit Ausnahme des Führenden – beinahe jedes Auto für den Großteil des Rennens im Verkehr steckt. Egal, ob man einen Performance-Vorteil erwartet oder nicht, jedes Auto muss darauf abgestimmt werden, im Verkehr zu fahren.

Gleichzeitig stellen die niedrigen Geschwindigkeiten auf dieser Strecke eine Schwierigkeit für die Kühlung dar. Um ein Auto abzukühlen, muss man schnell fahren, aber in Monaco gibt es nicht genügend Raum dafür. Somit bleibt den Teams keine andere Wahl, als mit einer größeren Kühlung als sonst zu fahren.

Unsicherheitsfaktor Wetter

Das Wetter lässt sich in Monaco nicht allzu schwer vorhersagen. Der Regen kommt stets aus einer Richtung. Wenn eine Wolke über dem Berg sitzt und herüberzieht, wird es regnen. Wenn die Wolke zu niedrig ist, bleibt es hingegen trocken. Dabei ist es durchaus möglich, dass die Fahrer im Qualifying zum ersten Mal im Nassen fahren. Die Regenwahrscheinlichkeit in Monaco ist relativ hoch. Dadurch wird eine ohnehin schon komplizierte Situation noch einmal erschwert.

Safety-Car: Einsatz wahrscheinlich

Aus offensichtlichen Gründen sind Safety Car-Einsätze in Monaco recht häufig. Die Autos fahren nah an den Leitplanken vorbei und es gibt nur sehr wenig Platz, um ein ausgefallenes Fahrzeug zu bergen, ohne das Rennen zu neutralisieren. Die Streckenposten in Monaco zählen jedoch zu den Besten der Welt und arbeiten extrem effizient. Wenn ein Auto in so genannter guter Verfassung ist – das bedeutet: die Kupplung ist gelöst und die ERS-Systeme sind sicher –, kann es mittels eines Krans binnen 60 Sekunden entfernt werden. Das entspricht ungefähr einer Runde. Unter diesen Umständen ist der Einsatz des Safety Cars nicht unbedingt notwendig.

Sollte allerdings mehr als ein Auto involviert sein oder Teile auf der Strecke liegen, führt dies höchstwahrscheinlich zu einer Safety Car-Phase. Dies hängt natürlich vom Umfang des Zwischenfalls ab, aber in Monaco ist relativ selten nur ein Auto betroffen.
In Monaco gilt eine besondere Art von Respekt. Die Fahrer dürfen nicht von Anfang an mit Vollgas fahren, sondern müssen ihren Rhythmus über das Wochenende aufbauen. Abgesehen von der ersten Kurve und der Schikane nach dem Tunnel, die eine gewisse Auslaufzone bieten, führt jeder Fehler an einer beliebigen anderen Stelle der Strecke zu einer Beschädigung und recht schnell auch zu einem Ausfall. Natürlich kennen alle Teams ihre Safety Car-Abläufe ganz genau, aber es ist stets sinnvoll, diese vor Monaco noch einmal durchzugehen, um sicherzustellen, dass jeder bereit dafür ist.

Wie schnell das schief gehen kann, sehen Sie am Unfall zwischen Pastor Maldonado und Max Chilton in Monaco vor einem Jahr:

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