Sebastian Vettel: Kein Geld fürs neue Lenkrad

Von Mathias Brunner
Formel 1
Vor einem Jahr konnte Sebastian Vettel in Kanada gewinnen

Vor einem Jahr konnte Sebastian Vettel in Kanada gewinnen

Formel-1-Champion Sebastian Vettel steht im proppevollen Gästebereich von Red Bull Racing Rede und Antwort. Wie weit voraus ist Mercedes? Der eigene Stallgefährte – Freund oder Feind?
Sebastian, ist diese Strecke schwieriger für euer Auto als andere Kurse?

Wir hatten hier durchaus schon Probleme. Schon in der Vergangenheit waren wir ja nicht unbedingt die Schnellsten auf der Geraden. Dieses Jahr haben wir Probleme mit der Motorenleistung, daher wird es sicherlich schwierig, mit den Mercedes Schritt zu halten. Aber es gibt auch ein paar Kurven, und letztes Jahr haben wir hier gewonnen. Also haben wir auch Gründe, ein bisschen zuversichtlich sein.

Diese Strecke unterscheidet sich von vielen anderen stark. Glaubst du, dass Mercedes hier sogar einen noch grösseren Vorteil haben könnte?

Wir wissen, dass sie ein sehr konkurrenzfähiges Paket haben, ein gutes Auto und einen starken Antriebsstrang. Wie es genau ausgeht, das ist schwierig zu sagen. Wir müssen uns um uns selber kümmern. Die Kurven sind hier sehr anspruchsvoll, da kann man eine Menge Zeit gutmachen. Wir müssen gucken, unser Bestes auf den Geraden herauszuholen und besser als die anderen in den Kurven zu sein.

Wie weit ist das Auto von deiner Optimalvorstellung entfernt?

Wir haben grosse Fortschritte seit den Wintertests gemacht, wenn man sich nur den Motor anguckt, der ist jetzt besser fahrbar. Auch in nassen Bedingungen läuft es gut. Aber es hängt immer an vielen Dingen. Wir haben hart gearbeitet, sind aber noch nicht da, wo wir sein wollen. Wenn es etwa darum geht, wie sich das Auto im Kurveneingang auf den Bremsen anfühlt. Aber wir kommen der Sache näher.

Wie schnell muss Red Bull Racing denn Mercedes einholen, um überhaupt noch eine WM-Chance zu haben?

Sie haben nun jedes Rennen gewonnen, wann immer sie die Chance dazu hatten, haben sie einen Doppelsieg geholt. Seit 1988 war kein Team so dominant. Ich würde lieber schon gestern aufgeschlossen haben, aber die Lücke ist schon sehr gross. Wir können auch nicht mit einem neuen Auto antreten, es gibt ja nicht so viel Raum zur Verbesserung. Deshalb ist es nicht so einfach aufzuholen. In Monaco war es aber relativ knapp, ich hoffe, dass wir es bald schaffen.

Glaubst du, dass der enge Kampf zwischen Hamilton und Rosberg ein Vorteil für euch ist?

Wenn sie sich gegenseitig in die Kiste fahren, ist das gut für uns, dann nehmen sie sich Punkte weg. Aber ich denke, sie sind schlau genug, das nicht zu tun. Darauf können wir uns also nicht verlassen. Ausserdem sind es noch so viele Rennen, dass ein Rennen nicht den Unterschied macht.

Muss man mit seinem Teamkollegen befreundet sein?

Nein. Ich denke, man sollte keinen Krieg mit ihm führen, das stört die Atmosphäre im Team, aber man muss nicht befreundet sein.

Bist du von Daniel in diesem Jahr überrascht?

Eigentlich nicht. Es ist gut zu sehen, dass er sich mit dem Team versteht, er passt prima rein, wir haben ähnliche Vorlieben, was die Abstimmung des Autos angeht. Und es ist schön zu sehen, dass er einen so guten Job macht. Ich hatte in den ersten Rennen ein paar Probleme mit vielen Sachen, und es war beruhigend zu erkennen, dass er das Potential des Autos nutzen kann.

Guckst du dir manchmal seine Fahrweise an?

Die ganze Zeit über (lacht). Es gibt ganz klar Bereiche, wo er wirklich ziemlich schnell ist, und es ist gut, eine Referenz in Bezug auf unser Auto zu haben. Für mich war es ja nicht das beste Jahr bisher.

Gibt es da bestimmte Bereiche?

Nein. Bei Mark war es immer so, dass er sehr gut in den schnellen Kurven war, da hat er mir manchmal die Grenzen aufgezeigt. Aber bei Daniel und mir ist es recht ausgeglichen.

An den Lenkrädern gibt es jetzt grössere Displays, ist das eine schwierige Umstellung gewesen?

Wir haben das gar nicht. Wir hatten dafür kein Geld (lacht). Es gibt wegen des Reglements viele weitere Informationen vom Renningenieur, deshalb ist es schon viel Arbeit im Auto. Wir haben uns einfach entschieden, mit dem alten Lenkrad zu fahren.

Glaubst du, dass es angesichts des Verbrauchs von Ersatzteilen bald Strafen hagelt?

Wenn man das Ganze realistisch einschätzt, stehen wir nicht rosig da, es ist auf das ganze Feld gesehen vielleicht sogar die schlechteste Ausgangsposition. Aber durch unsere Probleme waren wir gezwungen, Sachen zu wechseln. Die Saison ist noch lang und es wird generell spannend zu sehen, wie gut die einzelnen Teile halten, alle sind davon betroffen. Im freien Training trauen sich viele kaum zu fahren, um Kilometer zu sparen. Es ist also ein Problem, das alle angeht. Wenn es für uns Strafen gibt, müssen wir in den sauren Apfel beissen und von hinten starten.

Schweissen Probleme auch zusammen?

Absolut. Es ist kein einfaches Jahr für das Team, nicht nur weil der grosse Erfolg noch nicht da ist, sondern auch, was die Arbeitszeiten angeht. Die Jungs sind wirklich Tag und Nacht dran, an der Rennstrecke und in der Fabrik. Auch Sonntagmorgens nochmal das Getriebe abzunehmen, war zuletzt fast Routine, da schleichen sich halt auch mal Fehler ein. Da kann man keinem einen Vorwurf machen. Drei, vier Stunden Schlaf, dann noch die Zeitumstellung vor den ersten Rennen - da muss ich den Hut ziehen vor der Leistung jedes Einzelnen. Jeder ist am Limit, jeder geht auf dem Zahnfleisch. Aber die Motivation ist weiter da, Mercedes das Leben schwer zu machen.

Du wechselst oft das Helmdesign. Wie viele hast du inzwischen eigentlich?

Eine gute Frage. Ich weiss gar nicht, wieviele es inzwischen sind, und ich hatte auch nie geplant, so viele zu benutzen. Nach meinem ersten GP-Sieg habe ich entschieden, dass dieser Helm nicht mehr zum Einsatz kommen sollte, er hatte seine Pflicht getan. Danach hatte ich das Glück, noch viele weitere Rennen zu gewinnen, deshalb mussten viele Helme in den Ruhestand. Sie sind überall verteilt, aber die meisten sind zuhause. Einen Schrank habe ich noch nicht, das ist ein grosses Projekt.

Was ist dein Fussball-WM-Tipp? Wirst du die Spiele angucken?

Mein WM-Tipp ist natürlich Deutschland, ich hoffe, sie gewinnen. Die Spiele werden ich mir natürlich angucken, wann immer es möglich ist. Wir sind ja leider in der Zeit ein bisschen unterwegs. Das zweite Gruppenspiel ist wohl, wenn wir in Österreich sind. Aber das läuft dann auch sehr spät.

Der deutsche Kader ist sehr gut, die individuelle Klasse ist ausreichend - aus meiner Sicht, aber wer bin ich schon, um das zu beurteilen? Wie das so ist bei einem Turnier, muss man auch zueinander finden. Ich denke, da werden die ersten Spiele wichtig sein, um die Richtung vorzugeben.

Hättest du als Fussballfan nicht Lust, die Spiele vor Ort zu gucken?

Klar! Es ist ein bisschen blöd, weil es weit weg ist. Aber die Atmosphäre ist immer ganz besonders. Wir hatten ja das Glück, die WM 2006 im eigenen Land zu haben, da war ich bei einigen Spielen dabei. Und ein Länderspiel ist immer etwas Aussergewöhnliches, wenn man der eigenen Mannschaft live und vor eigenem Publikum die Daumen drücken kann. Auch für Brasilien wird das sicher ganz toll dieses Jahr.

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