Sebastian Vettel-Ingenieur: «Formel 1 wie James Bond»

Von Mathias Brunner
Formel 1
Guillaume «Rocky» Rocquelin mit Sebastian Vettel

Guillaume «Rocky» Rocquelin mit Sebastian Vettel

Guillaume Rocquelin, kurz «Rocky», ist der Mann im Ohr von Formel-1-Champion Sebastian Vettel. Der 42jährige Franzose spricht über seinen Lieblingssport.

«Rocky» ist ein ganz passender Spitzname für Guillaume Rocquelin, 42 Jahre jung, aus der Senf- und Rennstadt Dijon: Wie beim legendären Filmboxer, verkörpert von Sylvester Stallone, steht der Name für Hingabe zum Sport.

Guillaume, was interessierte dich zu Beginn am Motorsport?

Das wird jetzt seltsam klingen, aber obschon ich in der Rennstadt Dijon geboren worden bin, besuchte ich nie den Grand Prix dort. Meine Familie interessierte sich auch nicht für Racing. Mitte der 80er Jahre las ich in einer Zeitschrift einen Artikel über den damaligen Technikchef von Lotus, Gérard Ducarouge. Der Lotus-Rennstall war damals im tollen Ketteringham-Hall-Anwesen zuhause, mit hohen Räumen und Holzbalken und allem, was dazu gehört. Und dort wurden diese Rennwagen gebaut! Für mich war das ein Szenario wie aus einem James-Bond-Streifen. Ich dachte: zu dieser Welt will ich auch gehören.

Was war dein erster Job im Motorsport?

Ich war noch Student, da klopfte ich bei Rennwagenbauer Tico Martini in Magny-Cours an. Martini baute damals vor allem Formel-3- und Formel-Renault-Renner. Ich arbeitete am Design der Fahrzeugnasen. Wir sprechen hier von gebogenem Alu und Nieten – das zeigt mal, wie alt ich bereits bin ...

Was war deine schlimmste Arbeit im Motorsport?

Ich arbeitete bei Reynard, da war ich noch immer Student. Ich schnitt den ganzen Tag über Bolzen zurecht. Die meisten Rennwagenbauer würden einfach Bolzen von der richtigen Länge bestellen! Aber um Geld zu sparen, kaufte Reynard eine Grösse, und wir mussten sie dann in die gewünschte Länge kappen. Das war jetzt nicht besonders spannend, dafür lernte ich bei den überaus zuvorkommenden Mechanikern alles darüber, wie man einen Rennwagen aufbaut. Das war sehr wichtig für meine Karriere.

Es ist nicht immer ganz einfach, am Kommandostand die korrekten Entscheidungen zu treffen. Wann ging das mal richtig in die Hose?

In Monaco 2011 mit Sebastian – wir haben ihm beim Boxenhalt die falschen Reifen aufgeschnallt! Wir kontrollierten das Rennen und wollten zwei ganz normale Stopps machen. Dann gab es Verwirrung darüber, welcher Wagen zuerst reinkommen würde, also haben wir Sebastian die härtere Mischung gegeben statt die weichere. Vettel wollte daraufhin auf den zweiten Stopp verzichten und durchfahren. Wir haben nie herausgefunden, ob das geklappt hätte, denn das Rennen wurde mit der roten Flagge neutralisiert. Also konnten wir auch wieder Reifen wechseln.

Was ist deine schönste Erinnerung?

Abu Dhabi 2010. Wir lagen in der Weltmeisterschaft teilweise ziemlich weit hinten, wir lagen erst nach dem Finale zum ersten Mal in Führung! Aber wir haben nie aufgegeben, und das machte sich bezahlt.

Ist Racing für dich noch immer Gänsehautgefühl?

Ja, aber es ist sehr leicht, sich an alles zu gewöhnen. Ab und an musst du dich an die Rennstrecke stellen und den Jungs zuschauen. Oder vor kurzem bin ich mit meinem Sohn in Goodwood gewesen. Bei solchen Gelegenheiten brennt das innere Feuer dann wieder lichterloh! Rennwagen sind einfach das Coolste auf der Welt.

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