Marc Surer über Red Bull: «Horner weg? Falscher Weg»

Von Mathias Brunner
Formel 1
Marc Surer

Marc Surer

Der frühere Formel-1-Pilot und heutige Sky-GP-Experte Marc Surer spricht im Exklusiv-Interview über die Schwierigkeiten beim vierfachen Formel-1-Weltmeister Red Bull Racing.
Marc, was sagst du den Gerüchten, wonach Red Bull Racing daran denke, Christian Horner zu ersetzen?

Ich sehe nicht, welche Schuld Christian Horner an der heutigen Situation haben soll. Das kommt mir fast ein wenig so vor, als strebe man wie im Fussball einen Trainerwechsel an, wenn die Mannschaft nicht gut spielt. Ich sehe keinen Grund, wieso man Horner ersetzen sollte.

Kannst du dir vorstellen, dass «Mr. Red Bull» Dietrich Mateschitz die Lust an der Formel 1 vergeht?

Er ist natürlich mit viel Erfolg belohnt worden. Und nun kostet es gleich viel, hinterher zu fahren als damals Siege und Titel zu gewinnen. Da kann ich durchaus nachvollziehen, wie man die Lust verliert.

Mateschitz meint, mindestens für 2016 sei man ohne Alternative, und die Aussicht, mit einem Kundenmotor zu fahren, findet er wenig erfolgverheissend. Siehst du das auch so?

Das Problematische in diesem Zusammenhang: die Basis für die Motoren dieser Turbo-Generation ist ja gelegt. Und die Entwicklung dieser Antriebseinheiten wird von Jahr zu Jahr eingeschränkt. Da stellt sich natürlich schon die Frage – wenn es jetzt nicht so gut läuft, wieso soll es dann in den kommenden Jahren besser gehen?

Auf der anderen Seite reden wir hier von Renault. Das ist eine Firma, bei welcher man davon ausgehen muss, dass die das früher oder später in den Griff bekommen. Selbst wenn das länger dauert als erwartet. Wir sehen ja auch am Beispiel Honda, dass diese Motoren nicht so einfach sind. Die Japaner tun sich auch schwerer als die meisten von uns wohl gedacht hätten. Die Zeiten sind vorbei, wo man vom einen Rennen zum nächsten mit einer Lösung aufkreuzen konnte.

Wie erklärst du dir, dass Renault beim Schritt in die Turbo-Ära so versagt hat?

Ich finde gar nicht, dass die 2014 so schlecht waren. Immerhin war Red Bull Racing-Renault das einzige Team, das einen Durchmarsch von Mercedes verhindern konnte, und Daniel Ricciardo hat drei Rennen gewonnen. Ich habe eher den Eindruck, der Schritt von 2014 auf 2015 ist verstolpert worden. Das Team ist weniger konkurrenzfähig als vor einem Jahr. Was sie im Detail falsch gemacht haben, das kann ich nicht einschätzen. Aber Mario Illien als Berater an Bord zu holen, war gewiss keine schlechte Idee. Ich glaube daran – wenn die ihr ganzes Wissen zusammen legen, dann kann Renault einen guten Motor bauen.

Noch hat Renault keine der Entwicklungswertmarken eingesetzt, obschon sie von allen Herstellern am meisten der so genannten Token einsetzen könnten, nämlich zwölf. Wie erklärst du dir das?

Sie sind weiterhin am Löcher stopfen. Renault ist dazu gezwungen, an der Standfestigkeit zu arbeiten, während andere über diese Token die Leistung hochschrauben. Die Zuverlässigkeit zu verbessern, dazu muss man gemäss Reglement keine Wertmarken einsetzen. Es dauert einfach alles viel länger als erwartet.

RBR-Teamchef Christian Horner selber hat gesagt, der Rückstand seines Teams gehe zu 80 Prozent zu Lasten des Motors, zu 20 Prozent aufs Chassis. Wie würdest du das gewichten?

Ich habe den Eindruck – von den Autos aus den letzten fünf Jahren ist der 2015er RBR sicher nicht das Beste. Ich bin überzeugt: mit dem Chassis von Toro Rosso wären sie besser dran. Ich kann nicht nachvollziehen, dass Red Bull Racing mit solchen Möglichkeiten ein schlechteres Auto baut als Toro Rosso. Statt dessen ist Toro Rosso auf Augenhöhe mit RBR, obschon die jungen Toro-Piloten Verstappen und Sainz weniger Erfahrung bei der Arbeit mit einem Formel-1-Renner haben.

Wie erklärst du dir das?

Von aussen betrachtet habe ich nur eine Erklärung dafür – ich glaube, das liegt daran, dass Adrian Newey nicht mehr zu hundert Prozent für Red Bull Racing arbeitet. Gewiss, die Bedeutung der Aerodynamik ist generell eingeschränkt worden. Aber niemand kann mir widersprechen, wenn ich sage: der 2014er Renner von Red Bull Racing war besser als jener von 2015. Und da war Newey noch voll und ganz dabei. Für mich fehlt einfach der Einfluss des besten Mannes der Branche.

Wo muss man beim vierfachen Weltmeister Red Bull Racing jetzt den Hebel ansetzen?

Grundsätzlich haben wir in der Formel 1 oft erlebt, dass ein Rennstall nach einigen Titeln in Folge wieder hartes Brot essen muss. Das ist keine Schande. Aber durch so ein Wellental muss man durch. Ich sehe Ansätze, dass daran gearbeitet wird, aber gerade auf der Motorenseite wirkt sich beispielsweise die Mitarbeit eines Mario Illien eben nicht kurzfristig aus. Renault muss den Motor verbessern, die Hybrid-Seite muss optimiert werden, man braucht ein besseres Chassis. Wenn Red Bull Racing und Renault Hand in Hand entschlossen und zielorientiert arbeiten, dann sieht das 2016 schon ganz anders aus.

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