Formel 1

Red Bull-Schutzscheibe schöner und sicherer als Halo?

Von - 20.03.2016 00:42

​​Red Bull zeigt, wie die Alternative zum Fahrerkopfschutz Halo (Heiligenschein) aussehen könnte. Aber kommt dieser Vorschlag für den Autoverband FIA zu spät?

Seit Ferrari bei den Barcelona-Wintertests mit einer Attrappe des Kopfschutzes Halo (Heiligenschein) gefahren ist, wird es heiss diskutiert: Ist das nun die Zukunft der Formel 1 oder entspricht das nicht dem Image des Grand-Prix-Sports? Selbst unter den Piloten herrscht keine einheitliche Meinung, drei Viertel der Formel-1-Fans lehnen diese Lösung ab. Die FIA betont, dass die Entwicklung des Halo vorangetrieben werde, eine Einführung für 2017 gilt als wahrscheinlich.

Vor wenigen Wochen hat Red-Bull-Technikchef Adrian Newey gesagt, man arbeite an einem Alternativ-Vorschlag, der fürs Auge gefälliger sei als der Halo. Diesen Vorschlag hat Red Bull nun der FIA eingereicht. Es handelt sich (siehe Bilder) eher um eine Art Windschutzscheibe statt des reinen Schutzbügels. Damit wäre ein Fahrer auch vor einem fliegenden Objekt geschützt wie damals jene Schraubenfeder, welche Felipe Massa 2009 in Ungarn schwer verletzte.

Das Red-Bull-Design erinnert an einen Kampfjet, statt der Mittelstütze wie beim Halo gibt es zwei seitliche Streben. Und dazwischen die Scheibe.

Noch vor Ende April will Red Bull Racing eines seiner Autos mit einer solchen Lösung fahren lassen. «Wir halten das für eine bessere Variante als den Halo», findet RBR-Teamchef Christian Horner.

Historienfreunden wie unserem Leser Günter Nejedly ist übrigens aufgefallen: Die Scheibe erinnert an eine Variante, die Jack Brabham schon 1959 an seinem Cooper spazierenfuhr.

Aber ist Red Bull nicht schon die Zeit davongelaufen?

Charlie Whiting, Sicherheitsdelegierter des Autoverbands FIA, sagt: «Wir sind davon überzeugt, dass der Halo so weit fortgeschritten ist, dass wir ihn für 2017 umsetzen können. Der Vorschlag von Red Bull hinkt hinterher, er ist noch nie ausprobiert worden. Aber er bietet zusätzlichen Schutz. Ich habe meine Zweifel, ob das für 2017 ungesetzt werden könnte, der Halo hingegen schon. Und wir werden nicht auf eine mögliche andere Lösung warten.»

Christian Horner allerdings ist der Meinung, dass auch die Red-Bull-Lösung für 2017 bereit sein könnte. Er findet den Vorschlag aus seinem Hause gefälliger und sicherer.

Lewis Hamilton: «Halo? Nein, danke»

Der Halo (Heiligenschein) bleibt ein heisses Eisen. Seit Kimi Räikkönen den vom Autoverband FIA auf 2017 geplanten Kopfschutz für die Fahrer bei den Wintertests als Attrappe auf dem Ferrari der Öffentlichkeit vorgeführt hat, ist der Teufel los. Zahlreiche Umfragen haben ergeben – rund drei Viertel der Fans lehnen die Vorrichtung ab. Nur jeder Zwanzigste will sie unbedingt eingeführt sehen. Ein Fünftel der Fans ist sich nicht sicher oder befürchtet, dass wir daran nicht vorbei kommen werden.

Unter den Piloten regt sich Widerstand. Zunächst war es nur Nico Hülkenberg, der Rückgrat genug hatte, zu seiner Meinung zu stehen: «Das ist Formel 1, und ich finde halt, ein GP-Renner sollte offen bleiben.»

Der dreifache Weltmeister Lewis Hamilton hielt sich in seiner Medienrunde vom Donnerstag noch höflich zurück: «Ich habe ein Bild davon gesehen und ungefähr so reagiert (legte den Kopf in gespielter Verzweiflung auf die geöffnete Hand). Das sage ich dazu.» Auf das Nachhaken, ob er das ausformulieren könne, meinte der Engländer: «Lieber nicht.»

Das tat er dann am Abend auf seinem Instagram-Konto: «Bitte nicht! Das ist die hässlichste Modeerscheinung in der Formel-1-Geschichte. Ich schätze das Streben nach mehr Sicherheit, aber das ist Formel 1, und so wie die Autos derzeit sind, ist das in Ordnung.»

Später sprach der Engländer davon, dass die FIA die Verwendung des Systems hoffentlich auf freiwilliger Basis einführe. Davon will Charlie Whiting nichts wissen: «Ein Helm wird auch nicht freiwillig getragen.»

Damit ist die Kontroverse weiter angefacht, denn die Meinungen gehen auch unter den Piloten weit auseinander. Hamiltons Stallgefährte Nico Rosberg sagte: «Ich finde den Halo gut. Ich glaube – die meisten Fahrer, die ums Leben gekommen sind, hätten mit einer solchen Schutzvorrichtung gerettet werden können. Das ist in Sachen Sicherheit ein Riesensprung für uns alle. Beim Aussehen sage ich – okay, das kann man vielleicht noch besser machen. Aber von vorne beispielsweise sieht der Halo recht cool aus. Insgesamt gehen wir mit dem Kopfschutz in die vollkommen richtige Richtung.»

Und Williams-Fahrer Felipe Massa ist der Ansicht: «Das ist ein wichtiger Schritt in Sachen Sicherheit und ich bin komplett dafür. Wir brauchen das.»

McLaren-Star Jenson Button meint: «Okay, es schaut nicht hübsch aus, aber der Bügel ist wegen eines wichtigen Grunds so wie er ist.»

Red Bull Racing-Teamchef Christian Horner sagte schon damals: «Wir haben das bei uns im Simulator ausprobiert und haben Bedenken in Sachen Sicht. Daher wollen wir eine eigene Lösung präsentieren, das werden wir im April machen. Ich bin kein Fan des Halo. Ich finde, wir könnten etwas Eleganteres finden als diesen Klumpen Kohlefaser gleich vor der Nase des Piloten.»

Die Vordachlösung von RBR «ist im Grunde wie eine vergrösserte Windschutzscheibe. Es ist ästhetisch gefälliger, bietet hoffentlich eine bessere Sicht und mindestens den gleichen Schutz.»

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Der Vorschlag für einen Kopfschutz von Red Bull © Red Bull Der Vorschlag für einen Kopfschutz von Red Bull Die zentralen Strebe des Halo fällt weg © Red Bull Die zentralen Strebe des Halo fällt weg Die Scheibe soll zusätzlichen Schutz bieten © Red Bull Die Scheibe soll zusätzlichen Schutz bieten Jack Brabham 1959 in seinem Cooper © LAT Jack Brabham 1959 in seinem Cooper
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