Bahrain: Russell/Mercedes Schnellster, Pech für Hamilton/Ferrari, FIA-Knall
Bahrain International Circuit, Tag 4: George Russell fährt die schnellste Zeit, vor Piastri (McLaren) und Leclerc (Ferrari), Aston Martin hat weiter Probleme. Die Meldung des Tages kommt von der FIA.
Schon verrückt, diese Formel 1: Da fahren 21 Piloten beim Wintertest in Bahrain hunderte von Runden, aber die Meldung des Tages betrifft nicht ein bestimmtes Team oder einen speziellen Fahrer, sondern den Autoverband FIA.
Ob es den Gegnern von Mercedes nun in den Kram passt oder nicht: Der clevere Kniff mit der Kompression wird bis 1. August Bestand behalten. Das ist am 18. Februar entschieden worden. Ab dann werden die Motorhersteller nachweisen müssen, dass die korrekte Kompressionsrate auch bei Betriebstemperatur von 130 Grad eingehalten wird.
Wie faul ist dieser Kompromiss?
Wie üblich bei einem Kompromiss werden nicht alle mit dieser Lösung glücklich sein, aber mehr war auf die Schnelle eben nicht zu machen.
Es wird sich in den ersten Rennen der Saison zeigen, ob der Vorsprung von Mercedes so gross ist wie die Gegner fürchten. Falls dem so ist, wird Mercedes die Chance erhalten, eine Überlegenheit bis zum Sommer auszuspielen. Das könnte wegweisend sein für den WM-Verlauf.
Ach ja, und die Formel 1 will die Anzahl Sprints pro Saison erhöhen von derzeit sechs auf zwölf. Aber das wird erst ab 2027 greifen.
Wieder Probleme für Aston Martin
Was gibt es Neues vom Bahrain International Circuit? Aston Martin muss weiter hartes Brot essen: Am Morgen kam Fernando Alonso wegen eines Problems am Honda-Motor kaum zum Fahren, am Nachmittag rutschte Lance Stroll mit dem mattgrünen Rennwagen nach nur sieben Runden im Kies, die Mechaniker arbeiteten sich die Hände wund, damit der Kanadier nach 90 Minuten wieder auf die Bahn gehen konnte.
Aber die Schuld lag nicht bei Stroll: Bilder zeigten, wie vor Kurve 11 die Drehzahl des Honda-Motors in den Keller fiel, das Getriebe stellte (vielleicht ein Sicherheits-Modus) in Neutral, da war Stroll nur noch Passagier, er konnte einen Dreher nicht verhindern. Lance stieg aus und war sichtlich wütend.
Neue Teile bei Ferrari, Red Bull Racing und Mercedes
Die Teams nehmen nicht nur auf der Bahn Tempo auf, sondern auch bei der Entwicklung: Ferrari tauchte für die zweite Bahrain-Woche mit einem neuen Unterboden auf, Mercedes mit noch schlankeren Seitenkästen, Red Bull Racing mit einem neuen Frontflügel.
Am meisten Tempo bolzte aber Mercedes-Ass George Russell: neue Test-Bestzeit, mit 1:33,459 min, dies auf der C3-Mischung von F1-Ausrüster Pirelli, damit eine Hundertstelsekunde schneller als Oscar Piastri im McLaren. Das ist die bislang schnellste Zeit mit den 2026er Autos.
Pirelli: Wieso unmarkierte Reifen?
Die meisten Fahrer an diesem 18. Februar fuhren ihre beste Zeit auf unmarkierten (also Farbcode-freien) Walzen. Hintergrund und kaum bekannt: Während die Entwicklung im Werk von Mailand passiert, werden die meisten Formel-1-Reifen in Slatina (Rumänien) gefertigt. Das Werk von Izmit (Türkei) ist Ersatz-Lieferant, sollte in Slatina etwas schieflaufen. Ab und an bringt Pirelli dann Reifen aus der Türkei zum Test, um zu sehen, ob gemessen an den Walzen aus Slatina alles okay ist.
Nicht nur Aston Martin bleibt ein Sorgenkind: Am Morgen verlor Cadillac zweieinhalb Fahrstunden mit Sergio Pérez wegen eines defekten Sensors, am Nachmittag (nun mit Valtteri Bottas) weitere 90 Minuten, Ursache unbekannt.
Schwierigkeiten auch bei Red Bull Racing: Der Franzose Isack Hadjar, als einziger Fahrer den ganzen Tag im Wagen, kam wegen eines Lecks am Morgen auf nur 28 Runden. Zum Glück konnte er am Nachmittag zulegen.
Schwierigkeiten aber auch beim Ferrari, der bislang doch so standfest gelaufen war: Am Nachmittag verschwand der rote Renner für eineinhalb Stunden in der Box, Grund unbekannt, Lewis Hamilton musste Däumchen drehen.
Startübung zum Schluss des Tests
Die Fahrer tun sich derzeit schwer mit den Starts. Der Grund ist das neue Reglement. Die MGU-H, die von 2014 bis 2025 Energie am Turbolader sammelte, ist verschwunden. Das bedeutet für die Piloten: Um den Lader auf ideale Drehzahl zu bringen am Start, müssen sie den V6-Verbrenner etwa zehn Sekunden hochdrehen.
Das Timing ist nicht ganz einfach, und einige Piloten äusserten die Befürchtung, dass wir bei den ersten Rennen chaotische Starts erleben werden, mit Fahrern, die gut wegkommen, anderen, die soso-lala wegkommen, sowie jenen, die einen Stotterstart zeigen. Das berge Gefahr für Kollisionen.
Um den Piloten mehr Gelegenheit zum Üben zu geben, wurde vereinbart, dass die Fahrer am Ende eines Test-Segment mehr Zeit für Probestarts erhalten.
Das ging so: Um 18.50 wurde die rote Flagge gezeigt, die Autos kehrten alle in die Boxengasse zurück. Dann gingen die Rennwagen wieder auf die Bahn, fuhren eine Formationsrunde, stellten sich auf, dann noch eine Formationsrunde, als hätte das Startprozedere abgebrochen werden müssen, bevor sie sich ein zweites Mal auf der Startaufstellung platzierten.
Danach blinkten alle Startpositions-Tafeln blau für fünf Sekunden, nach dieser Warnung kam die bekannte Startampel, mit den fünf im Sekundentakt erlöschenden Lichter. Das alles ergibt plus/minus zehn Sekunden.
Ergebnis des Probestarts mit zehn Teilnehmern (nur Aston Martin verzichtete): Überraschung, kein Chaos, alle kamen anständig weg, wenn auch einige mit stark durchdrehenden Rädern. Das dürfte ein paar Schwarzmalern den Pinsel aus der Hand nehmen.
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