China-GP: Chaos nach Start, Ferrari-Chef sauer

Von Mathias Brunner
Formel 1
Sergio Marchionne mit Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene

Sergio Marchionne mit Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene

​Chaotischer GP-Beginn in China: Kollision der Ferrari, Reifenschaden bei Ricciardo. Ferrari-Präsident Sergio Marchionne dürfte wenig erfreut sein.

Boxengast Sergio Marchionne (Ferrari) ist sichtlich sauer: Ferrari ging als Geheimfavorit in dieses Rennen, aber die erste Kurve hat vielleicht schon alles ruiniert!

Sebastian Vettel wurde in der ersten Kurve zwischen Kimi Räikkönen (aussen) und Daniil Kvyat (innen) eingeklemmt. Kollision der beiden Ferrari! Sebastian Vettel schimpfte über Funk: «Kontakt! Ich musste einem Red Bull ausweichen, der wie ein Verrückter daherkam.»

Sky-Formel-1-Experte Martin Brundle: «Das war eine Rennsituation. Den Piloten ging einfach der Raum aus.»

Lewis Hamilton wurde weiter hinten vom Sauber von Felipe Nasr getroffen und musste an die Box, um einen neuen Frontflügel zu holen.

Leader Daniel Ricciardo, besser gestartet als Nico Rosberg, fuhr über ein Trümmerteil – in der dritten Runde löste sich am Ende der Gegengeraden der rechte Hinterreifen auf!

Die Rennleitung schickte das Safety-Car auf die Bahn, um den tapferen Streckenposten zu gestatten, zahlreiche Trümmerteile von der Strecke zu klauben.

Lewis Hamilton nutzte die Safety-Car-Phase und das Chaos, um nochmals an die Box zu kommen – ohne wesentlichen Zeitverlust hinter dem Safety-Car, aber mit der strategischen Möglichkeit, dann alles tun tun.

Sebastian Vettel über Funk: «Das Manöver von Kvyat war Selbstmord. Der Unfall war nicht zu verhindern.»

Warnung von Sergio Marchionne

Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone hat immer betont: «Ein starkes Ferrari ist elementar für den Erfolg des Grand-Prix-Sports, und ich bin glücklich, dass die Italiener in diesem Jahr Mercedes unter Druck setzen können.»

Ferrari-Präsident und Fiat-Geschäftsleiter Sergio Marchionne ist nach China gereist. Der chinesische Markt ist wichtig für den berühmtesten Sportwagenhersteller der Welt, aber Marchionne will auch Präsenz in Sachen Formel 1 zeigen.

Der 63jährige Italo-Kanadier hatte vor dem Saisonstart die Marschrichtung vorgegeben: «Ich kann allen garantieren – wir werden nichts unversucht lassen, um die Historie des erfolgreichsten Formel-1-Rennstalls zu respektieren. Ich bin davon überzeugt, dass wir im Winter alles getan haben, um eine erfolgreiche Saison zu haben. Für uns kann es nur ein Ziel geben: den WM-Titel zurück nach Maranello holen.»

Im Fahrerlager des Shanghai International Circuit sagt Marchionne bei den Kollegen der britischen Sky vor dem Start: «Wenn Bernie glücklich ist, bin ich es auch. Aber das Abschlusstraining hier in China hat gezeigt – wenn auch nur ein Detail nicht stimmt, bist du schon aus dem Rennen. Beide Fahrer haben zugegeben, dass sie nicht alles wie gewünscht auf die Reihe bekommen haben, und schon stehst du hinten. Wir haben einen Red Bull vor uns, das war nicht der Plan.»

Marchionne hat sich «alle Rennen angeschaut. Wir hatten Chancen an den bisherigen Wochenenden, ganz nach vorne zu fahren, aber die Realität ist eben – wir haben es nicht getan. Wir standen nicht auf Pole, und wir haben noch keinen Grand Prix gewonnen. Das muss sich ändern. Das Team weiss, dass die Zeit ausläuft und wir anfangen müssen, Rennen zu gewinnen.»

«Die Entwicklung des Autos ist auf dem erwarteten Niveau. Wir wussten, dass wir zu Beginn der Saison nicht ganz so stark sein würden wie Mercedes. Aber ich sehe genug Entwicklungspotenzial, um das im Laufe der Saison zu ändern. Und der erste Schritt in Richtung Siege muss bald gestellt werden.»

Sky-Formel-1-Experte Martin Brundle: «Marchionne ist ein knallharter Chef. Er führt grosse Firmen, daher ist er vom ganzen Brimborium des GP-Sports nicht sonderlich beeindruckt. Er kennt sein Geschäft, und er erwartet Ergebnisse. Ich halte ihn für fähig, Entscheidungen nicht in der Art eines Konzernchefs, sondern mit der Denke eines Racers zu fällen – und daher ist er für Ferrari wertvoll.»

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