Der tiefe Fall des Daniil Kvyat: Punktet jetzt Gasly?

Von Andreas Reiners
Formel 1
Daniil Kvyat

Daniil Kvyat

Ob Daniil Kvyat in Zukunft noch einmal «Game of Thrones» schauen wird, ist nicht überliefert. Dass die Rückversetzung in das Toro-Rosso-Team für eine Karrieredelle gesorgt hat, ist dagegen unbestritten.

Der Russe hatte die für ihn überraschende und bittere Degradierung, die man ihm mitteilte, während er die beliebte Serie schaute, mit Humor genommen. Er hatte es zumindest versucht. Bei der Pressekonferenz vor dem Barcelona-Wochenende saß er neben seinem Nachfolger Max Verstappen. Eine unangenehme Situation für Kvyat, keine Frage.

Er begegnete den Dingen, die seit dem Russland-GP über ihn eingebrochen sind, mit Sarkasmus. Auf die Frage, was das Reifenkontingent angehe, meint Daniil: «Wir übernehmen die Reifen des anderen, das ist eine Team-Entscheidung. Aber zum Glück behalte ich meine Punkte. Ach ja, und den dritten Platz von China kann mir auch keiner nehmen.»

Das stimmt. Was von Max Verstappens Sensationssieg in Barcelona aber auch bleibt, ist die Tatsache, dass der junge Niederländer in Kvyats Auto gewonnen hat. Der 18-Jährige hat sich in den Red Bull seines strafversetzten Kollegen gesetzt und die restliche Formel-1-Welt begeistert und die Konkurrenz düpiert.

Auch wegen der verpatzten Strategie bei seinem neuen Teamkollegen Daniel Ricciardo und den Ausfällen von Lewis Hamilton und Nico Rosberg, aber ernsthaft: Danach fragt schon heute niemand mehr. Hätte Kvyat das auch so geschafft? Wohl kaum, darin sind sich die Experten einig. Verstappen fährt grundsätzlich in einer anderen Liga als Kvyat.

Für Kvyat geht es derzeit rasant bergab, die Karriere bekommt deutliche Risse. Der Russe hatte von einer Degradierung partout nichts hören wollen. «Das Positive ist, dass ich bei Toro Rosso die Chance erhalte, mein Talent zu zeigen. Und genau das werde ich tun. Klar war die Entscheidung für mich ein Schock. Aber meine Aufgabe ist es nun, aus den Möglichkeiten das Beste zu machen.»

Das misslang allerdings. Im Qualifying wurde Kvyat (13.) von seinem Toro-Rosso-Teamkollegen Carlos Sainz (8.) abgekocht, im Rennen wurde Sainz Sechster, Kvyat Zehnter. In der Safety-Car-Phase zeigte er sich zu ungestüm, überholte zwei Autos und musste die Plätze anschließend wieder zurückgeben.

«Das hat sein Rennen ein wenig kompromittiert. Aber er hat zurückgeschlagen und noch einen Punkt erkämpft», resümierte Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost. Einen Zähler erkämpft, während sich sein Nachfolger ganz oben auf dem Podest hochleben ließ. Kvyat räumte ein, dass er sich zwar auf seine neue Aufgabe konzentriere, aber natürlich darüber nachdenke, dass Red Bull das Potenzial habe für Siege.

Ob er auch gewonnen hätte? «Das werden wir nie wissen. Aber ich kenne mein Potenzial und dass ich Rennen und Titel gewinnen kann. Es scheint, dass mein Weg etwas schwieriger wird. Ich muss geduldig sein», sagte Kvyat.

Kleiner Trost: Immerhin kann Kvyat auch diesen Punkt niemand mehr nehmen. Dafür aber vielleicht seinen Platz bei Toro Rosso. Fährt er auf Augenhöhe oder besser als sein Toro-Rosso-Stallgefährte Carlos Sainz, gibt es aus seiner Sicht keinen Grund, ihn für 2017 auszuwechseln.

Aber: Der junge Franzosen Pierre Gasly steht schon in den Startlöchern. Er ist in der Nachwuchsförderung von Red Bull der nächste Pilot, der in den Grand-Prix-Sport nachrücken würde – schon in dieser Woche testet er für Toro Rosso. Gasly fährt in der GP2-Serie, nach dem ersten Rennwochenende ist er Leader. Wird Gasly Meister, dann müsste man ihn in die Formel 1 holen. Ob für Kvyat, liegt auch an dem Russen selbst.

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