Lewis Hamilton: Keine Angst vor dem bösen Wolff

Von Mathias Brunner
Formel 1
Lewis Hamilton und Toto Wolff

Lewis Hamilton und Toto Wolff

​Mercedes-Rennchef Toto Wolff hat klar gemacht: «Unsere Fahrer sind verwarnt.» Aber die britischen Zeitungen urteilen: Das sind doch alles nur leere Drohungen.

Lewis Hamilton ist den meisten britischen Formel-1-Berichterstattern heilig. Viele der Medienschaffenden bleiben – ungeachtet aller Siege und WM-Titel ihres Landsmannes – davon überzeugt, dass Mercedes lieber den Deutschen Nico Rosberg als Weltmeister sehen würde. Da werden beim kleinsten technischen Problem am Wagen des Briten die wildesten Verschwörungstheorien zusammengesponnen. Das ging so weit, bis Hamilton selber mit einem offenen Brief Stellung nehmen musste, um die Gemüter zu beruhigen.

Nach der erneuten Kollision zwischen Rosberg und Hamilton hat Teamchef Toto Wolff gestern Donnerstag im Fahrerlager des Silverstone Circuit klar gemacht: «Um in der Fussballsprache zu verweilen – unsere Piloten haben die gelbe Karte gezeigt erhalten. Und jeder weiss, was nach der gelben Karte kommt.»

Aber kann sich Mercedes, wenn wir das jetzt konsequent weiterdenken, wirklich die Lösung erlauben, einen der beiden Hitzköpfe auf die Strafbank zu setzen?

Die meisten Grand-Prix-Insider sind der Meinung: Nein, das kann Mercedes nicht machen, und daher handelt es sich letztlich um eine leere Drohung des Weltmeister-Rennstalls. Diese Ansicht spiegelt sich auch in den meisten Medienkommentaren der britischen Presse wider.

Neil Squires im Daily Express: «Lewis hat keine Angst vorm grossen, bösen Wolff. Jedenfalls sieht Lewis nicht wie ein Mann aus, über dem ein Damoklesschwert hängt.»

Paul Weaver schreibt im Guardian: «Wolff war gezwungen, in irgend einer Form zu handeln. Aber das hört sich alles merkwürdig an. Klar ist Wolff dem Mercedes-Vorstand Rede und Antwort schuldig, aber die Sponsoren und der Autokonzern sollten sich freuen – sie dominieren die Schlagzeilen seit Wochen. Nun einen Fahrer fallen zu lassen, wäre Mercedes und auch den Geldgebern abträglich. Genauso wie die Einführung einer Stallorder.»

Daniel Johnson meint im Daily Telegraph: «Wenn sich Hamilton Sorgen machten sollte, dann scheint ihm das keiner gesagt zu haben. Er wurde angeblich über glühende Kohlen geschleift, er erhielt eine letzte Warnung, mit Sperren und Strafen als Drohung, und doch sieht er völlig ungerührt aus. Am aussagekräftigsten war seine Antwort auf unsere Frage, ob die drohenden Massnahmen furchteinflössend seien. Lewis sagt: „Ich sollte darauf wohl mit ja antworten.“»

«Um vor dem Hintergrund ihrer Gehälter eine Wirkung zu erzielen, müsste eine Geldbusse in die Millionen gehen. Und niemand kann sich wirklich vorstellen, dass Mercedes einen seiner Star-Piloten aus dem Wagen nimmt.»

Kevin Eason schreibt in der Times: «Hamilton und Rosberg sahen aus, als wären sie von einem zahnlosen Terrier angefallen worden. Silverstone ist die erste Nagelprobe dafür, wie ernst es Mercedes wirklich mit Massregelungen für die beiden Fahrer ist.»

Kevin Garside findet im Independent: «Bei Sekundenbruchteil-Entscheidungen wie im Duell zwischen Rosberg und Hamilton liegt der Ausgang in den Händen der Renngötter. Sicher ist nur der Angriffs- und Verteidigungsimpuls der Rennfahrer. Dazu sind sie geboren. Entweder du bist ein Racer oder eben nicht. Wolff will das scheinbar Unmögliche möglich machen und seine Fahrer schubladisieren, auf dass sie im richtigen Moment einen inneren Schalter umlegen, den Adrenalinfluss eindämmen und firmenkonform handeln. Die Ratio sagt: Fuss vom Gas. Der Instinkt sagt: draufhalten. Es kann nur einen Sieger geben. Zum Glück für uns alle.»

«In Wahrheit hätte Wolff für seine Piloten im Rennwagenwerk von Brackley eine Konfettiparade veranstalten sollen, denn sie hauchen diesem Sport Leben ein, sie zeigen, worum es letzlich geht – um den Kampf Mann gegen Mann. Genau das reisst die Fans mit. Wir reden hier von Alphatieren. Im Grunde ist es verwunderlich, dass es nicht öfter scheppert. Das Team konnte nicht mehr tun als Rosberg und Hamilton einen Klapps auf die Hand zu geben.»

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Mathias Brunner
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