Eric Boullier: «McLaren-Chassis so gut wie Ferrari»

Von Mathias Brunner
Formel 1
Eric Boullier

Eric Boullier

​Der Franzose Eric Boullier, Teamchef von McLaren-Honda, spricht über den Aufwärtstrend bei der britisch-japanischen Seilschaft, über die Arbeit mit Ron Dennis sowie über eine angebliche Offerte von Ferrari.

Im Januar 2014 hat der Franzose Eric Boullier seine Arbeit als McLaren-Teamchef aufgenommen. Zweieinhalb Jahre später erkennt der frühere Lotus-Steuermann langsam Licht am Ende des Tunnels – McLaren-Honda macht Fortschritte, nachdem die Japaner bei ihrer Rückkehr in die Formel 1 2015 einen Waagrechtstart hingelegt hatten.

«Jede Woche ist schwierig», gibt der Brillenträger meinem Kollegen Roberto Chinchero von motorsport.com gegenüber zu, «weil wir noch nicht dort sind, wo wir hinwollen. McLaren tritt an, um Siege zu erringen. Und wenn dir das nicht gelingt, dann ist das immer frustrierend.»

Zur Erinnerung: Der letzte McLaren-Sieg liegt wie die letzte McLaren-Pole schon rund drei Jahre zurück: 2012 eroberte Lewis Hamilton im Woking-Flitzer den ersten Startplatz, den Sieg sicherte sich daraufhin sein damaliger Teamkollege Jenson Button.

Seit Boullier bei McLaren ist, hat er versucht, das Organigramm zu straffen und zu stärken – Peter Prodromou kümmert sich um die Aerodynamik, Tim Goss um das Chassis, Matt Morris obliegt die Leitung der Ingenieure.

Boullier nimmt Motorenpartner Honda nach der blamablen Saison 2015 in Schutz: «Wir mussten zusammen mit Honda lernen. Wir mussten die verschiedenen Kulturen miteinander vereinen. Es gab einige Täler zu durchlaufen, aber nun ist das Verhältnis sehr gut, wir erkennen grosse Fortschritte, jeden Monat gibt es Projektsitzungen in Japan und in England, dazu viele Videokonferenzen.»

Der Franzose sprach im Testwinter in Barcelona davon, dass McLaren noch in diesem Jahr das beste Chassis haben wolle. Heute sagt Eric Boullier: «Ich schätze, wir haben eines der besten Drei, wobei wir mit Ferrari um den dritten Rang kämpfen.»

Mit anderen Worten: Nur Mercedes-Benz und Red Bull Racing liegen gemäss Boullier vor McLaren. Aber was fehlt denn? «Das ist nicht so leicht zu sagen», meint der 42-Jährige aus Laval. «Wer mehr Power hat, kann es sich auch leisten, mit steiler gestellten Flügeln zu fahren. Aber mehr Abtrieb bedeutet auch mehr Luftwiderstand. Wir sind da noch nicht auf Augenhöhe mit den Gegnern, weil es uns an Leistung mangelt. Aber wenn ich das sage, dann sollte ich gleichzeitig anfügen – auch wir von der Chassis-Seite müssen nachlegen.»

«Mercedes, Renault und Ferrari haben das neue Turboprojekt 2010 begonnen und waren damit 2014 auf den GP-Pisten. Die Entscheidung für die Formel 1 fiel bei Honda 2013, das Debüt erfolgte anfangs 2015. Honda hat bei null begonnen. Daher der grosse Rückstand.»

Wie soll es weitergehen? Fernando Alonso sprach schon davon, dass im kommenden Jahr der Titel das Ziel sein müsse. Das scheint ein wenig hoch angesetzt für ein Team, das seit März 2014 ohne Podestplatz ist. Eric Boullier meint: «Ich setze da kein Ziel, weil die Entwicklung der Motoren nicht in unseren Händen liegt. Aber wir erwarten klare Fortschritte. Um auf das Niveau von Mercedes zu gelangen, müssen wir uns nicht um Zehntel verbessern, sondern um Sekunden. Aber erst auf Augenhöhe mit Mercedes können wir wieder anfangen, von Siegen und Titeln zu reden.»

Über die Arbeit mit dem langjährigen McLaren-Teilhaber und –Teamchef Ron Dennis meint Boullier: «Es ist nicht immer einfach, weil Ron einen sehr starken Charakter hat. Er ist extrem wettbewerbsorientiert, so wie ich auch, wenn auch in anderer Form. Die meiste Zeit über sind wir gleicher Meinung.»

Heisses Thema im Moment: Das komplexe Regelwerk. Auch Eric Boullier findet: «Wir werden von aussen nicht mehr so positiv wie früher wahrgenommen, weil viele Fans Mühe haben, das alles zu verstehen. Es sind einfach zu viele Vorschriften, was wir alles nicht tun dürfen. Selbst wer die Formel 1 liebt, hat Schwierigkeiten mit dem Durchblick.»

Zu den McLaren-Piloten, speziell zur Frage, ob Eigengewächs Stoffel Vandoorne 2017 endlich zum Stammfahrer wird, meint Boullier: «Wir wissen, dass er dazu bereit ist. Wir werden in den kommenden Monaten entscheiden. Wir fördern darüber hinaus einige junge Talente, die lassen wir nun in Ruhe reifen, es ist nicht geplant, dass zusätzliche Jungs in das Förderprogramm aufgenommen werden.»

Letzte Frage: Boullier wird mit einer Offerte aus Maranello in Verbindung gebracht. Der Franzose meint: «Davon habe ich noch nie etwas gehört. Und im Übrigen fühle ich mich sehr wohl bei McLaren.»

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