Brad Binder (KTM): Das Comeback des Jahres

Von Sharleena Wirsing
Moto2

Brad Binder stürzte bei seinem zweiten Moto2-Test im November 2016 und zog sich einen komplizierten Bruch der linken Speiche zu. Nach drei OPs schien er körperlich am Ende, doch er feierte ein bärenstarkes Comeback.

Moto2-Rookie Brad Binder glänzte in der zweiten Saisonhälfte 2017 mit großartigen Leistungen. Der Moto3-Weltmeister von 2016 steigerte sich kontinuierlich und verpasste in Misano um 2,6 sec seinen ersten Podestplatz. Doch dieser sollte nicht mehr lang auf sich warten lassen. Auf Phillip Island preschte Binder als Zweiter hinter seinem Red Bull KTM-Teamkollegen Miguel Oliveira über die Ziellinie. Während der Moto2-erfahrene Oliveira die letzten drei Saisonrennen gewann, kam Binder als Zweiter in Australien und Malaysia und als Dritter beim Saisonfinale in Valencia ins Ziel. Ein grandioses Saisonfinale für den 22-Jährigen aus Potchefstroom.

Doch wie schwer der Weg dorthin war, wurde nach seinen Erfolgen kaum noch Beachtung geschenkt.

Im November 2016 stürzte sich Binder in ein neues Abenteuer. Als Moto2-Rookie testete der Südafrikaner erstmals die neue KTM, die 2017 ebenfalls ihr Moto2-Debüt geben sollte.

Doch dann der Schock: Bei einem Sturz kurz vor dem Ende des ersten Tages bei seinem zweiten Moto2-Test in Valencia zog sich Binder schwere Verletzungen des linken Armes zu. Der Moto3-Weltmeister machte sich sofort auf den Weg nach Barcelona. «Er befindet sich nun auf dem Weg zu Dr. Mir für weitere Untersuchungen. Er stürzte zwar nicht so schwer, aber das Bike flog durch die Luft und landete auf seinem Arm. Er verlor erst das Hinterrad und dann auch die Front als er von Kurve 9 in die 10 fuhr. Das Bike flog durch die Luft. Vielleicht ist die Hand gebrochen. So sieht es zumindest aus, aber wir müssen abwarten, was die Ärzte nach den Untersuchungen sagen», berichtete Teamchef Aki Ajo damals im Gespräch mit SPEEDWEEK.com.

Da neben dem Bruch der Speiche auch eine Dislokation der Elle am Handgelenk festgestellt worden war, musste eine Operation angesetzt werden. «Der Eingriff verlief nach Plan und war erfolgreich. Die Ärzte sprechen nun von einer Genesungszeit von fünf bis sechs Wochen», erklärte Ajo.

Doch es kam zu Komplikationen. «Die OP war nicht ganz perfekt und ich musste mich nochmal operieren lassen. Leider hatte ich im Januar dann eine Operation, bei der die Platten rausgenommen und neue eingesetzt wurden. Dadurch habe ich weitere sechs Wochen verloren. Ich bin einfach etwas frustriert, weil ich nicht so trainieren kann, wie ich das will», klagte der Moto3-Weltmeister, der die gesamte Saison mit diesem Trainingsrückstand zu kämpfen haben sollte. Der zierliche Binder wollte im Winter an Muskelmasse zulegen, um die deutlich schwerere Moto2-Maschine am Limit bewegen zu können. Das wurde ihm durch seine Verletzung versagt.

Dann folgte der Saisonstart. Binder erreichte nur den 20. Platz. Wenn man die Moto3-WM 2016 mit 142 Punkten Vorsprung gewonnen hat, kann ein 20. Platz beim Moto2-Debüt nur eine bittere Enttäuschung sein.

Der nächste Rückschlag ließ nicht lange auf sich warten. Die Platte in Binders Unterarm löste sich. Unter großen Schmerzen erkämpfte sich der KTM-Pilot in Argentinien noch Platz 9, doch er musste in Barcelona erneut von Dr. Xavier Mir operiert werden.

In Texas wurde Binder von KTM-Testfahrer Ricard «Ricky» Cardús ersetzt, der Spanier schaffte den 14. Platz. Auch in Jerez und Le Mans sprang er für Binder ein.

Als die eigentliche Verletzung passierte, war Binder noch in Moto3-Form – sehr schlank mit wenig Muskelmasse. Er wollte im Winter vor allem seinen Oberkörper auf die Anforderungen der Moto2-Klasse vorbereiten. Diese Zeit hat er komplett verloren. Nach der dritten OP wirkte er noch schmaler als zu Moto3-Zeiten.

Zu diesem Zeitpunkt wäre Binder wohl unser «Pechvogel des Jahres» geworden, doch später in der Saison zündete der Südafrikaner ein Feuerwerk.

Für den Mugello-GP kündigte Binder sein Comeback an. Der KTM-Pilot machte mit einem starken zehnten Rang von sich reden. «Am Samstag hatte ich starke Schmerzen, ich hatte keine Energie mehr», gab Binder zu. «Im Rennen ließ die Kraft im Arm nach zehn Runden nach.» Umso stärker ist diese Leistung des 22-Jährigen zu beurteilen.

Ab dem Sachsenring-GP ging es für Binder dann stetig bergauf. Beim Deutschland-GP eroberte er Platz 7, in Brünn Rang 12, in Österreich Platz 7, in Silverstone Rang 9, in Misano scheiterte er knapp am ersten Moto2-Podestplatz und wurde Vierter.

Trotzdem schimpfte Binder: «Das Jahr war scheiße. Um ehrlich zu sein, es war der Horror. Das Gute ist, dass du daraus etwas Neues lernst.»

Nach einem weiteren Top-5-Ergebnis in Aragón folgten die Übersee-Rennen in Japan, Australien und Malaysia. Dort sollten die KTM-Jungs den Gegnern dann das Fürchten lehren. In Japan kam Binder nicht ins Ziel, doch in Australien eroberte er Platz 2 hinter seinem Teamkollegen Miguel Oliveira. So ging es in Malaysia weiter: Platz 1 und 2 für KTM. Dort verpasste Binder den Sieg um 2,3 sec. Beim Saisonfinale in Valencia musste sich Binder nur Sieger Oliveira und Weltmeister Morbidelli geschlagen geben.

Trotz Blut, Schweiß und Tränen zeigte Binder eine starke Rookie-Saison. Das wurde dem Südafrikaner nach dem Saisonfinale in Valencia ebenfalls bewusst. «Ich begann in Katar mit Position 20 und über 40 Sekunden Rückstand auf den Sieger. Bei den letzten drei Rennen stand ich auf dem Podest. Das ist ein unglaubliches Gefühl. Jedes Mal, wenn ich auf das Bike steige, lerne ich etwas Neues. Wir haben in diesem Jahr große Fortschritte gemacht. So will ich weitermachen. Lasst uns abwarten, was das nächste Jahr bringt», schmunzelte Binder, der den achten Gesamtrang belegte.

«Die richtige Einstellung ist nach einer solchen Verletzung entscheidend», betont Red Bull KTM Ajo-Teamchef Aki Ajo. Dass er genau die richtige Einstellung hat, bewies Binder 2017. Er hielt sich mit Klagen über Schmerzen und Rückschläge meist zurück, trainierte hart und kämpfte sich gemeinsam mit Red Bull KTM zurück an die Spitze. Binder holte seinen Trainingsrückstand immer weiter auf und erhielt auch seine mentale Stärke zurück.

Ein bärenstarkes Comeback mit dem so wohl nur wenige gerechnet hätten. Es gibt wohl keinen Zweifel daran, dass «Bradical» 2018 zu den Moto2-Siegfahrern zählen wird.

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