Jan Witteveen: «Waldmann war immer offen und positiv»

Von Günther Wiesinger
Moto2
Der ehemalige Aprilia-Renndirektor Jan Witteveen hat nur die besten Erinnerungen an Ralf Waldmann, der vor einem Monat gestorben ist.

Vor einem Monat ist der 20-fache GP-Sieger Ralf Waldmann im Alter von 51 Jahren überraschend an einem Herzinfarkt gestorben.

Der Niederländer Jan Witteveen (70) hatte «Waldi» als Aprilia-Renndirektor zweimal unter seinen Fittichen. Zuerst in der 125-ccm-Weltmeisterschaft, dann in der 250-ccm-Weltmeisterschaft.

Jan, Waldi hat in der 125er-WM zwischen 1991 und 1993 bereits sechs Siege gefeiert, die ersten fünf Honda, den letzten 1993 in Jarama auf Aprilia. Er wurde damals WM-Dritter. Hast du frühzeitig erkannt, welches Talent da heranreift?

Ich habe schon 1993 gesagt, er sollte in die 250er-Klasse wechseln, erstens vom Fahrstil her, außerdem war er körperlich schon ein bisschen zu kräftig.

Welche Erinnerungen hast du an ihn – als Mensch und als Rennfahrer?

Als Mensch war es sehr angenehm, mit ihm zusammenzuarbeiten.

Ralf war ein offener Kerl, immer positiv gestimmt, immer gut drauf. Das war super.

Waldi ist 1993 im Marlboro-Aprilia-Team gefahren, Pierluigi Aldrovandi war sein Crew-Chief, der Schweizer Olivier Petrucciani sein Teamkollege.

Wir haben damals in der 125er-Klasse kein Werksteam mehr gehabt, wir hatten nur 1992 eines mit Alex Gramigni. Es wollten nachher so viele Teams Aprilia fahren, dass wir uns entschlossen haben, alle Rennställe gleichwertig zu behandeln. Aber Ralfs Team war werksunterstützt; er ist WM 1993 Dritter geworden.

Waldi gewann 1993 das Finale, er hat dadurch den 125-ccm-WM-Titel für Dirk Raudies/Honda sichergestellt, denn Sakata durfte dieses Rennen nicht gewinnen. Waldi wurde für 1994 von Dieter Stappert statt Helmut Bradl für das HB-Honda-Werksteam engagiert. Er war also zuerst einmal ein Aprilia-Gegner.

Ja, Ralf Waldmann ist erst 1999 bis 2002 für Aprilia die 250er-WM gefahren. Er hat noch drei GP-Siege mit uns gefeiert.

Zuerst war er jahrelang der erbitterte Gegner von Aprilia. Er hat 1996 den Titel nur um zwei Punkte gegen Max Biaggi/Aprilia verloren.

Ja, Ralf war bis 1999 immer einer unserer stärksten Gegner. 1996 und 1997 hat er jeweils beim letzten Rennen in Australien den Titelfight verloren. Einmal in Eastern Creek, einmal in Phillip Island.

Biaggi hat beide Male zugeschlagen, 1997 fuhr er schon Honda.

1996 waren die letzten Rennen schwierig mit Biaggi, denn er hat keinen Manager gehabt und hat bei den Grand Prix immer Verhandlungen für die nächste Saison geführt. Und er wollte immer das Beste rausholen. Dann hat er immer ein Rennen gewonnen, beim nächsten ist er gestürzt. Ich kann mich erinnern. In Brasilien ist er 1996 gestürzt, Waldi ist Zweiter geworden und hat aufgeholt. So ist viel Druck entstanden. In Australien ist dann die Entscheidung zugunsten von Max gefallen.

Wir haben danach Harada statt Biaggi genommen, der 1997 hinter Max und Waldi WM-Dritter wurde.

1999 fuhr Ralf Waldmann die 250er-WM erstmals auf einer werksunterstützten Aprilia. Aber im Werksteam wa Valentino Rossi der neue Star – ein übermächtiger Gegner. Waldi wurde WM-Sechster.

Ja, Harada haben wir 1999 in der 500er-WM eingesetzt. Wir hatten mit Nastro Azzurro einen italienischen Hauptsponsor und brauchten nach Biaggi und Capirossi wieder einen italienischen Siegfahrer.

Aus demselben Grund haben wir dann für 2000 bis 2002 Marco Melandri verpflichtet. Er gewann die WM für uns 2002.

Waldmann ist dann zwei Jahre auf Werks-Aprilia gefahren, aber immer im deutschen Stappert-Team mit seiner bewährten Technik-Crew mit Sepp Schlögl. Er hat unsere Unterstützung bekommen, wir haben vom Werk aus auch einen Teil der Finanzierung übernommen, einen anderen Teil hat Aprilia Deutschland beigesteuert.

Ralf hat Werksmaterial gehabt, das gleiche Material wie Melandri. Wir haben gewährleistet, dass alles funktionieren konnte.

Aber es war für das ganze Team das erste Jahr mit der Werks-Aprilia.

Es hat funktioniert, auch wenn ich mir mehr erwartet habe. Aber nach den ganzen Erfolgen mit Biaggi, Valentino, Capirossi und Harada waren wir verwöhnt. Das ist ganz klar.

Im Jahr 2000 war Yamaha mit Jacque und Nakano überlegen. 2001 kam noch die Situation mit Katoh, der auf der Honda alles gewonnen hat. Waldi ist 1999 und 2000 immerhin WM-Sechster und WM-Siebter geworden.

Du hast Ralf Waldmann auch in den letzten Jahren immer wieder getroffen.

Ja, unser Verhältnis ist immer gut und freundschaftlich geblieben. Auch mit den Kindern. Er war immer gut gelaunt und lustig.

Zweimal gab es zu Waldis Aprilia-Zeit einen Reifenpoker.

Ja, einmal in Assen, einmal in Donington. In Assen ist es mit den Slicks schief gegangen, weil es richtig nass wurde. Aber 2000 hat er dann im Regen in Donington mit den richtigen Reifen aufgeholt und in der letzten Kurve den Sieg gegen Jacque sichergestellt.

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