Albert Arenas (KTM): Im Kopf eines Rennfahrers

Von Mario Furli
Moto3
Albert Arenas erlebte 2019 schon Höhen und Tiefen

Albert Arenas erlebte 2019 schon Höhen und Tiefen

Albert Arenas (22) gelang mit dem Moto3-Sieg in Buriram ein Befreiungsschlag, nachdem ihn Selbstzweifel gequält hatten: «Ich glaubte, es lag an mir», gestand der Ángel-Nieto-KTM-Pilot.

Albert Arenas gewann 2018 überraschend die Grand Prix von Frankreich und Australien, zu Beginn der laufenden Saison warf ihn allerdings ein Trainingsunfall aus dem Konzept: Bei einem Sturz mit dem Rennrad erlitt der 22-jährige Spanier Ende März einen Milzriss und musste operiert werden: «Es gab einen Punkt, als mir mitgeteilt wurde, dass ich vielleicht sechs Monate nicht fahren konnte.»

Am 5. Mai schaffte er mit Platz 5 in Jerez ein starkes Comeback. Dann folgten allerdings durchwachsene Ergebnisse, ehe der KTM-Pilot aus dem Gaviota Ángel Nieto Team in Buriram am vergangenen Wochenende den insgesamt dritten Sieg seiner Karriere einfuhr. Ein weiterer Grund zur Freude: Bereits vor dem Thailand-GP hat er den Vertrag mit seinem Rennstall für 2020 verlängert.

Im Interview spricht Arenas ungewohnt offen über seine bisher härteste Saison, die Selbstzweifel und seine Erwartungen für die Zukunft.

Was ging durch deinen Kopf, als du in Thailand die Ziellinie überquert hast?

Der erste Gedanke war: 'Ich habe es geschafft, wir haben es geschafft... wie cool.' Mir war aber schon das ganze Rennen über bewusst, dass der Sieg möglich war, ich war bereit dafür. Es zu schaffen, war eine persönliche Genugtuung, nachdem ich einige Monate lang große Schwierigkeiten hatte. Wir haben verschiedene Dinge ausprobiert und andere verändert... Wir haben hart weitergearbeitet, mit derselben Motivation wie immer, aber es wollte nicht funktionieren. Am Ende ging es darum, geduldig zu sein, optimistisch zu bleiben und zu pushen, um das Beste aus jeder Situation zu holen.

In den vorangegangenen zwei Rennen haben wir unseren Speed gezeigt und nach dem Aragón-GP haben wir auch einen Test gemacht, der uns Stärke und Zuversicht vermittelt hat. Wir sind nach Thailand gekommen und haben alles ein bisschen vergessen. Wir haben weitergearbeitet und versucht, aus jeder Chance das Beste zu machen. Wir haben die Pace aus dem freien Training am Freitag mit in das Qualifying am Samstag genommen und in eine schnelle Runde verwandelt, die mich in die erste Startreihe gebracht hat. Im Rennen konnten wir die Pace managen und den Sieg holen.

Es war emotional, ich war einfach so glücklich nach all dem, was wir durchgemacht hatten, die Situationen, die nur wir kannten. Es war eine Erleichterung, zurückschauen zu können und zu sagen: «Es hat sich gelohnt.»

Die Saison 2019 war bisher wirklich ein ständiges Auf und Ab.

Wir haben in der Preseason gut angefangen, wir haben uns auf unsere Arbeit konzentriert und uns nicht eine bestimmte Platzierung als Ziel gesetzt. Wir kamen mit einer guten Pace nach Katar und wurden Sechster, nur acht Zehntel hinter dem Sieger. Aber dann folgte die Verletzung, kurz bevor ich nach Argentinien reisen sollte. Das war total unerwartet, aber ich musste es akzeptieren. Ich habe mir Mühe gegeben, das Feeling aus Katar zu halten, um auf demselben Level zurückzukommen, aber es gab einen Punkt, als mir mitgeteilt wurde, dass ich vielleicht sechs Monate nicht fahren konnte.

Es war ein harter Prozess, aber ein Monat und neun Tage später war ich in Jerez und bin den Spanien-GP gefahren. Ich kam zurück und fühlte mich stark und entschlossen – und ein fünfter Platz fühlte sich dann wie ein Sieg an. Das Ziel war, so weiterzumachen, aber es wurde klar, dass uns ein bisschen Speed fehlte.

Dann kam Le Mans, wo ich 2018 gewonnen hatte, und wir hofften, wieder auf dem Podium zu stehen und weiter Schritte vorwärts zu machen, aber wir hatten wirklich Mühe mit dem Topspeed und wir konzentrierten uns mehr auf das Set-up.

In Barcelona wurde ich abgeräumt, in Assen habe ich versucht, wieder Boden gutzumachen und bin mit einem anderen Fahrer kollidiert, als ich in der Nähe der Spitze war... Anstatt einfach alles seinen Lauf nehmen zu lassen, habe ich angefangen, mich selbst unter Druck zu setzen, um wieder dorthin zu kommen, wo ich glaubte hinzugehören. Dadurch wurde es noch härter, aber irgendwann habe ich entschieden, mich auf mich selbst zu konzentrieren, meinen Stil und meinen Focus wiederzufinden. Daran habe ich im vergangenen Monat gearbeitet und es hat sich in Misano, Aragón und Thailand bezahlt gemacht.

Es ist ein bisschen ein merkwürdiges Gefühl, weil ich immer 100 Prozent gegeben habe, aber die Dinge einfach nicht passiert sind. Ich bin an meinem Limit gefahren und es war frustrierend, weil ich wusste, dass ich es konnte. Zwischen den Rennen habe ich mit anderen Fahrern trainiert und ich war schnell, ich konnte sie schlagen – aber dann kam ich zu einem Grand Prix und hatte zu große Schwierigkeiten. Ich habe angefangen zu glauben, dass es an mir liegen könnte. Am Ende haben wir den Weg wiedergefunden, ich habe mich langsam wieder wie ich selbst gefühlt und mein Selbstvertrauen zurückgewonnen. Ich habe mit dem Team zusammen weitergearbeitet, aus den Fehlern, die wir gemacht haben, gelernt, aber dasselbe Basis-Setting beibehalten. Das hat es uns ermöglicht, das Ruder herumzureißen – und es gibt nichts Besseres, als es mit einem Sieg zu tun.

Hat es dich beruhigt, dass deine Zukunft vor dem Thailand-GP gesichert war, weil du wusstest, dass du auch 2020 im Ángel Nieto Team bleiben würdest?

Es ist nicht so, dass es mich beruhigt hat, aber es war eine Sache weniger, an die ich denken musste. Es war ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren: Der Test nach dem Aragón-GP zum Beispiel gab mir ein gutes Gefühl, weil ich sah, dass ich wieder konkurrenzfähig sein konnte und in Bestform war, was meine Fahrweise angeht. Das zu bestätigen, war der Schlüssel. Aus dem Crash in Misano zu lernen, beim Set-up etwas mehr zu finden, ds mir einen größeren Spielraum beim Fahren gab... Das alles hat zum Ergebnis beigetragen. Es war wichtig, unsere Schwächen zu finden und auszumerzen, damit wir uns auf unsere Stärken konzentrieren konnten.

War 2019 deine bisher härteste Saison in der WM?

Ja, auch wenn die Ergebnisse im Vorjahr härter zu erreichen waren. Wenn alles funktioniert, ist es in dieser Saison für mich viel einfacher, Fünfter oder Sechster zu werden als im Vorjahr, als ich wirklich hart pushen musste. Es war aber viel härter, wenn es um das Feeling und die mentale Seite des Rennfahrens geht. Ich habe viel gelernt, das mir in Zukunft helfen wird. Was ich durchgemacht habe, hat mich stärker gemacht, und ich kann versprechen, dass ich es nicht zulassen werde, dass diese Situation wieder eintritt.

Es ist ein wichtiger Wendepunkt und ich bin happy, dass es jetzt passiert ist und nicht am Ende der Saison. Ich bin glücklich, dass ich mich jetzt so fühle und in der Lage bin, mit dieser Ruhe und diesem Selbstvertrauen darüber zu sprechen.

Und jetzt? Was dürfen wir von Albert Arenas in den letzten Rennen dieser Saison noch erwarten?

Ich fühle mich zu allem in der Lage. In Thailand fühlte ich mich wirklich stark, sicher und wohl auf dem Bike. Ich glaube, dass jetzt alles zusammenspielt. Ich kann den Japan-GP kaum erwarten, um alles nochmal zu analysieren und mit demselben Willen und Ziel wie in Thailand in das Wochenende zu gehen. Wir wissen, warum das passiert ist, und wir wissen, wie wir es wieder schaffen können, und wir müssen einfach nur auf das Bike steigen und fahren – ohne irgendetwas Außergewöhnliches zu tun.

Jetzt kommen einige meiner Lieblingsstrecken: Japan war in der Vergangenheit schon gut für mich und ich liebe es dort. In Australien habe ich das Rennen im Vorjahr gewonnen, das verheißt Gutes... Wir müssen uns nicht verrückt machen, einfach das tun, was wir wissen, mit dem Selbstvertrauen aus den letzten drei Rennen und dem Test. Wir müssen den Moment mit dem Bike und dem Team genießen, denn in so einem Moment ist es ein wahres Vergnügen zu fahren.

Wenn wir weiter vorausblicken, was ist das Ziel für 2020?

Das Ziel ist klar, auch wenn es ein bisschen früh ist, darüber zu sprechen, weil wir gerade erst ein Rennen gewonnen haben.

In diesem Jahr haben wir hart gekämpft, aber wir waren nicht konstant, das wollen wir in den letzten vier Rennen verbessern. Wir wissen, was wir erreichen können, aber wir müssen es beweisen. Wir werden nicht verrückt, wir kennen unser Potential und unsere Probleme, unser Stärken und Schwächen. Wir müssen nicht groß auf die Ergebnisse eingehen. Die Wahrheit ist, dass wir großartige Dinge erreichen können – und wir werden es versuchen und das Beste herausholen in den letzten vier Rennen. Wir wissen auch, dass sie bei KTM hart arbeiten, um uns zu geben, was wir brauchen, um in jedem Rennen um den Sieg zu kämpfen.

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