KTM-Debüt in Valencia: Wunder dauern etwas länger

Von Günther Wiesinger
MotoGP

KTM zog sich im ersten freien Training in Valencia recht anständig aus der Affäre, auch wenn Mika Kallio schliesslich nur der 22. Platz blieb.

Das Debüt eines renommierten österreichischen Motorrad-Werksteams in der MotoGP-WM, so etwas erlebt man nicht alle Tage. Deshalb war die KTM-Box wenige Minuten vor Beginn des FP1 in Valencia gerammelt voll. Mit Zaungästen, Sponsoren, KTM-Leuten, Schaulistigen. Vor der Box drängten sich 20 Fotografen, ein paar TV-Crews waren zur Stelle. Pit Beirer durfte dann während des laufenden Trainings erste Live-Interviews für Dorna-TV und Eurosport-Reporter Jan Stecker geben.

Pünktlich im 9.55 Uhr schwang sich ein sichtlich nervöser Mika Kallio auf eine der beiden KTM RC16.

Bei den jüngsten Testfahrten hatte er hier im Oktober eine Zeit von 1:32,9 min erreicht.

Bei kühlen Temperaturen sah man gespannte Mienen in der Box, bei Teammanager Mike Leitner, bei Crew-Chief Paul Traveson, bei Ing. Sebastian Risse, bei KTM-Motorsport-Direktor Pit Beirer, bei Heinz und Hannes Kinigadner.

Und morgen wird noch mehr Prominenz zu sehen sein. Der komplette Vorstand von KTM und WP Suspension kommt heute abend nach Valencia.

Nach fünf der 45 Minuten lag Mika Kallio mit 1:36,7 min an 16. Stelle von 22 Teilnehmern. Bradley Smith konnte den Finnen auf der Piste zu diesem Zeitpunkt nicht abschütteln. Zum Vergleich: Stefan Bradl hielt sich mit 1:34,4 min zu diesem Zeitpunkt an zwölfter Position.

«Jetzt ist unser Motorrad erstmals im Fernsehen zu sehen», freute sich Dir Debus von 2D-Data Recording, der bis zum dritten Rennen 2017 von KTM als Elektronik-Dienstleiter engagiert wurde.
Kallio steigerte sich nach zehn Minuten auf 1:34,0 min, er lag jetzt an 18. Position, nur 2,03 sec hinter Platz 1.

«Ich traue Mika Kallio am Sonntag im Rennen einen 15. Platz zu», erklärte Dirk Debus. «Das wäre natürlich eine Superleistung.»
KTM setzt das einziger Hersteller ein Motorrad mit WP Suspension ein, alle anderen vertrauen auf Öhlins. Und KTM vertraut auf das hauseigene Chassis mit dem Gitterrohrstahlrahmen, Honda, Yamaha, Suzuki, Ducati und Aprilia verwenden Alu-Fahrwerke.
Immer wieder schlichen sich Neugierige von anderen Teams Richtung KTM-Box, auch Fausto Gresini steckte seine Nase fast unter die Verkleidung der RC16, als am Schluss ein KTM-Motorrad in der Boxengasse stand, weil Kallio nach dem FP1 noch einen «bike change» übte, schliesslich könnte es am Sonntag regnen.
Nach zwölf Minuten lag Kallio an 17. Stelle mit 1:33,9 min, jetzt hatte er noch 1 sec Rückstand auf seine beste Testzeit. Rückstand auf Platz 1: zwei Sekunden.

Also buchstäblich alles im Rahmen. Um 10.12 Uhr kam Kallio zum ersten Stopp an die Box, er hatte jetzt neun Runden zurückgelegt.
Immerhin: Kallio lag vor Dani Pedrosa.

Der Finne setzte sich auf seinen gemütlichen Stuhl und gab erste Erkenntnisse preis, zwei Michelin-Techniker inspizierten die Reifen.
Für den zweiten Run schnappte sich Mika Kallio vereinbarungsgemäss das zweite Motorrad, es sollte auf seine Funktionsfähigkeit geprüft werden.

Doch dann zeigte sich, dass die Bäume für MotoGP-Neuling KTM noch nicht in den Himmel wachsen. Kallio rutschte aus den Top-20, als noch 17 Minuten auf dem Spiel standen.

Karel Abraham senior spazierte mit einem giftgrün gekleideten Kollegen durch die KTM-Box Richtung Boxenmauer. er ging grusslos an Pit Beirer vorbei, der seinen gleichnamigen Son als KTM-Testfahrer engagiert hat.

14 Minuten vor Schluss kam Kallio zum nächsten Stopp an die Box. Sechs Minuten später startete der KTM-Werksfahrer zum letzten FP1-Exit.

Jetzt purzelten bei der Konkurrenz die Rundenzeiten, während Mika Kallio, seit einem Jahr nicht mehr im Renngeschehen, nicht mehr wesentlich zulegen konnte. Er rutschte mit 1:33,985 min auf den 22 und letzten Platz zurück. Aber zu den erprobten Ducati GP14 von Baz und Laverty, die den dritten Valencia-GP erleben, fehlten nur 0,4 Sekunden.

Fazit: KTM hat sich mit viel Anstand aus der Affäre gezogen. Die Aprilia von Bradl und Bautista waren nur 1,1 beziehungsweise 1 sec schneller.

Insider wie LCR-Honda-Teambesitzer Lucio Cecchinello vermuten, dass Pol Espagaró (jetzt mit der Tech3-Yamaha Fünfter in 1:31,7 min) am Dienstag beim ersten KTM-Test gegenüber Kallio eine Sekunde schneller sein wird.

«Für uns ist wirklich alles neu. Ausserdem wollten wir im FP1 unbedingt beide Motorräder durchprobieren, um herauszufinden, ob sich Mika auf beiden Bikes wohlfühlt. Ausserdem war der Plan, dass er die ganze Session mit nur einem Reifen durchfährt, weil wir Reifen sparen müssen», erklärte Pit Beirer. «Aber dann sagten die Michelin-Techniker, wir sollten auch eine anderen Reifen probieren. Es sind also sehr viele Eindrücke für ein kurzes Training gewesen... Wir stehen mit allem am Anfang. Das war alles okay. Wir wollten uns jetzt einrollen und nicht auf Zeitenjagd gehen. Wir haben aber nicht vor, mit der roten Laterne durchs ganze Wochenende zu wandern.»

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