MotoGP-Test in Thailand: Der Endspurt vor dem Saisonstart 2026
Am kommenden Wochenende findet in Buriram der letzte MotoGP-Test vor dem Thailand-GP statt. Wo die Hersteller und Fahrer derzeit stehen und was sie vor den ersten Saisonrennen noch zu erledigen haben.
Bevor vom 27. Februar bis 1. März in Thailand das erste Rennwochenende der MotoGP-Saison 2026 über die Bühne geht, haben die Fahrer und Teams auf dem Chang International Circuit in Buriram noch einmal die Gelegenheit, sich in Schwung zu bringen und finale Abstimmungsarbeiten zu erledigen. Am 21. und 22. Februar werden die MotoGP-Asse jeweils von 10 bis 18 Uhr Ortszeit (4 bis 12 Uhr MEZ) auf der Rennstrecke sein, um den letzten Vorsaisontest zu absolvieren.
Ducati
Dass Ducati auch 2026 das stärkste Paket am Start hat, zeigte sich beim Sepang-Test Anfang Februar. In den Top-7 der kombinierten Zeitenliste fanden sich alle fünf Ducati-Piloten ein (Fermin Aldeguer fehlte verletzungsbedingt in Malaysia). Champion Marc Marquez drehte auf dem Sepang International Circuit nach vier Monaten Verletzungspause seine ersten Runden mit der Desmosedici. Er testete seine körperliche Verfassung und war nach den drei Testtagen zufrieden. Auch Teamkollege Pecco Bagnaia war happy und erleichtert – mit der GP26 habe er endlich wieder ein gutes Gefühl für das Vorderrad.
Die beiden Werksfahrer werden in Buriram die letzten Testkilometer nutzen, um das finale Setup für den Saisonstart zu erarbeiten. Insbesondere bei der Aerodynamik hat man in Malaysia noch nicht das finale Paket, das vor dem Thailand-GP homologiert werden muss, gefunden. Da während der Saison nur ein Aerodynamik-Update erlaubt ist, wird das Hauptaugenmerk des Ducati-Lenovo-Teams beim Test auf diesem Bereich liegen.
Die VR46-Piloten Fabio Di Giannantonio und Franco Morbidelli konnten in Sepang ebenfalls gut arbeiten. Insbesondere «Diggia» ist bereits sehr zufrieden mit seinem GP26-Paket – 90 Prozent der Arbeit habe man in Malaysia erledigt. Der Italiener war an allen drei Testtagen in den Top-3 zu finden.
Gresini-Ass und Vize-Weltmeister Alex Marquez bekommt 2026 erstmals die volle Werksunterstützung und ein aktuelles Bike von Ducati. In Malaysia fuhr er die Bestzeit, was seine gute Form bestätigte. Teamkollege Aldeguer wird sowohl beim Buriram-Test als auch beim ersten Rennwochenende fehlen. Am 8. Januar brach sich der Spanier bei einem schweren Trainingscrash auf dem Aspar Circuit den linken Oberschenkel. Er konzentriert sich derzeit vollkommen auf seine Genesung und hofft, dass er beim Brasilien-GP, der vom 20. bis 22. März stattfindet, wieder dabei sein kann. Für Aldeguer wird in Thailand Testfahrer Michele Pirro an die Lenkerstummel greifen.
Aprilia
Aprilia-Held Marco Bezzecchi erzielte beim Sepang-Test die zweitschnellste Zeit. Der Italiener, der 2025 die letzten beiden Grands Prix gewann, zeigte damit, dass man auch 2026 wieder mit ihm rechnen muss. Die RS-GP26 sei in allen Bereichen etwas besser, für eine finale Beurteilung wollte er sich aber noch nicht hinreißen lassen. Dass der 27-Jährige Vertrauen in das Motorrad und die Truppe aus Noale hat, stellte er mit der emotionalen Vertragsunterzeichnung in Malaysia unter Beweis. «Bez» hat auch für 2027 und 2028 sein «Ja-Wort» gegeben. In Buriram wird er sein Paket verfeinern, um von Beginn an um den WM-Titel zu kämpfen.
Beim Test in Thailand wird Bezzecchi wieder seinen Teamkollegen Jorge Martin an seiner Seite haben – sofern dieser den medizinischen Check vor Ort besteht. Für den Weltmeister von 2024 geht es am kommenden Wochenende darum, in die Spur zu finden und ein gutes Gefühl aufzubauen. Viel mehr kann man vom «Martinator» momentan nicht erwarten.
Die Trackhouse-Piloten Raul Fernandez und Ai Ogura werden Aprilia in Thailand wieder bei der Entwicklungsarbeit unterstützen. Mit den Rängen 10 und 12 beim Sepang-Test zeigten auch sie, dass sie auf einem guten Weg sind mit ihrem Paket.
KTM
KTM-Rennchef Pit Beirer war mit den Fortschritten in Malaysia sehr zufrieden. Er lobte vor allem die Testfahrer Dani Pedrosa und Pol Espargaro. Sie haben bereits beim Shakedown bei der RC16 viel Arbeit erledigt, sodass die Stammpiloten Pedro Acosta, Brad Binder, Maverick Vinales und Enea Bastianini die drei Testtage gut nutzen konnten, um am Setup zu arbeiten.
Auch wenn am Ende die schnellen Rundenzeiten gefehlt haben – Pedro Acosta landete als bester KTM-Fahrer auf Rang 8 –, konnte der österreichische Hersteller den erfolgreichen Weg von der letzten Saison über den Winter weitergehen. Hilfreich sei, dass es jetzt bei der Weiterentwicklung des Pakets eine Richtung gäbe – die Basis habe man bereits gefunden. Die vier KTM-Piloten sind näher zusammengerückt, was sich in Sepang in der Zeitenliste zeigte. In Thailand geht es darum, die letzten Feinheiten für den Saisonstart zu erledigen.
Honda
Die beiden Honda-Werksfahrer Joan Mir und Luca Marini waren mit dem Sepang-Test zufrieden. Die RC213V konnte über den Winter weiter verbessert werden. Klar war nach Malaysia aber auch: HRC hat noch viel Arbeit vor sich, um den Rückstand auf Ducati aufzuholen. Joan Mir meinte in Sepang: «Wenn sie einen Schritt machen, müssen wir drei machen!»
In Sachen Top-Speed konnte Honda einen großen Sprung machen, der Motor ist kraftvoll, auch die Aerodynamik funktioniert gut. In Thailand wird der japanische Hersteller wieder neue Teile bringen, um einen weiteren Schritt zu machen.
Zu kämpfen hat noch Johann Zarco. In Sepang konnte er auf der Honda noch nicht sein gutes Gefühl wiederfinden, das er vor allem in der ersten Saisonhälfte 2025 hatte. Beim dreitätigen Test in Malaysia sind dem 35-jährigen Routinier einige kleine Schritte gelungen, in Thailand wird er mit seiner LCR-Crew weiter am Setup arbeiten. Für Teamkollege und MotoGP-Rookie Diogo Moreira geht es beim Buriram-Test darum, viele Runden abzuspulen und zu lernen – damit er die MotoGP-Rakete immer besser versteht.
Yamaha
Am Ende war der Sepang-Test für Yamaha ein Desaster. Zwar konnte nach eigener Angabe beim Shakedown mit der neuen V4-M1 die To-do-Liste gut abgearbeitet werden, beim offiziellen Test hingegen lief Vieles schief. Zuerst brach sich Aushängeschild Fabio Quartararo an Tag 1 bei einem heftigen Crash den Ringfinger an der rechten Hand, womit der Test für den Franzosen zu Ende war. Dann blieben am zweiten Testtag die Boxentore geschlossen, weil man nach Motorschäden bei Quartararo und Toprak Razgatlioglu aus Sicherheitsgründen keinen Yamaha-Piloten auf die Strecke lassen wollte. An Tag 3 spulten diese dann wieder ihre Runden ab, um am Setup zu arbeiten.
Yamaha musste in Sepang Rückschläge hinnehmen, die aber für ein derartiges Projekt nicht unüblich sind. Paolo Pavesio meinte dazu: «Wir entwickeln hier reine Prototypen, daher ist nichts immer garantiert.» Es sei aber wichtig gewesen, nach der erfolgreichen 24-Stunden-Fehlersuche in Japan, Italien und Malaysia noch einmal auf die Strecke zu gehen und den Test abzuschließen.
Zum Buriram-Test werden wieder V4-Motoren aus Japan angeliefert. Die Yamaha-Verantwortlichen werden in Thailand schwitzende Hände haben – die zwei Testtage ohne gröbere technische Probleme zu überstehen, wäre schon ein Erfolg. Daneben werden Quartararo, Alex Rins und Jack Miller versuchen, an ihrem Setup zu arbeiten, damit sie den darauffolgenden Thailand-GP irgendwie hinter sich bringen können. Yamaha hat 2026 noch sehr viel Arbeit vor sich.
Und Toprak? Der hat mit einer weiteren Herausforderung zu kämpfen: Er muss sich von seinem Fahrstil lösen, der ihm drei Superbike-WM-Titel eingebracht hat – damit er auch auf dem MotoGP-Bike glänzen kann und nicht nur für seine Stoppies Applaus erhält.
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