Pit Beirer (KTM): «Lassen kein Kalex-Chassis bauen»

Von Günther Wiesinger
MotoGP
«Wir haben gewusst, dass unser Weg in der MotoGP nicht einfach wird», sagt Pit Beirer, Motorsport-Direktor von KTM.

Das Red Bull-KTM Factory-Team bejubelte zwar beim WM-Finale in Valencia die Siege von Can Öncü, Miguel Oliveira und den dritten und den achten Platz von Pol Espargaró und Bradley Smith im MotoGP-Rennen. Aber bei den MotoGP-Tests in Valencia und Jerez kamen die vier Fahrer Zarco, Espargaró, Oliveira und Syahrin ordentlich unter die Räder.

In solchen Phasen müssen sich die KTM-Rennmanager immer noch mit den Fragen der Journalisten beschäftigen, ob man ewig an dem Konzept mit dem Gitterohrstahlrahmen und der WP Suspension festhalten werde. Denn die fünf Mitbewerber treten in der «premier class» mit Alu-Chassis und Öhlins-Produkten an.

Aber Stefan Pierer, Vorstandsvorsitzender von KTM, bezeichnet den Stahlrahmen als «Religion». Und Pol Espargaró verlor im Valencia-Qualifying als Sechster nur 0,265 sec auf die Bestzeit. Deshalb wird der Stahlrahmen bei KTM nicht mehr in Frage gestellt.

KTM-Motorsport-Direktor Pit Beirer unterschätzt die Königsklasse nicht. «Aber wir wolle. 2019 wieder einen Schritt nach vorne machen.»

Pit, vor zwei Jahren wurde noch mit etwas Mitleid auf das KTM-Konzept geschaut. Jetzt ist mehr Anerkennung zu spüren, auch wenn Honda, Ducati, Yamaha und Suzuki noch schlagkräftiger sind.

Dass unser Weg nicht einfach wird, haben wir am Anfang selber zugegeben. Wir haben 2018 oft gelitten.

Wenn du einige Zeit lang keine Resultate bringst und du schleuderst, ist dieser Weg besonders hart. Denn wir hatten am Motorrad nichts zu vergleichen, die Resultate waren nicht da. Also ist es naheliegend, wenn die Frage gestellt wird. Warum baut ihr nicht wenigstens diese Komponenten ein, die die Gegner verwenden?

Stefan Pierer sagte im Frühjahr 2018 beim Catalunya-GP, die schwachen MotoGP-Ergebnisse hätten mit WP zu tun. Man müsse testen, testen, testen.

Ich bin jetzt extrem glücklich, dass wir so stur geblieben sind. Denn wir werden es hinkriegen, dass es funktioniert.

Hast du die Telefonnummer von Kalex-Chef Alex Baumgärtel während der Saison 2018 nie rausgesucht?

Doch, ich habe ihm nach dem Sepang-GP zum Moto2-WM-Titel gratuliert.

Kalex ist eine von mir sehr hoch geschätzte Firma. Aber ich werde bei Alex kein MotoGP-Chassis bauen lassen.

Du hast beim Aragón-GP erwähnt, dass bei WP Suspension bis zum Misano-Test im September wieder alle Nachteile beseitigt worden sind.

Eine Suspension bleibt trotzdem ein ewiges Entwicklungsprojekt. Da bist du nie fertig.

Wir sind im Frühjahr 2018 wachgerüttelt worden, haben dann eine neue Entwicklungsstufe gezündet und Fortschritte gemacht. In diesem Bereich sind wir jetzt wirklich happy. Die neue Vordergabel, die wir in Sepang erstmals verwendet haben, hat uns wieder einen Schritt nach vorne gebracht.

Man muss ja auch sehen: An guten Tagen reden wir vielleicht noch von acht Zehntelsekunden Rückstand. Am Samstag in Valencia waren es sogar nur 0,265 sec.

Bei solchen Rundenzeiten gibt es meiner Meinung nach kein richtig schlechtes Teil mehr an einem Motorrad. Es kann jetzt kein Superschlauer mehr kommen, der behauptet: «Ich baue dir jetzt ein neues Teil, dann hast du die paar Zehntel.»

Es werden jetzt noch 100 Kleinigkeiten sein, die wir verbessern müssen.

Oder darf man darauf hoffen, dass der WM-Sechster Johann Zarco ein paar Zehntel extra bringt?

Sicher…

KTM rüstet 2019 mit dem Tech3-Rennstall erstmals ein Kundenteam in der MotoGP-Klasse aus. Wie sehen da die Zielsetzungen aus?

Das ist schwer zu sagen, auch nach den ersten Tests.

2017 haben wir mit Pol zwei neunte GP-Ränge erreicht und dann gesagt, wir wollen 2018 die Top-6 angreifen. Aber wir haben es nicht einmal geschafft, bei einem Rennen Achter zu werden – mit Ausnahme des Regenrennens in Valencia.

In der MotoGP-Liga muss man mit Prognosen sehr vorsichtig sein.

Kann Miguel Oliveira die Rookie-of the Year-Wertung gewinnen?

So markante Ziele sind jetzt für mich für den langfristigen Verlauf des Projekts nicht wichtig.

Wir haben eine Technik-Mannschaft mit 30 MotoGP-Experten. Wir hoffen also, dass Oliveira schnell schnell lernt und auch Hafizh Syahrin genauso einzelne Highlights raushauen kann, wie er es bei Tech3 im Jahr 2018 schon gemacht.

Wir hoffen schon, dass sie die Top-Ten angreifen können.

Aber wir müssen zuerst selber mit dem Werksteam mal konstant in den Top-Ten ankommen, bevor wir sagen können, das Satellitenteam muss auch in die ersten Zehn fahren.

Wir wollen uns einfach sauber verkaufen und im Gesamtprojekt wieder einen Schritt nach vorne machen.

Am Samstag in Valencia waren im Quali sechs verschiedene Hersteller innerhalb von 0,361 Sekunden.

Es gibt kein schlechtes Bike mehr in dieser Liga. Und auch keinen schlechten Fahrer. Da sind die Besten beieinander.

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