KymiRing: Die finnische GP-Piste wird als Ruine enden

Von Günther Wiesinger
Der 4,5 km lange KymiRing wird niemals ein GP-Schauplatz werden

Der 4,5 km lange KymiRing wird niemals ein GP-Schauplatz werden

Fast 25 Millionen Schulden haben die KymiRing-Betreiber angehäuft. Diese Pleite droht auch die Firma Lahti Events in die Zahlungsunfähigkeit zu befördern. Sie sollte als GP-Veranstalter auftreten.

Nach dem MotoGP-Event (10. Juli) und dem Motocross-WM ist auf der finnischen Rennstrecke KymiRing jetzt auch der Nitro-Rallycross-Wettbewerb vom August 2022 abgesagt worden. Das hat der Veranstalter Lahti Events entschieden, denn die Rallycross-Strecke ist genauso wie die MX-Piste nie fertiggestellt worden. Lahti Events konnte keinen Ersatzort für die Veranstaltung finden. Inzwischen hat die zahlungsunfähige KymiRing GmbH eine Umschuldung beantragt.

«Warum versucht die Firma Lahti Events, die im Eigentum der Stadt steht, ein Veranstaltungsbusiness zu betreiben? Das ist überhaupt nicht im Sinne der freien Markwirtschaft», wundert sich der finnische SPEEDWEEK.com-Korrespondent Vesa Ruotonen. «Das kann nicht im Interesse der Steuerzahler der Stadt Lahti sein.»

Der riesige Schuldenberg der KymiRing-Gesellschaft überraschte die Geschäftspartner wie Lahti Events. Das Event-Unternehmen der Stadt Lahti, macht beim KymiRing mehr als 2 Millionen Euro an Schulden geltend. Das Unternehmen ist bereit, seine Forderungen gegebenenfalls gerichtlich einzutreiben. Doch die Rennstrecken-Betreiber hatten Schulden von insgesamt fast 25 Millionen Euro angehäuft.

Lahti Events ist durch das Rennstrecken-Abenteuer selbst in finanzielle Schwierigkeiten geraten und beantragte jetzt 2,4 Millionen Euro an zusätzlichen Fördermitteln.

«Wir sind wirklich enttäuscht von der Gesamtsituation», sagt Emilia Mäki, CEO von Lahti Events.

Die Geschichte des KymiRings (sie befindet sich in der Nähe von Iiti) nahm Ende Juni ein unrühmliches Ende, als die Bauunternehmen Maanrakennus Pekka Rautiainen und Macra einen Insolvenzantrag gegen die KymiRing GmbH stellten.
Laut den Unterlagen des Landgerichts hat die Rennstreckengesellschaft Schulden von 24,7 Millionen Euro angesammelt. Davon entfallen gut zwei Millionen Euro auf die Veranstaltungsfirma der Stadt Lahti, Lahti Events, die als Veranstalter des MotoGP-Publikumsevents vorgesehen war.

Laut Mäki betragen die KymiRing-Schulden gegenüber Lahti Events deutlich mehr als zwei Millionen Euro. Die genaue Summe wird jedoch nicht genannt.

Lahti Events fordert die KymiRing-Betreiber nun auf, die Vertragsstrafen zu zahlen, die in den Verträgen zwischen den Unternehmen vereinbart wurden, berichte die Tageszeitung Iltalehti in ihrer Online-Ausgabe.

Die KymiRing GmbH muss eine Vertragsstrafe im Zusammenhang mit der Absage der MotoGP-WM-laufs bezahlen und andere Stornierungskosten, die Vertragsstrafe für den Motocross-WM-Wettbewerb, die Vertragsstrafe für Nitro Rallycross und die Vorauszahlung im Zusammenhang mit dem Rahmenvertrag für Veranstaltungsaktivitäten.

Die KymiRing beantragte eine Umschuldung

Lahti Events sollte diesen Sommer drei internationale Veranstaltungen in Kymiring organisieren. Doch MotoGP und Nitro Rallycross wurden komplett abgesagt, der MXGP-Wettbewerb wurde nach Hyvinkää verlegt.

Lahti Events bezahlte KymiRing einen Mietvorschuss für die Nutzung des Veranstaltungsbereichs bei mehreren verschiedenen Veranstaltungen.

Im Jahresabschluss 2020 des KymiRings wird ein Vorschuss von zwei Millionen Euro erwähnt. Der gleiche Betrag erscheint in den Finanzverbindlichkeiten der Rennstreckengesellschaft auf. Laut Mäki war der Mietvorschuss nicht durch eine Bankgarantie gesichert. Er wird also zum Grossteil abgeschrieben werden müssen.

Die finanzielle Situation von Lahti Events ist durch die Rennstrecken-Eskapaden schwierig geworden. Der Umsatz lag 2021 nur bei rund 59.700 Euro, der Verlust bei knapp 667.000 Euro. Das Eigenkapital der Gesellschaft war mit knapp 1,8 Mio. Euro negativ.

Im Herbst 2021 befahl die Stadtverwaltung von Lahti der Gruppe, die Risiken im Zusammengang mit dem Mietvorschuss an den KymiRing zu untersuchen. Der Deal der Umfrage wurde als ernsthaftes Risiko eingestuft. Es zeichnete sich ab, dass die finanzielle Tragfähigkeit von Lahti Events über den Sommer 2022 hinaus gewährleistet sein würde.

Von dem von der Stadt Lahti eingeräumten Vier-Millionen-Euro-Kreditlimit wurden damals gut 3,5 Millionen Euro ausgeschöpft. Laut Mäki wurde die Stadt Lahti nun aufgefordert, das Kreditlimit aufzuheben.

Lahti Events hat jetzt weitere Fördermittel in der Höhe von 2,4 Millionen Euro beantragt. Damit soll der finanzielle Engpass überwunden werden, um zukünftige Veranstaltungen durchführen zu können. Lahti Events muss allerdings damit rechnen, dass der KymiRing pleite geht.

«Wir sehen uns zunächst an, wie das Umstrukturierungsverfahren abläuft. Wir sind bereit, gegebenenfalls rechtliche Schritte gegen den KymiRing einzuleiten», erklärte Mäki.

Da die KymiRing-Betreiber bis zur Frist vom 20. September 2022 unmöglich die von Dorna, FIM und IRTA geforderten Baumaßnahmen durchführen können, wird Lahti Events auch im nächsten Jahr als KymiRing-Partner keine MotoGP-Veranstaltung austragen können. Die Rennstrecke wird also keine Einnahmen erzielen, diese endgültige Bankrotterklärung wird nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Lahti-Events-CEO Mäki will zum Worst-Case-Szenario vorläufig keine Stellungnahme abgeben. «Wir werden uns der Sache zu gegebener Zeit annehmen. Wir werden zunächst die notwendigen Verhandlungen mit dem Verantwortlichen für die Restrukturierung des KymiRings führen», wurde vom Veranstalter erklärt.

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