Remus Racing: Fritz Schwarz über Technik-Kniffs

Von Matthias Dubach
MotoGP
Fritz Schwarz über die S&B Suter von Martin Bauer: «Nun müssen wir die Leistung auf den Boden bringen»

Fritz Schwarz über die S&B Suter von Martin Bauer: «Nun müssen wir die Leistung auf den Boden bringen»

Zwischen dem ersten und zweiten Auftritt in der MotoGP-WM hat das österreichische Team nie getestet. Aber in der Werkstatt passierte einiges. Für die Motorvorwärmung gibt es schon Interessenten.

Durch die Wildcard-Einsätze in Brünn in Valencia von Remus Racing ist wieder eine Sorte von Techniker im MotoGP-Fahrerlager präsent, die schon beinahe in Vergessenheit geriet. Es ist die Sorte der Tüftler, Motorenflüsterer, Ideenumsetzer, Tuner. Im österreichischen Claiming-Rule-Team ist dies Fritz Schwarz, der Tuner aus Andorf. Der Motorenspezialist und sein Team arbeiteten seit dem letzten Auftritt in Tschechien emsig an den 1000-ccm-Motoren von BMW und am Motorrad von Suter.

Schwarz erklärt, was er am Einsatzgerät für Martin Bauer alles erledigt hat vor dem Valencia-GP:

Motor

«Wir haben die Motorleistung gesteigert. Das können wir aber noch nicht umsetzen, weil wir die Leistung noch nicht auf den Boden bringen. Es sind ungefähr zwischen 12 und 14 PS dazu gekommen. Aber das ist eher sekundär, denn beim Drehmoment konnten wir einen wichtigen Schritt machen. Es ist schöner und mehr geworden.»

Motorvorwärmung

«Wir sind die einzigen im Feld mit der Vorwärmung. Wir hatten das schon 2010 bei der R6 von Michi Ranseder in der IDM gehabt. Ich hatte es auch schon zuvor bei anderen Fahrern eingesetzt. Ich habe immer sehr gute Erfahrungen damit gemacht, denn die Lebensdauer des Motors erhöht sich. Eigentlich verstehe ich es nicht, dass es nicht mehr Teams so machen. Denn sie haben ein so enges Motorreglement, aber sie muten dem Motor immer wieder die Kaltlaufphase zu. Das ist schlecht für den Motor, für die Gleitlager, für alles. Wir starten den Motor bei 80, 90 Grad. Wir haben eine ungefähre Vorwärmzeit von 30 Sekunden, dann schalte ich die Maschine kurz an und schau, ob alles in Ordnung ist. Aber die anderen orgeln die ganze Zeit… Es haben schon ein paar Teams Interesse gezeigt. Das System ist eine völlige Eigenkonstruktion von uns, das ist komplett von uns selber hergestellt.»

Starten über die Kurbelwelle

«Wir starten den Motor bei der Kurbelwelle, nicht mehr am Hinterrad. Da hatten wir das Problem, dass die Anti-Hopping-Kupplung immer aufmacht mit dem Hinterrad. Das hat mich immer gestört, es musste immer wieder das Rad ausgebaut werden, dann musste man wieder ein Rad holen, das hat mich einfach gestört. Es ist jetzt zweckmässiger. Es hat auch den Vorteil, wenn jemand Übersee fliegen sollte, dass das Ding sehr leicht ist! (Anm.: Der Kurbelwellenstarter ist ein handlicher Würfel)»

Gesamtgewicht

«Wir haben das Gewicht und die Balance stark verändert. Wir hatten in Brünn eine Notlösung mit Bleizusatzgewichten. Ich habe es nun unten am Motor angebracht, das waren 6,6 kg. Ich habe die Achsen mit Blei gefüllt, und den Rest mit Blei verteilt. jetzt geht es darum, das Bike so hinzustellen, dass es Martin auf den Boden bekommt. Das ist jetzt die Schwierigkeit.»

Elektronik

«Die Elektronik ist immer noch die BMW-Einheit. Wir haben am Freitagmorgen ein paar Sachen probiert, was nicht so gut war. Aber wir müssen herumprobieren, um vorwärts zu kommen, der zweite Griff am Nachmittag war besser. Martin fühlt sich eigentlich wohl. Er ist jetzt nicht richtig auf Zeit gefahren, Er wollte einfach nur schauen, wie es sich verhält. Er hat von sich aus noch Potential. Er wollte es mal jetzt so hinstellen, dass man dann an das Qualifying und an das Rennen denken kann.»

In Brünn war davon die Rede, dass Remus Racing auf die ECU von Magneti Marelli umsteigen will. Nun können sich die Österreicher aber sogar vorstellen, auch 2014 bei weiteren Wildcard-Einsätzen die bisherige Standard-Elektronik zu verwenden. Schwarz: «Wir hätten Magnet gar nicht bekommen. Magneti sagte, für den einen Event in Valencia zahlt sich das nicht aus. Und ausserdem brauchen wir die sowieso nicht. Aber bei der Elektronik kann man auch in der Open-Klasse nächstes Jahr nehmen, was man will. Da müssen wir dann schauen, was wir machen.»

«Ob wir weiterhin die BMW-Elektronik verwenden, hängt davon ab, wie weit Robert mit seinen Ideen noch kommt. Da geht aber definitiv noch was, das ist sicher. Ich habe zum Beispiel mit Damian Cudlin (Anm.: CRT-Fahrer bei Paul Bird Motorsport auf PBM-Aprilia) gesprochen, er sagt, ‹wir haben zwar Magneti, aber das Knowhow dazu fehlt›. Es ist einfach Hightech und das, was ein Werksteam verwendet. Aber dann kannst du das beste Motorrad haben, wenn das Team nicht die kompetenten Leute hat, macht es eigentlich keinen Sinn. Mir ist es am liebsten, wenn ich am Kabelbaum alles selber gemacht habe, da weiss ich, was ich verbaut habe. wenn ich zu Magneti gehe, kriege ich einen Kabelbaum für ein halbes Vermögen. Wenn wir die Steuerung, die Software gut hinkriegen, warum nicht damit weitermachen?»

Im zweiten MotoGP-Training am Freitagnachmittag konnte Martin Bauer bereits den letzten Platz verlassen, der dreifache IDM-Superbike-Champion schlug Lukas Pesek (Ioda-Suter) um 0,521 sec. Auf die Bestzeit von Marc Márquez büsste Bauer 4,612 sec ein.

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