Lucio Cecchinello: Stefan ist der kompletteste Pilot

Von Günther Wiesinger
MotoGP

LCR-Honda-Teambesitzer Lucio Cechinello traut Stefan Bradl zu, auf das Niveau von Márquez, Lorenzo und Co. zu erreichen.

Stefan Bradl bestreitet 2014 seine dritte MotoGP-Saison im LCR-Honda-Team. Er hat sich einen Gesamtrang zwischen 3 und 5 zum Ziel gesetzt, bisher hat er die Schlussränge 8 und 7 erreicht.

Teambesitzer Lucio Cecchinello (LCR steht für Lucio Cecchinello Racing) ist sich bewusst, dass der Deutsche in einer MotoGP-Ära mit aussergewöhnlich starken Gegnern agiert. Aber er traut Bradl zu, Valentino Rossi öfter zu besiegen als bisher.

Der Italiener, selber siebenfacher 125-ccm-GP-Sieger, sieht bei Stefan Bradl noch brachliegendes Potenzial. Und er hat erlebt, wie sich der inzwischen 24-jährige Bayer 2013 gesteigert hat. Er fuhr einzelne Trainingsbestzeiten heraus (Sachsenring, Laguna Seca, Brünn, Motegi), er führte erstmals MotoGP-Rennen an (Sachsenring, Laguna Seca), er eroberte die erste Pole-Position und den ersten Podestplatz (Laguna Seca). Und er lag bis zum Knöchelbruch in Malaysia auf dem sechsten WM-Rang (vor Bautista).

Lucio, Stefan Bradl ist kein Senkrechtstarter wie Marc Márquez. Seine Lernkurve zeigt aber stetig nach oben. Kann er 2014 oder 2015 auf das Niveau von Márquez, Lorenzo und Pedrosa vorstossen? Eskil Suter hat Bradl kürzlich mit Eddie Lawson verglichen. Wie ist deine Ansicht dazu?

Genau gleich. Ich stimme völlig zu. Stefan hat uns bisher positiv überrascht. Ich glaube ebenfalls, dass er den Level der heutigen Siegfahrer erreichen kann. Ja, das glaube ich.
Die nächste Frage, die mich in diesem Zusammenhang beschäftigt. Wie sieht es bei Stefan punkto Zweikampfstärke aus?
Marc Márquez ist in dieser Hinsicht ein bisschen zu extrem. Aber er hatte viel Glück. Jetzt bin ich gespannt, ob ihm das Glück weiter zur Seite steht oder ob er sich manchmal gewisse Verletzungen zuzieht und dann merkt, dass er das Risiko zurückschrauben muss.

Wenn du Stefan mit deinen bisherigen MotoGP-Piloten wie Stoner, Checa und de Puniet vergleichst: Wie fällt dein Urteil aus?

Stefan ist definitiv der kompletteste Rennfahrer, den ich je unter Vertrag hatte. Da geht es um seine Einstellung, um seinen Fokus auf gewisse Ziele, um seinen Einsatz, seine Hingabe. Es macht uns viel Freude, mit Stefan zu arbeiten.
Klar, als wir 2006 das Vergnügen und die Chance hatten, mit Casey Stoner zu arbeiten, hatten wir sehr gute Resultate mit ihm. Aber es war nicht so einfach, mit Casey klarzukommen. Denn er hat sich sehr häufig beschwert. Oft über Kleinigkeiten. Stefan ist ein Mensch, der mit dem Druck besser zurechtkommt, er kommt mit der Situation, in der wir uns befinden, viel besser klar.
Schliesslich sind wir ein Kundenteam, das von vielen Firmen unterstützt wird, darunter befinden sich viele mittelgrosse. Wir haben kein globales Unternehmen, das Millionen in unser Team investiert. Aber wir holen mit unseren beschränkten Ressourcen das Maximum heraus.
Und ich glaube, die Resultate, die wir unter diesen Umständen erreichen, können sich durchaus sehen lassen.

Nach der Pole-Position in Laguna Seca hast du gesagt, du möchtest noch zehn weitere Jahre mit Stefan Bradl zusammenarbeiten?

Ja, das ist richtig. Und das habe ich auch so gemeint. Wir alle bei LCR arbeiten sehr gern mit Stefan zusammen. Das war nicht einfach ein Spruch, den ich so dahin gesagt habe. Es hat auch nicht damit zu tun, dass ich das zu einer deutschsprachigen Website gesagt habe.
Wir mögen uns wirklich gegenseitig. Und wenn ich sage «wir», dann meine ich, dass das ganze Team Stefan liebt. Das ist wichtig.
Weil die Atmosphäre im Team eine grosse Rolle spielt, wenn du etwas erreichen willst.
Und so eine Atmosphäre herzustellen, das ist manchmal wichtiger als das Talent.

LCR-Crew-Chief Christophe Bourguignon hat 2012 gesagt, es sei angenehm, einen Fahrer zu haben, der im Trockenen, im Nassen und bei gemischten Verhältnissen schnell ist. Und er sagte: Wenn ein Fahrer schon beim dritten WM-Lauf eine Sektorbestzeit fährt, wird er eines Tages auch über eine gesamte Runde Bestzeit erzielen. Das waren vielversprechende Aspekte?

Richtig. Sie beflügeln uns.

2013 gab es eine Phase, die von Indy über Brünn bis Silverstone dauerte, da kam Stefan nicht an die erwarteten Leistungen heran. Er war nach dem Laguna-Seca-Auftritt zu selbstsicher, stürzte in Indy mehrmals und verlor sein Selbstvertrauen?

Ja, das ist unser grösstes Fragezeichen.
Deshalb haben wir uns nach der Saison zusammengesetzt. Wir haben nach dem Valencia-GP ein Meeting gemacht, um herauszufinden, was in dieser Phase schiefgelaufen ist. Stefan antwortete, dass er dieses Tief auch nicht erwartet hat, dass er vorübergehend nicht das richtige Gefühl hatte.
Es lässt sich schwer beurteilen, wie viel das mit einem falschen Motorrad-Set-up zu tun hatte und zu welchem Prozentsatz es an ihm lag. Ob es an Konzentration fehlte oder an was auch immer.
Vielleicht liegt die Wahrheit in der Mitte.
Aber wir werden jetzt alles tun, um in der kommenden Saison keine solchen Überraschungen mehr zu erleben.

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