Stefan Bradl: «Rückkehr in die Moto2 ist denkbar»

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Stefan Bradl: Er könnte sich eine dritte Moto2-Saison (nach 2010 und 2011) vorstellen

Stefan Bradl: Er könnte sich eine dritte Moto2-Saison (nach 2010 und 2011) vorstellen

Stefan Bradl hat 2014 drei Top-5-Plätze erreicht, einen dritten Startplatz und eine Bestzeit in FP3 in Barcelona. Aber es gibt noch kein Angebot für 2015. Wäre die Moto2 eine Alternative?

Stefan Bradl hat seine erste MotoGP-Saison 2012 bei LCR-Honda als Achter beendet, im Vorjahr fiel er wegen des Knöchelbruchs in Malaysia von Rang 6 auf Rang 7 zurück, jetzt ist er WM-Achter.

In Texas (dritter Startplatz) fuhr er 2014 auf Platz 4, in Las Termas und Barcelona auf Platz 5.

Aber Honda erwartet Podestplätze, diese konnte der 24-jährige Bayer in dieser Saison noch nicht liefern.

«Ich weiss keinen Fahrer, der die ersten vier besiegen könnte. Deshalb möchte ich 2015 unbedingt mit Stefan weitermachen», betonte LCR-Honda-Teambesitzer Lucio Cecchinello beim Assen-GP.
Tatsächlich hat Bradl zumindest Lorenzo in diesem Jahr schon zweimal hinter sich gelassen, in Le Mans fuhr er unmittelbar hinter dem Vizeweltmeister auf Platz 7.

Im Vorjahr besiegelte Bradl seinen Verbleib bei LCR-Honda mit der Pole-Position und Platz 2 in Laguna Seca am 23. Juli. Er hat jetzt voraussichtlich noch drei Rennen (Sachsenring, Indy und Brünn) Zeit, dann werden die HRC-Manager Shuhei Nakamoto und Livio Suppo entscheiden, ob sie ihm einen neuen Vertrag vorlegen.

Die Möglichkeiten Bradls, in einem anderen MotoGP-Team einen der zwölf Prototypen (je vier von Honda, Yamaha und Ducati) zu bekommen, sind stark limitiert.

Bei Pramac-Ducati könnte sich eine Alternative ergeben, wenn sich Cal Crutchlow aus dem Werksteam verabschiedet und Andrea Iannone dann an die Seite von Andrea Dovizioso ins Werksteam aufrückt.

Da Bradl bisher auch kein konkurrenzfähiges Open-Class-Motorrad (wie Forward-Yamaha) angeboten wurde, drängt sich die Frage auf: Könnte sich der Moto2-Weltmeister von 2011 eine Rückkehr in die Moto2-WM vorstellen, statt bei einem zweitklassigen MotoGP-Team zu fahren?

Im Exklusiv-Gespräch mit SPEEDWEEK.com schloss der siebenfache GP-Sieger diese Möglichkeit nicht aus.

Stefan, du könntest doch im schlimmsten Fall für eine Saison in die Moto2-WM zurückkehren, wenn sich bei LCR-Honda keine Chance mehr ergibt. 2016 könnten sich dann in der MotoGP-Klasse wieder bessere Chancen auf konkurrenzfähiges Material ergeben, bei Ducati, Suzuki oder Aprilia zum Beispiel?

Ich habe ja schon oft erwähnt, dass ich alles dafür tun werde, um auch 2015 bei LCR-Honda fahren zu können.
Aber bisher habe ich von HRC keine eindeutigen Signale empfangen. Ich bin zwar zuversichtlich, aber ich halte natürlich nach anderen Möglichkeiten Ausschau.

Könntest du dich notfalls mit der Rückkehr in die Moto2-Klasse anfreunden? Oder kommt das auf keinen Fall in Frage?

Nix ist unmöglich – das ist in dieser Szene die Devise.
Mir wäre es mit Sicherheit lieber, wenn ich in der MotoGP bleiben könnte. Aber wenn es dort kein reizvolles Angebot gibt, dafür aber ein lukratives Angebot aus der Moto2, mit einem guten Team, mit einem guten Paket und einem konkurrenzfähigen Motorrad, am liebsten mit einer Kalex, kann man sich das sicher einmal anhören.
Aber damit befasse ich mich, wenn es so weit ist.

Du könntest dir also eine Zwischensaison in der Moto2-Klasse vorstellen? Du wärst dann 25 Jahre alt. Anthony West und Mika Kallio gewinnen dort mit 32.

Naja, warum nicht? Mika Kallio ist auch aus der MotoGP zurückgekommen in die Moto2 und fährt vorne mit. Toni Elias ist 2010 aus der MotoGP in die Moto2 abgestiegen und ist auf Anhieb Weltmeister geworden.

Wie schwierig wäre es, nach drei MotoGP-Jahren den Fahrstil von der 260 PS starken 1000er auf die 128 PS starke 600er umzustellen?

Nein, beim Fahrstil sehe ich kein Problem. Es ist eher so, dass in der MotoGP viel mehr Hightech drinnen steckt, viel mehr Elektronik. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass man sich da nicht wieder umgewöhnen kann. Man müsste halt genügend Wintertesttage einplanen, damit man wieder ins alte Schema zurückfindet. Dafür würde ich keine halbe Saison brauchen, schätze ich.

Es hat noch nie jemand zwei Moto2-WM-Titel gewonnen. Du könntest es probieren?

Ja. Und finanziell war die Saison 2011 auch recht reizvoll, dank der vielen Erfolgsprämien. Als Profi-Rennfahrer steht für mich im Vordergrund, dass ich konkurrenzfähiges Material bekomme. Wenn es in der MotoGP keines gibt, schaue ich mich in der nächstbesten Kategorie um.
Wenn ein lukratives Moto2-Angebot kommt, werde ich mir das überlegen. Ich würde auf keinen Fall sofort sagen: Das mache ich nicht.

Die Superbike-WM käme nicht in Frage? Dort verfügen mindeststens sechs Hersteller über konkurrenzfähigs Material. Fahrer wie Marco Melandri verdienen 700.000 Euro.

Nein, ich will im GP-Paddock bleiben. Das hat für mich Priorität.

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