LCR-Crew-Chief Bourguignon: Wie er Bradl einschätzt

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Stefan Bradl liegt nach neun von 18 MotoP-Rennen nur auf dem neunten WM-Rang. Sein Crew-Chief Beefy Bourguignon zieht die Halbzeitbilanz.

Stefan Bradls LCR-Team gelang der Umbau der Werks-Honda vom Regen- auf das Trocken-Set-up auf dem Startplatz des Deutschland-GP nicht rechtzeitig.

Normal dauert das 5:15 Minuten, es standen 5:50 Minuten zur Verfügung. Aber es fiel beim Federbein-Wechsel eine Distanzscheibe aus dem Chassis, das kostete 45 Sekunden, dadurch konnte die Gabel nicht umgebaut werden, sie war dann zu weich abgestimmt, Bradl fuhr 3 sec pro Runde zu langsam...

Der Bayer hätte nach der letzten Aufwärmrunde noch die Strategie von 14 anderen Gegner nachahmen und aus der Boxengasse wegfahren (und vorher auf das «Dry Bike» steigen) können.

Aber diese Idee verwarf der Trainings-Dritte. «Dann wäre ich vielleicht hinter Rossi als Fünfter ins Ziel gekommen. Ich dachte, wenn ich als einziger Spitzenfahrer vom Grid losfahre, gewinne ich 20 oder 30 Sekunden und werde Erster oder Zweiter», lautete die Rechnung Bradls. Fazit: «Ich habe mich schön verpokert.»

Der Poker ging gründlich schief. Bradl führte fünf Runden lang – und wurde am Schluss 16.

«Wir haben die Wahl getroffen, etwas anderes zu machen als die direkten Gegner», sagt LCR-Honda-Crew-Chief Christophe «Beefy» Bourguignon. «Aber als Stefan vom Grid in die Aufwärmrunde fuhr, hatten wir noch nichts verspielt. Stefan hätte aus der Boxengasse starten können... Aber er entschied sich anders. Es hätte trotzdem funktionieren können, wenn die Piste nicht schon nach zwei Runden völlig aufgetrocknet wäre. Aber dann war Stefan mit der Regen-Gabel und dem zu weichen 32er-Vorderreifen chancenlos.»

Der Belgier Bourguignon weiss, dass Stefan Bradl bei den ersten neun Rennen 2014 bei weitem nicht das Maximim herausgeholt wurde.

Zur Erinnerung: Bradl stürzte in Doha beim Saisonauftakt nach acht Runden auf Platz 1. In Texas landete er auf Platz 4, in Las Termas auf Rang 5. In Jerez fiel er wegen Arm-Pump-Problemen auf Rang 10 zurück, in Le Mans wurde er Siebter. «Da haben wir das Set-up nach dem Warm-up geändert, ausserdem bin ich nicht so gut gefahren wie im Training», räumt Bradl ein.

Es folgte der Abschuss im Rennen von Mugello durch Cal Crutchlow, ein guter fünfter Platz in Barcelona, der Crash in der Besichtigungsrunde in Assen, im Rennen war dann auf Platz 10 Endstation.

Wie lautet die Halbzeitbilanz von Beefy Bourguignon? «Stefan und wir wissen, dass es an seiner Qualifying-Performance nichts auszusetzen gibt. Er liegt im Quali-Award an fünfter Position; das sagt alles. Wir haben im Qualifying immer sein hohes Potenzial gesehen, auch auf dem Sachsenring, wo er den dritten Startplatz herausgefahren hat. Er ist im Zeittraining regelmässig an den Topfahrern dran, manchmal ist er schneller als einige von ihnen. Aber bei der Race-Performance haben wir nicht die nötige Konstanz erreicht, dazu manchmal ein Abfallen der Rundenzeiten im letzten Renndrittel.»

Beefy weiter: «In Katar ist Stefan im ersten Renndrittel fantastisch gefahren. Dann haben wir in Texas das Podest knapp verpasst. Das ist schade und ärgert mich heute noch für Stefan. Dovizioso ist dort Zweiter geworden, Stefan hatte ihn im Training immer klar im Griff. Eigentlich wünschen wir uns, dass sich Stefan im Qualifying gegenüber dem Rennen steigert. Klar, Stefan hatte im Rennen in Texas Probleme mit dem Vorderreifen – wie alle andern. Vielleicht sind manche Gegner mit dieser Situation ein bisschen besser fertig geworden. In Argentinien war Stefan gut, mehr als Platz 5 war dort nicht zu machen. Wir hätten vielleicht näher an Platz 4 dran sein können... In Jerez gab es das Unterarm-Problem. Le Mans war nicht ideal. Nachher kam ein wirklich starkes Rennen in Barcelona. Assen war eine kleine Enttäuschung. Beim Deutschland-GP ist alles wirklich gut gelaufen – bis auf die Entscheidung, am Schluss nicht in die Box zu fahren und das Dry-Bike zu holen. Klar, das Rennen auf dem Sachsenring ist nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben. Leider hat uns das Wetter dort nicht wirklich geholfen. Aber da macht Stefan niemand von uns Vorwürfe. Denn wenn es nach vier oder fünf Runden wieder geregnet hätte, wäre er noch in Führung gewesen, dann wären wir wohl auf dem Podest gelandet.»

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