Cal Crutchlow: «Moto2 ist keine gute Gehschule»

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Cal Crutchlow

Cal Crutchlow

«Jeder, der ein MotoGP-Angebot bekommt, sollte es sofort annehmen, auch wenn er aus der Moto3-WM kommt», sagt Cal Crutchlow. Von der Moto2-WM hält er nicht besonders viel.

Cal Crutchlow (29) wurde beim Silverstone-GP von seinem LCR-Honda-Kollegen Jack Miller aus dem Sattel geholt.

Trotzdem betont der britische Haudegen, Jack Millers Darbietungen in der MotoGP-WM seien besser als sie in der Öffentlichkeit dargestellt werden. «Jack fährt gut. Seine Performance wird jedoch von den Leuten nicht gewürdigt», meint Crutchlow.

Aber Miller wird 2016 enorm unter Druck geraten. Denn in der nächsten Saison gibt es keine Open-Class mehr, Miller muss sich unter gleichen Voraussetzungen mit den Stars messen.

Und HRC möchte ihn ja für das Repsol-Honda-Team aufbauen, er soll dort 2017 an die Stelle von Dani Pedrosa treten, der diesen Platz inzwischen seit genau zehn Jahren beschlagnahmt und nie Weltmeister geworden ist.

Kann Jack Miller die HRC-Erwartungen 2016 erfüllen? Oder wird ihm Danny Kent 2016 die Show stehlen, wenn er einen MotoGP-Vertrag erhält?

Crutchlow: «Ja, Jack kann das schaffen. Definitiv. Auch Danny. Diese Fahrer sind Klassepiloten. Leider sind sie keine Fahrer vom Kaliber Marc Márquez oder Valentino Rossi. Aber sie können trotzdem eine fantastische MotoGP-Karriere hinlegen. Daran besteht kein Zweifel. ​Sie können definitiv Motorradfahren. Wenn Danny einen MotoGP-Vertrag erhält für 2016, dann soll er ihn annehmen, unbeschwert ans Werk gehen und sich im ersten Jahr keine Gedanken über die Ergebnisse machen. Er soll einfach lernen, wie man so ein Motorrad fahren muss. Bei Jack war das ein bisschen anders. Er wollte gleich Resultate zeigen; er hat sich in den letzten Monaten ein bisschen unter Druck gesetzt. Er hat ein paar Resultate erreicht, die nicht übel waren, ehrlich. Aber man setzt grosse Erwartungen in ihn. Und er hat grosse Erwartungen und Ansprüche an sich selbst. Ich denke, Danny sollte es ganz anders machen als Jack. ​Wenn ​Danny aufsteigt, soll er einfach fahren und den Rest komplett vergessen. Niemand kann das schaffen, was Marc Márquez 2013 vorgemacht hat. Er kam aus der Moto2-WM und hat sofort mit den Siegen in der MotoGP-Klasse begonnen. Pol Espargaró und Scott Redding konnten das nicht kopieren. Sie dachten, weil sie Marc Márquez manchmal besiegt haben, könnten sie auch in der MotoGP sofort vorne abschneiden. Aber die MotoGP ist eine andere Liga. Deshalb meine Empfehlung an Danny Kent: 'Lass dir Zeit, wenn du in die MotoGP kommst.' Er ist ein grossartiger Fahrer, wirklich sehr, sehr gut. Ich kann jetzt noch nicht genau einschätzen, ob sich sein jetziger Fahrstil schon tadellos für die MotoGP eignet. Er muss seine Fahrweise wohl stark umstellen. Jack fuhr schon in der Moto3 anders als Danny. Jack brillierte mit seinen Spätbrems-Aktionen, er bremste 50 Meter später als alle andern, dann kam er langsamer aus den Kurven raus. Ich will nicht sagen, Danny fahre zu sanft für die MotoGP-Klasse. Aber er muss sich daran gewöhnen, ein bisschen 'out of control' zu sein. Zumindest dann, wenn er keine Yamaha fährt.»

2016 kommt die Einheits-Elektronik und es kommen die Michelin-Reifen. Werden die Stars dann gegenüber den Neulingen weniger Erfahrungsvorsprung haben als in den vergangenen Jahren?

Crutchlow: «Ich habe immer gesagt: Sobald du eine Chance in der MotoGP-WM kriegst, packe sie. Wenn du so eine Gelegenheit bekommst, musst du sie annehmen. Denn ein Jahr später kann alles anders aussehen. Dann sind vielleicht Deine Plätze verfügbar. Dann existiert vielleicht eine andere Situation bei den Herstellern, Teams und Reifen. Es ändert sich dauernd alles in dieser Rennserie. Wenn du jetzt eine Chance kriegst, solltest du sie nicht ausschlagen. Selbst wenn du aus der Moto3 kommst. Wir haben bei Jack Miller gesehen, dass es möglich ist. Also sollten es auch andere Moto3-Fahrer schaffen. Warum nicht?»

«Ich glaube sowieso nicht, dass die Moto2 die beste Gehschule für die MotoGP ist», fährt Crutchlow fort. «Ich glaube, ihre Chassis und ihre Reifen sind mehr so etwas wie Standard... Diese Bikes haben nichts mit den alten 250ern zu tun. Das waren echte GP-Maschinen. Jeder, der heute in der MotoGP-WM vorne ist, hat ein GP-Bike gesteuert, inklusive Marc Márquez, denn er ist eine 125er-GP-Maschine gefahren. Ich glaube, dass der Umstieg von der Moto2 auf die MotoGP schwierig ist. Das heisst nicht, dass ich für die Moto2-Fahrer keinen Respekt habe, auf keinen Fall. Aber ich sehe dort keinen Fahrer, der die Qualität der besten 250er-Fahrer aus alten Zeiten hat. Ich behaupte nicht, ich sei besser als die Moto2-Fahrer. Ich weiss nicht, ob ich dort unter die Top-30 fahren könnte. Denn die Moto2-Fahrer haben sich auf ihre Kategorie spezialisiert. Sie sind in ihrer Klasse richtig gut. Wir MotoGP-Fahrer hätten deshalb dort einen schweren Stand.»

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