MotoGP-WM 2015: Wer hat wie viele Motoren verheizt?

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Die Teams machen eine grosse Heimlichtuerei aus der Frage, welcher Fahrer in diesem Jahr wie viele Motoren verbraucht hat. SPEEDWEEK.com hat alle Einzelheiten recherchiert und bringt Licht ins Dunkel.

Nur fünf Motoren dürfen die Factory-Teams von Honda und Yamaha in dieser MotoGP-Saison verwenden. Darunter fallen die Teams von Repsol-Honda, Movistar-Yamaha, LCR-Honda mit Crutchlow, Tech3-Yamaha mit Pol Espargaró und Bradley Smith.

Alle Fahrer von Ducati, Aprilia, Suzuki hingegen fallen entweder wegen der Open-Class-Regel unter die 12-Motoren-Regel oder wegen der Neueinsteiger-Vorschrift (Suzuki, Aprilia).

Ducati bekam für Ducati Corse und Pramac-Ducati einen Sonderstatus nach dem Open-Class-Muster, weil sie 2012 und 2013 kein Rennen gewonnen haben und die Chance bekommen sollen, den technischen Rückstand aufzuholen.

Also: Bei Ducati ist die Motorenentwicklung 2015 nicht eingefroren. Sie dürfen zwölf statt fünf Motoren verwenden und unbeschränkt testen. Dazu haben sie die weicheren Hinterreifen der Open-Fahrer. Und sie haben die Saison mit 24 Liter Treibstoff pro Rennen begonnen, nach den zwei Podestplätzen in Katar musste der Tankinhalt auf 22 Liter reduziert werden.

Wir haben uns jetzt umgehört, wie es bei den MotoGP-Teams mit den Motoren-Kontingenten aussieht.

Bei Repsol-Honda haben Márquez und Pedrosa jeweils den vierten 1000-ccm-Motor in Betrieb. Márquez nahm den vierten Motor in Brünn in Betrieb, Pedrosa erst in Silverstone.

Marc Márquez hat bekanntlich in Texas im Qualifying einen Motor ruiniert. Aber HRC hat ihn bisher aus der Allocation nicht zurückgezogen, obwohl er seither nie mehr verwendet wurde.

Das hat mehrere Gründe: Die Werksteams machen bei den Motoren keine Revisionen, die «Rebuilds» werden nur für die Kundenteams vorgenommen. Ausserdem bleibt dadurch die Blamage des Motorschadens sozusagen länger geheim.

Auch Cal Crutchlow hat bei LCR-Honda den vierten Motor im Einsatz. Teamkollege Jack Miller kann als Open-Class-Fahrer zwölf Motoren verheizen, er hält jetzt beim fünften. Alle anderen Open-Fahrer sind bisher mit vier Motoren durchgekommen – Hayden, Laverty und Abraham. Da die Honda-Motoren teuer sind (bis zu 250.000 Euro pro Exemplar) gehen die Kundenteams sparsam damit um.

Auch bei Marc VDS Honda ist für Scott Redding erst der vierte plombierte Factory-Motor eingesetzt worden – erstmals in Indy.

Movistar-Yamaha hat bei Lorenzo das vierte Aggregat auf der Piste im Einsatz. Plombierte Motoren können so lange wieder aus der Allocation (Zuteilung) genommen werden, solange kein Motorrad mit diesem Triebwerk jemals die Boxengasse verlassen hat.

Misano: Rossi liess sich neuen Motor einbauen

Interessantes Detail: Rossi liess am Samstagvormittag in Misano einen neuen Motor versiegeln, es war sein fünfter und letzter. Er wollte dort offenbar für das Qualifying einen ganz frischen Motor – was gleich bedeutend mit etwas mehr Power ist.

Die beiden Tech-3-Yamaha-Fahrer Espargaró und Smith haben sich bisher mit je vier Triebwerken begnügt.

Forward-Yamaha hat seit Samstag in Misano bei Loris Baz erst den vierten Motor aus der Boxengasse bewegt. Als Open-Class-Team dürften zwar zwölf Motoren verheizt werden, das Leasing-Paket umfasst aber nur fünf Triebwerke, mit denen kommt Forward auch gut über die Runden – zumal auf den Indianapolis-GP verzichtet wurde.

Die zweite Forward-Yamaha wurde bis zum Sachsenring von Bradl und nachher von Corti gefahren. Hier ist bereits die fünfte Kraftquelle eingebaut worden, mit der vierten gab es technische Probleme.

Das Suzuki Ecstar-Team darf als «concession team» zwölf Motoren verheizen, Aleix Espargáro und Maverick Vinales sind aber bisher mit je fünf Kraftwerken recht sparsam über die ersten 13 Rennen gekommen.

Ducati Corse hat ebenfalls Anspruch auf zwölf V4-Triebwerke, doch Andrea Iannone hält momentan beim siebten, Andrea Dovizioso beim sechsten. Bei Pramac sieht es ähnlich aus: Yonny Hernandez hat den sechsten Motor drin, Petrucci hatte bis Misano fünf Motoren verbraucht. Aber da er dort von der GP14.1 auf die Ducati GP14.2 umgestiegen ist, musste er zwei neue Motoren versiegeln lassen – Nr. 6 und 7.

Bei den Open-Class-Fahrern von Avintia hat Barberá den fünften Motor eingebaut, di Meglio beklagte in Misano einen Defekt und bekam für Sonntag ein neues Desmosedici-Triebwerk – das sechste.

Auch Aprilia hat noch Reserven

Neueinsteiger Aprilia Racing darf ebenfalls zwölf Motoren verbrauchen. Alvaró Bautista leistet sich momentan das achte Triebwerk, fünf sind bereits aus der Allocation gestrichen worden. Das heisst: Laufzeit überschritten oder kaputt. Man darf nicht vergessen: Aprilia fährt immer noch mit dem Superbike-Motorgehäuse, das wohl bei den heutigen 255 PS an die Grenzen stösst.

Stefan Bradls Motoren-Kontingent wurde sieben Rennen lang durch Melandri beansprucht und auf dem Sachsenring von Michael Laverty.

Der Bayer hat jetzt in Misano nach einem Motorschaden am Freitag  Triebwerk Nr. 9 am Samstag in Betrieb genommen, auch die Nummer 8 ist noch funktionsfähig. Drei komplett neue RS-GP-Motoren stehen noch zur Verfügung für die restlichen fünf Rennen;  damit wird Stefan Bradl gut über die Runden kommen.

ART-Aprilia-Pilot Alex De Angelis aus dem Iodaracing-Team hält beim siebten Motor, fünf neue könnte er noch beanspruchen.

Pro Grand Prix werden rund 500 km im Schnitt zurückgelegt, macht bei 18 Grand Prix rund 9000 km. Die Teams mit zwölf Motoren müssten also im schlimmsten Fall nur 750 km pro Triebwerk zurücklegen. Da Bautista erst den achten Motor verwendet, wird auch Aprilia eine Laufzeit von 1200 bis 1500 km pro Motor schaffen.

Zur Erinnerung: 2016 wird das Kontingent für die Factory-Teams (alle Fahrer von Honda, Yamaha und Ducati) von fünf auf sieben Triebwerke erhöht. Suzuki und Aprilia dürfen auch 2016 als Neueinsteiger neun Motoren pro Fahrer und Saison verbrauchen.

Die Werksmotoren von Honda und Yamaha halten heute bis zu 3500 km durch. Deshalb kommen die Stars zum Teil mit vier Motoren über die 9000 km einer ganzen Saison.

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