Petition gegen Rossi-Strafe und eine Hexenjagd

Von Sharleena Wirsing
MotoGP
Valentino Rossi

Valentino Rossi

In den sozialen Netzwerken geschieht nach dem Vorfall zwischen Valentino Rossi und Marc Márquez nun genau das, was Rossi am Donnerstag vor dem Sepang-GP noch scharf kritisierte: eine Hetzjagd.

«Diese Leute sind sehr dumm. Leider ist das die Zeit des Social Network. Heute traut sich jeder zu sagen, was er denkt. Auch wenn es dumm ist. Die Leute sprechen gerne schlecht über andere Jungs, die mehr Glück haben als sie selbst oder mehr Talent haben, weil sie in ihrem Leben machen, was sie wollen. Du kannst ja nicht einmal mit ihnen reden, denn das ist verschwendete Zeit», so deutlich reagierte Valentino Rossi vor dem Sepang-GP auf die niveaulosen Kommentare, die Andrea Iannone Verletzungen und noch mehr wünschten.

Nach dem hitzigen Rennen in Sepang, dem Sturz von Marc Márquez und der Bestrafung von Valentino Rossi gehen einige seiner Fans erneut auf die Barrikaden. Sie wünschen Marc Márquez und sogar dem absolut unbeteiligten Jorge Lorenzo Verletzungen und Schlimmeres. Zudem kursieren Fotomontagen, die Márquez und Lorenzo als Ehepaar oder schwules Pärchen halbnackt zeigen.

Bei folgenden Kommentaren in sozialen Netzwerken muss man an der Erziehung einiger Menschen zweifeln. Auch mit Sportsgeist oder Leidenschaft für einen Sport hat das nichts mehr zu tun. Es sind blinde Wellen der Wut, die sich derzeit online hochschaukeln.

«Márquez soll sich alle Knochen brechen.»

«Diese Strafe ist ein Witz und macht eine ganze gute Saison kaputt wenn Lorenzo WM wird.»

«Márquez ist eine Ratte.»

«Wenn die alle Eier hätten, würden sie Rossi am Start alle vorbei lassen damit sie die WM ausfahren können... MM ist für mich die ärmste Wurst.»

«Jetzt wird die Heulboje Lorenzo Weltmeister. Márquez ist schuld. Die Strafe gegen Rossi ist ungerechtfertigt. Jeder echte Racer hätte so reagiert. Schade, dass der Márquez heil geblieben ist.»

«Dem Daumenlutscher Márquez gehört noch eine saftige Watschn, damit er endlich kapiert, was los ist.»

«Der Lorenzo hätte sonst eh nie eine Chance gegen Vale gehabt.»

«Rossi, scheiß auf den Titel und hau MM mal ordentlich aufs Maul.»

Zum Verständnis: Erstklassige Athleten sollen sich schwere Verletzungen zuziehen und die anderen Spitzensportler im Feld sollen auf den eigenen Erfolg verzichten, um einem wegen unsportlicher Fahrweise bestraften Gegner Vorfahrt zu gewähren? Das sind nicht die Forderungen von echten Sport-Fans, sondern zeugen von blindem Fanatismus.

Wie Dani Pedrosa bereits feststellte: «Das ist nicht gut für die Weltmeisterschaft.»

Rossi versuchte sich am Donnerstag wie so oft in psychologischer Kriegsführung. Diese Fähigkeit erlaubte es ihm, in der Vergangenheit viele Gegner wie Biaggi oder Gibernau zu zermürben, doch nun könnte sie ihn den Titel kosten.

Fakt ist: Rossi hat Márquez vor dem Rennen verbal provoziert, als er ihn beschuldigte in Australien für Lorenzo gefahren zu sein, obwohl er eben dem den Sieg entriss. Die zahlreichen Überholmanöver von Márquez im Rennen waren wohl eine Art Rache. Das ist sicher nicht die feine Art, doch sie waren legal. Somit durfte er von der Race Direction gar nicht bestraft werden. Auch ein Blick auf die Rundenzeiten zeigt, dass Rossi nach dem Sturz von Marc Márquez nicht kontant schneller war als zuvor. Gegen Pedrosa und Lorenzo hatte er also ohnehin keine Chance.

Es war ein legaler Kampf um Platz 3 bis Rossi zu einer unsportlichen Methode griff, um den stets aggressiv agierenden Spanier loszuwerden. Dieses Verhalten wurde von der Race Direction bestraft. Mit drei «penalty points». Da Rossi bereits einen Strafpunkt kassiert hatte, muss er nun in Valencia vom letzten Platz losfahren.

Wurde der WM-Kampf dadurch beeinflusst? Ja. Wurde er entschieden? Nein. Das sieht auch Yamaha-Sportdirektor Lin Jarvis so: «Die Meisterschaft ist noch nicht vorbei. Valentino hat noch immer sieben Punkte Vorsprung. Natürlich ist der letzte Startplatz ein Nachteil, aber im Rennsport kann alles passieren.»

Nun gibt es sogar eine Online-Petition, die Rossis Bestrafung in Valencia verhindern will. Üblicherweise werden solche Websiten genutzt, um gegen die Misshandlung von Tieren oder Kinderarbeit vorzugehen.

355.000 Stimmen wurden bisher weltweit gesammelt. Zwecklos. Es ist klar: Die Strafe ist endgültig. Die Race Direction entschied sich für drei Strafpunkte gegen Rossi. Daraufhin legte Yamaha Protest ein. Die FIM prüfte den Fall erneut und kam zum selben Ergebnis wie die Race Direction. Damit ist die Strafe endgültig und der Fall für die FIM abgeschlossen.

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