Jarvis über Rossi & Lorenzo: Stärken und Schwächen

Von Manuel Pecino
MotoGP
Valentino Rossi, Lin Jarvis und Jorge Lorenzo

Valentino Rossi, Lin Jarvis und Jorge Lorenzo

Am Sonntag fand in Valencia der Showdown zwischen Valentino Rossi und Jorge Lorenzo um die MotoGP-Krone statt. Worin sieht Yamaha-Rennchef Lin Jarvis die Unterschiede zwischen seinen Fahrern?

SPEEDWEEK.com sprach beim großen Finale in Valencia mit Yamaha-Rennchef Lin Jarvis über die Stärken und Schwächen von Valentino Rossi und Jorge Lorenzo, ihre charakterlichen Unterschiede und ihren Umgang mit Druck.

Die Saison 2015 war vom harten WM-Kampf zwischen Valentino Rossi und Jorge Lorenzo geprägt. In den ersten drei Rennen sammelte Rossi 66 Punkte, während Lorenzo nur 37 Zähler erreichte. Doch Lorenzo feierte von Jerez bis Barcelona vier Siege in Folge.

Nach einem weiteren Sieg in Brünn übernahm Lorenzo die WM-Führung, da er bei Punktgleichheit mehr Siege als Rossi auf dem Konto hatte.

In Silverstone kämpfte sich Rossi mit einem Sieg zurück an die WM-Spitze. Sein Vorsprung wuchs und schrumpfte wieder.

Nachdem Rossi in Sepang Marc Márquez zu Sturz gebracht hatte, musste er nun in Valencia vom letzten Startplatz losfahren. Doch er hatte noch sieben Punkte Vorsprung auf Lorenzo.

Da Lorenzo jedoch siegte, während Rossis Aufholjagd auf Platz 4 endete, ist der Mallorquiner der MotoGP-Weltmeister 2015. Rossi warf den Repsol-Honda-Piloten Marc Márquez und Dani Pedrosa nach dem Rennen vor, ihrem spanischen Landsmann Lorenzo geholfen zu haben.

Lin Jarvis analysierte, welche Stärken und Schwächen Rossi und Lorenzo haben und wie sich diese auf ihre Schlagkraft als Rennfahrer auswirken.

Wie sehr unterscheiden sich Jorge und Valentino charakterlich?

Das ist schwierig zu beantworten... Sie haben sehr, sehr unterschiedliche Charakterzüge. Einer von ihnen ist mehr auf Gruppen fokussiert. Valentino macht die meisten Dinge in einer Gruppe. Auch während der Rennwochenenden umgibt er sich immer mit derselben Gruppe von Menschen, die schon seit Beginn seiner Karriere bei ihm ist. Das ist bei Jorge nicht der Fall.

Bei Jorge gab es beim Management viele Änderungen. Jorges Charakter ist viel individueller. Ich denke, dass er manchmal auch für sich selbst sehr schwierig sein kann. Doch zur selben Zeit ist er sein eigener Herr. Er ist vierfacher Weltmeister und mental sehr stark. Valentino ist auch mental stark, aber auf ganz andere Weise. Valentino braucht seine Gruppe. Das macht sicher einen Großteil seiner Stärke aus, dass er sich schon durch seine gesamte Karriere hindurch mit denselben Menschen umgibt. Das gilt auch für die Mechaniker, die er mit zu Ducati nahm und dann wieder mit zurück brachte. Uccio ist sehr wichtig für ihn, genauso wie sein Assistent Max und Albi. Sie bieten ihm eine solide Basis. Und natürlich unterstützt ihn auch sein Fanclub.

Wenn Valentino am Wochenende etwas macht, dann tut er es immer mit anderen. So läuft es auch auf der Ranch. Er mag die Ranch und lädt gerne viele Leute ein. Auch Abends in unserer Hospitality: Es ist typisch, dass Jorge mit einer kleinen Gruppe ausgewählter Leute isst, aber ziemlich früh – vor allem für spanische Verhältnisse. Um 21 Uhr oder 21:30 Uhr hat er alles erledigt, aber Valentino kommt bis 22:30 Uhr noch nicht einmal an der Hospitality an. Wenn er dann kommt, dann hat er zehn Leute dabei. Mindestens sind es sechs, denn das sind seine engsten Vertrauten. Meist wird diese Gruppe aber größer und er kommt mit seinen jungen Fahrern aus der Academy.

Sie sind also sehr unterschiedlich, aber sie können nun besser nebeneinander existieren als in der Vergangenheit, weil sie reifer sind. Das Alter bewirkt das, denn man sieht die Dinge dann aus mehr als einer Perspektive.

Beide sind dafür bekannt, dass sie unter Druck sehr gut arbeiten, oder?

Das ist richtig, das konnten wir schon mehrmals sehen. Das jüngste Beispiel ist vielleicht die Saison 2013, als Lorenzo sein Comeback nach der Schulterverletzung gab. Das war phänomenal. Die Dinge, die er in diesem Jahr erreichte... Das Comeback: Er fuhr so schnell wieder und in der zweiten Saisonhälfte war er unglaublich stark und kämpfte. Er gibt nie auf und versucht es immer weiter und pusht.

Da er die meiste Zeit für sich alleine sein will, muss er mit diesen Situationen auch alleine fertig werden.

Das ist richtig. Das ist eine Stärke, die er hat, ein Talent, das sehr kraftvoll ist. Wenn Valentino während des Rennwochenendes unter Druck steht, dann kann er am Sonntag... Ich sage immer, dass er ein Kaninchen aus dem Hut zaubert, denn manchmal überrascht er uns. Besonders oft passiert das am Sonntag, denn wenn alles verloren scheint, dann ist er in der Lage, es wieder hinzubiegen. Ich nenne ihn Fuchs, denn er ist sehr, sehr clever. Wenn es zählt, kann er normalerweise abliefern.

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