Überraschung: Aprilia sucht zweites MotoGP-Team

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Das aktuelle Aprilia-Duo: Stefan Bradl und Alvaró Bautista

Das aktuelle Aprilia-Duo: Stefan Bradl und Alvaró Bautista

Aprilia-Renndirektor Romano Albesiano steckt in einem kleinen Dilemma. Er hat mit Lowes, Bradl, Bautista und womöglich Aleix Espargaró mehr schnelle Fahrer, als er brauchen kann. Jetzt bietet sich ein Ausweg an.

Schon im Sommer 2015 hielten sich im Paddock hartnäckig Gerüchte, das Power Electronics Team von Jorge «Aspar» Martinez werde für 2016 von Honda auf Aprilia-Bikes umsteigen. SPEEDWEEK.com berichtete.

Doch «Aspar» Martinez dementierte dieses Vorhaben damals hartnäckig. Und nach der Bekanntgabe des Ducati-Deals beim Aragón-GP erklärte Aspar-Sportdirektor Gino Borsoi: «Die Aprilia sind noch nicht konkurrenzfähig.»

Beim Catalunya-GP liess Aprilia-Renndirektor Romano Albesiano am Wochenende die Bemerkung fallen, er würde 2017 am liebsten mit beiden aktuellen Werkspiloten Bautista und Bradl weitermachen.

Aber wie soll das bewerkstelligt werden?

Erstens hat Sam Lowes einen Vertrag für 2017 und 2018, zweitens hat Aleix Espargaró angeklopft, dessen Zukunft bei Suzuki ungewiss ist.

Doch Albesiano liess sich einen Hinweis entlocken, wie er dieses Personalproblem lösen möchte. «Vielleicht haben wir ja 2017 vier Aprilia im Einsatz», erwähnte er.

Näher wollte sich der Italiener nicht äussern. Die Chancen auf eine Vereinbarung mit einem Kundenteam bezifferte er mit «50 Prozent».

Bei der Frage nach dem Namen des in Frage kommenden Teams verkniff sich der Aprilia-Stratege eine Antwort. Er setzte stattdessen eine geheimnisvolle Miene auf.

Das Rätsel ist aber rasch gelöst. Denn LCR hat nur einen Platz und will mit Honda (und Crutchlow) weitermachen, obwohl auch Suzuki angefragt hat. Marc VDS Racing ist für 2017 noch an Honda gebunden, Tech3 ist eng mit Yamaha liiert, Pramac und Avintia machen mit Ducati weiter, das Martinez-Team plant das eigentlich auch. «Wir haben für 2017 einen Vertrag mit Ducati», stellte Gino Borsoi in Le Mans fest, als ich ihn fragte, ob er sich einen Wechsel zu Suzuki vorstellen könne.

Aber offenbar ist der Deal von Martinez mit Ducati nicht in Stein gemeisselt. Wenn Aprilia ein preisgünstigeres Angebot als der Rivale aus Borgo Panigale macht, könnte Martinez anbeissen. Die Finanzen werden eine entscheidende Rolle spielen, denn das Martinez-Team ist nach dem frühzeitigen Platzen des Drive-M7-Sponsorship-Deals im März 2015 finanziell nicht auf Rosen gebettet.

Jedes Jahr stellt sich die Frage, ob der vierfache Weltmeister sein MotoGP-Team über die Runden bringt. Auch von Rückzug und von der Reduzierung auf einen Fahrer ist regelmässig die Rede.

Da die Neueinsteiger Aprilia und Suzuki als «concession team» gelten, also die Entwicklung nicht eingefroren ist und diese Werke neun statt sieben Motoren verwenden dürfen, könnte Martinez bei Aprilia 2017 sogar Material bekommen, das jenem des Werksteams sehr ähnlich ist – mit regelmässigen Upgrades.

Die Connection Martinez/Aprilia war in der Vergangenheit äusserst erfolgreich. Alvaró Bautista (2006), Gabor Talmacsi (2007), Julián Simón (2009) und Nicolas Terol (2011) haben für Aprilia im Aspar-Team die 125er-WM gewonnen, dazu Aleix Espargaró 2012 und 2013 die Claiming-Rule-Wertung in der MotoGP-Klasse.

Falls Aprilia Racing eine Einigung mit dem Aspar-Team zustande bringt, könnten folgende Paarungen zum Einsatz kommen: Sam Lowes und Stefan Bradl bei Aprilia Racing, die beiden Spanier Alvaró Bautista und Aleix Espargaró bei Aspar.

Aber Aleix macht sich immer noch (kleine) Hoffnungen auf einen neuen Suzuki-Vertrag. Bisher hat Alex Rins bei Suzuki noch nicht unterschrieben, auch wenn dies bereits in den nächsten Tagen geschehen könnte.

Jorge Martinez verheimlicht die Kontakte zu Aprilia nicht. Vorläufig will Aspar diese Gespräche nicht an die grosse Glocke hängen.

Könnte aus dem Aprilia-Deal etwas werden? Martinez deckt die Karten nicht auf. «Eher nicht», liess er anklingen.

Doch Romano Albesiano lässt nicht locker. Acht Ducati im MotoGP-Feld und nur zwei Aprilia, das will die Piaggio Group (sie verkauft 500.000 motorisierte Zweiräder im Jahr) mit den Marken Aprilia, Moto Guzzi, Gilera, Derbi, Vespa und Piaggio nicht auf die Dauer hinnehmen.

«Ich liebe unsere beiden Fahrer Alvaró Bautista und Stefan Bradl», versicherte Albesiano am Wochenende gegenüber SPEEDWEEK.com. «Ich möchte am liebsten beide behalten. Sie sind schnell und professionell. Ich habe an ihnen nichts auszusetzen. Ob Aleix Espargaró zu uns kommt? Ich weiss es noch nicht. Lass uns abwarten, was in den nächsten Wochen passiert.»

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