Casey Stoner (Ducati): «Spielberg-GP? Ohne mich!»

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Ducati-Testfahrer Casey Stoner in Spielberg am Dienstag

Ducati-Testfahrer Casey Stoner in Spielberg am Dienstag

Ducati-Testfahrer Casey Stoner gelang beim MotoGP-Test auf dem Red Bull-Ring am ersten Tag die viertbeste Zeit. Aber er wird den WM-Lauf hier nicht fahren. Und er fordert mehr Sicherheit.

Casey Stoner, MotoGP-Weltmeister 2007 auf Ducati und 2011 auf Repsol-Honda, tritt beim Spielberg-Test in der Steiermark erstmals seit Sepang im Februar wieder gegen fast die gesamte Weltklasse an (nur Repsol-Honda und Tech3-Yamaha fehlen) an. Mit Platz 4 und 0,8 sec Rückstand auf Spitzenreiter Dovizioso zog sich der Australier am ersten Tag tadellos aus der Affäre.

«Man kann sich keine malerischere Piste vorstellen. Du kommst dir vor, als seist du irgendwo in der Landschaft unterwegs, nicht auf einer GP-Rennstrecke», zeigte sich Casey Stoner von der Umgebung und reizvollen Landschaft rund um den Red Bull Ring begeistert. «Das ist etwas Besonderes. Es gibt ein paar nette Stellen auf diesem Circuit, aber er hat seine Eigenarten. Einige Kurven verbinden sich nicht so richtig flüssig für die Motorräder, aber andere sind wirklich schön zu fahren mit einem Rennmotorrad.»

Damit spielte Casey wohl auf die Kurven 1 und 3 an, die praktisch 90-Grad-Rechtsknicks sind und eine Abkürzung darstellen, denn zu Zeiten des rund 5,8 km langen Österreichrings (vor dem Jahr 1996) bestand diese fast schnurgerade Verbindung zwischen der Zielgeraden und der Schönberg-Geraden nicht.

«Der Belag ist fantastisch, sehr sanft. Insgesamt war es ein sehr positiver erster Tag für Ducati. Ich habe zu Vergleichszwecken viele Dinge am Motorrad probiert. Mit Flügeln und ohne Flügeln, nur um eine Mengen Daten zu sammeln und mehr Verständnis für die Zukunft zu gewinnen. Womit wir uns beschäftigen: Wir wollen dem Bike die Wheelie-Tendenzen abgewöhnen. Aber alle kämpfen hier mit diesem Problem. Wir haben einiges mit der Elektronik und mit dem Set-up ausprobiert. Ich bin glücklich mit unseren Fortschritten.»

Wie sieht es mit der Sicherheit der Piste aus?

Stoner: «Es gibt einige Stellen, die nicht wirklich sicher sind. In erster Linie spreche ich von Turn 3. Dort ist viel asphaltierter Sturzraum. Das ist alles für die Formel 1 ausgerichtet. Aber wir haben kein Monocoque-Cockpit um uns herum. Die Formel 1 hingegen kann sich sogar Auftritte in Monte Carlo leisten – bei relativer Sicherheit. Für Motorräder geht das nicht. Wenn du hier im Trockenen stürzt, kannst du glimpflich davon kommen. Aber ich habe oft in der Safety Commission gegen Asphalt in den Auslaufzonen gewettert. Anscheinend dreht sich alles um die Bequemlichkeit. Du kannst bei einem Fehler neben die Piste fahren und gleich wieder auf die Strecke zurückkehren. Du wirst also für einen Fehler nicht mehr bestraft. Wir wissen, dass dich ein Kiesbett langsamer macht, also müssen wir wieder mehr Kiesbetten bauen. Momentan wird die Angelegenheit zu gefährlich.»

Wie gut fühlt sich Stoner körperlich beim Fahren mit der MotoGP-Ducati? «Ich bin okay. Der Misano-Test war schwieriger, weil es sehr heiß war. Und ich war lange Zeit nicht auf der Desmosedici gesessen. Heute war es viel einfacher, weil der Misano-Test erst zwei Wochen zurückliegt.»

Es gibt Gerüchte, Casey Stoner würde beim GP von Österreich mit einer Wildcard mitmischen. «Ich habe keine Pläne, hier im August den Grand Prix zu bestreiten», versicherte Casey. «Aber ich habe am Mittwoch hier noch einen zweiten Testtag zu absolvieren. Das ist wichtig, weil davon abgesehen vorläufig keine weiteren Tests geplant sind. Es ist also wichtig, dass wir Ducati hier für die zweite Saisonhälfte unterstützen und weiterhelfen.»

Welche Änderung wünscht sich Stoner für den Red Bull Ring? «Mir macht Sorgen, dass manche Leute vergessen, wie schnell diese MotoGP-Geräte heute sind. Wir brausen mit 310 bis 315 km/h zum Turn 3 den Berg hoch. Wenn du besonders im Regen dort mit diesem Speed raufdonnerst, kann es echt gefährlich werden. Dort kann jederzeit ein Crash passieren. Denn du musst mit dem Bremsen beginnen, während du vom schnellen Linksknick her noch in Schräglage bist. Auch die Zielkurve ist bedrohlich, wenn du dort unmittelbar nach Beginn des Bremsmanövers runterfliegst, wirst du sehr viel Sturzraum brauchen. Du hast 15 Meter im Kiesbett, das reicht höchstens für einen Überschlag, dann wirst du über die Airfences geschleudert.»

Stoner weiter: «Ich weiß, die Leute werden sich beschweren, weil ich wieder jammere. Aber wir haben kürzlich in Catalunya gesehen, was passieren kann. Also müssen wir Vorkehrungen treffen, bevor etwas geschieht. Für meinen Geschmack müssen wir die Wiederkehr großer Kiesbetten fordern. Damit auf vielen Pisten das Motorradrennfahren ungefährlicher wird.»

Die Testzeiten in Spielberg, 19. Juli, 18 Uhr

1. Andrea Dovizioso, Ducati, 1:23,764 min. 2. Iannone, Ducati, 1:24,347. 3. Redding, Ducati, 1:24,502. 4. Stoner, Ducati, 1:24,502. 5. Viñales, Suzuki, 1:24,595. 6. Barbera, Ducati, 1:24,649. 7. Laverty, Ducati, 1:24,751. 8. Petrucci, Ducati, 1:24,992. 9. Rossi, Yamaha, 1:25,054. 10. Hernandez, Ducati, 1:25,171. 11. Lorenzo, Yamaha, 1:25,175. 12. Aleix Espargaró, Suzuki, 1:25,223. 13. Miller, Honda, 1:25,345. 14. Crutchlow, Honda, 1:25,438. 15. Baz, Ducati, 1:25,994. 16. Kallio, KTM, 1:26.056. 17. Rabat, Honda, 1:26,195. 18. Lüthi, KTM, 1:26,405.

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