Michael Bartholemy (VDS): «Rabat muss sich steigern»

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Der Spanier Tito Rabat bleibt mit der Marc VDS-Honda in der MotoGP-WM hinter den Erwartungen zurück. Teamchef Michael Bartholemy will ihn noch zwei Rennen beobachten. Und er lobt Tom Lüthi.

Das belgische Marc VDS Racing Team tritt 2016 in der zweiten Saison auch in der MotoGP-Klasse an. Statt Scott Redding fahren in dieser Saison Assen-Sieger Jack Miller und Tito Rabat, Moto2-Weltmeister 2014, für das Honda-Kundenteam.

Jack Miller hat bei HRC einen Drei-Jahres-Vertrag und ist auch für die Saison 2017 gesetzt.

Bei Tito Rabat ist die Zukunft noch nicht gesichert.
SPEEDWEEK.com hat sich mit Marc-VDS-Honda-Teamprinzipal Michael Bartholemy unterhalten.

Michael, die Performance von Jack Miller war bis zum Sieg im Regen nicht sehr zufriedenstellend. Aber der Erfolg in Assen hat ihm Selbstvertrauen gegeben?

Ja, Assen war natürlich top. So ein Highlight macht man vielleicht nur einmal im Leben.
Und ich muss sagen, auch der Sachsenring-GP war für mich bei Jack kein schlechtes Rennen, er hat es auf Platz 7 vor Rossi beendet.
Natürlich hätte er drei Runden früher zum Motorradwechsel reinkommen müssen, dann hätte es wieder mit einem Podestplatz gemacht. Aber er hat es nicht gemacht...
Wir dürfen nicht vergessen, Jack ist erst 21 Jahre alt. Diese Erfahrungen muss er noch machen. Wir haben ihm vier Runden vorher gezeigt: «Komm rein.»
Aber im Endeffekt war der siebte Platz beim Deutschland-GP kein schlechtes Ergebnis. Wenn wir diesen Trend ein bisschen durchziehen könnten bei den letzten neun Rennen, bin ich mehr als zufrieden.

Jack Miller ist durch die beiden «flag to flag races» in der WM-Tabelle auf den 13. WM-Rang vorgerückt, auf den WM-Zehnten Eugene Laverty fehlen ihm nur mehr elf Punkte. Sind die Top-Ten noch ein Saisonziel für euch?

Ja, so etwas in der Richtung. Die Top-Ten können langsam ein Ziel werden.

Jack Miller hat 42 Punkte, Rookie Tito Rabat nur 18 in neun Rennen. Schlimm ist: Es ist kein Aufwärtstrend zu erkennen.

Es ist wirklich kompliziert... Es ist sooo kompliziert, denn er hat Schwierigkeiten mit dem Motorrad und Schwierigkeiten mit sich selber. Er fängt auch schon an zu zweifeln, ob wir als Team manche Fehlerchen machen und so weiter.
Es ist eine schwierige Saison. Aber da müssen wir durch.
Ich denke, nächstes Jahr sieht die Welt für ihn anders aus, Tito wird dann viele Sachen gelernt haben.
Die MotoGP ist keine leichte Kategorie.
Ich habe beim Spielberg-Test viel Zeit gehabt, die Fahrer auf der Strecke zu beobachten. Da habe ich viele Sachen gesehen, die Tito anders machen müsste.

Rabats extremer Hang-off-Fahrstil ist mit den heutigen Reifen sicher auch nicht besonders zielführend und förderlich?

Das grösste Handicap ist heute, dass Tito die Kurven immer spitzer anfährt als die andern Fahrer, die die gesamte Breite der Strecke nützen. Das fehlt dir natürlich dann in der Kurve. In erster Linie am Kurvenausgang, wo du mit der vielen Power möglichst früh Gas geben musst.

Marc VDS hat eine Option auf Tito Rabat für 2017. Ihr werdet sie trotzdem einlösen?

Diese Option haben wir bis zum 1. September. Wir müssen jetzt abwarten, wie die nächsten Wochen verlaufen.
Aber ich denke, dass wir mit Tito weitermachen. Wir haben momentan nicht viele Optionen. Deshalb sollten wir ihm die Chance auf ein zweites MotoGP-Jahr geben.
Natürlich war das Sachsenring-Wochenende schwierig, dort ist viel diskutiert worden. Tito ist dann nicht in die Punkteränge gekommen. Aber unsere Entscheidung für die Zukunft wird nicht nur auf dem Ergebnis vom Sachsenring basieren.

Aber 18 Punkte nach neun Rennen mit einem Motorrad, mit dem Jack Miller gewinnt und Cal Crutchlow Zweiter wird – das kann nicht zufriedenstellend sein? Bis 1. September finden nach zwei Rennen statt. Kann sich da gravierend etwas ändern?

Mal sehen.

Aber es sind ohnedies keine vielversprechenden anderen Kandidaten mehr übrig?

Nein, sicherlich nicht. Es haben aber auch keine 1000 Leute an der Tür angeklopft, die mit dem Paket fahren wollen, mit dem wir momentan fahren. Das ist eben so.

Stefan Bradl wäre auf dem Markt gewesen. Aber es bestand kein Interesse?

Nein, ich will nicht sagen, kein Interesse.
Aber für mich war es wichtig, dass ich die zwei Testtage in Österreich miterlebt habe, weil wir als privates MotoGP-Team in diesem Jahr noch nie privat getestet haben. Ich will jetzt sehen, wie groß ist der Fortschritt bei Tito, wenn wir am 14. August in Spielberg zum Rennen antreten. Das ist für mich wichtig. Ich will jetzt mal einen Schritt sehen auf einer GP-Strecke, auf der wir vor dem Grand Prix gefahren sind.
Auf den anderen Strecken, auf denen wir getestet haben, in Valencia, Sepang und Phillip Island, sind wir noch nicht beim Rennen gewesen. Katar darf man nicht wirklich zählen, dort haben wir getestet, aber das war Titos erstes MotoGP-Rennen.
In Spielberg möchte ich nach dem Test jetzt beim Grand Prix einen Schritt sehen, von der Linie her, vom Bremsen her. Da muss jetzt mal was kommen.

Was passiert, wenn Rabat keine Steigerung schafft? Dann sind elf Rennen vorbei und kein brauchbarer Ersatz mehr auf dem Markt. Wer wäre noch verfügbar? Laverty?

Keine Ahnung. Im Moment habe ich die Lösung nicht. Wenn ich sie hätte, würde ich sie präsentieren. Aber wo wir mit Tito Rabat jetzt sind, das ist einfach nicht gut genug.

Tom Lüthi macht bei den KTM-MotoGP-Tests als Rookie gute Figur. Er ist kein Kandidat? Ist er besser als Rabat?

Das kann ich nicht sagen. Wenn man Tom auf der Strecke sieht wie zuletzt beim MotoGP-Test in Österreich, das sieht nicht schlecht aus. Klar, da ist immer noch viel Querfahren drin beim Anbremsen der Kurven, ein Problem, das Tito auch gut. Das ist der Moto2-Stil, den man sich in der MotoGP-Klasse abgewöhnen muss. Aber das ist kein schlechter Job, was Tom da macht. Mit Sicherheit nicht.

Wirst du im August einmal eine Schweizer Telefonnummer wählen?

Keine Ahnung. Ich habe noch knapp 30 Tage Zeit zum Überlegen; die muss ich nützen.

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