Pro & Contra: Warum Villopoto WM fahren wird!

Kolumne von Thoralf Abgarjan
Motocross-WM
Superstar Ryan Villopoto, Kawasaki, hat in Teutschenthal erneut einen WM-Lauf besucht. Zur spannenden Frage, ob er in die WM wechselt, schweigt er sich weiter aus. Es gibt gute Gründe dafür und dagegen. Eine Analyse.

Niemand, außer Ryan Villopoto selbst, weiß, ob ein Wechsel in die WM im kommenden Jahr bevorsteht. Wahrscheinlich weiß er es noch nicht einmal selbst genau!

Es gibt viele Gründe, die für einen solchen Schritt sprechen. Es gibt aber auch Gegenargumente.

Vorab gebe ich gern zu: Der Wunsch, dass Villopoto in die WM wechselt, ist Vater des Gedankens! Ich wünsche mir einen echten US-Superstar in der Weltmeisterschaft!

Aber das Leben ist kein Wunschkonzert! Motocross auf höchstem Niveau ist ein Haifischbecken! Es geht um «übergeordnete Interessen», «globale Marketingstrategien», «Märkte der Zukunft» und um «Wachstumschancen».

Nun hat sich aber ergeben, dass viele dieser Aspekte dem Sport perfekt in die Karten spielen!

Nachfolgend sind ausschliesslich wasserdichte Fakten zusammengetragen und miteinander kombiniert. Diese enthalten einige variable Größen, die aber entscheidend für die weitere Entwicklung sind! Eine der wichtigsten «Variablen» ist Ken Roczen. Aber dazu später mehr. Zunächst zu den harten Fakten Pro und Contra:

1. Pro: Kawasaki braucht endlich wieder Erfolge in der WM

Kawasaki ist in den USA seit Jahren erfolgreich. Sie gewannen den Outdoors-Titel 2013 und 2011 mit Villopoto. 2008 siegte James Stewart. 2001 und 2002 holte Ricky Carmichael den Titel in das grüne Lager.

In der WM hingegen laufen die Japaner dem Erfolg hinterher. Keinen einzigen Titel in der MX1 (heute MXGP) konnten sie bisher für sich verbuchen! Der letzte Erfolg in der «Premiumklasse» liegt stolze 16 (!) Jahre zurück: 1998 gewann Sebastien Tortelli mit Kawasaki letztmals einen WM-Titel für die Grünen!
Selbst in der MX2 Klasse muss man die Geschichtsbücher wälzen: Christophe Pourcel holte den letzten Titel 2005, also vor 9 Jahren!
Antonio Cairoli wird bei KTM bleiben und ist seit 5 Jahren ungeschlagen. Ein ernsthafter Herausforderer wäre künftig Jeffrey Herlings, der für sich noch nicht entschieden hat, ob er 2015 überhaupt in die MXGP-Klasse wechseln wird. Auch er lässt keine Gelegenheit aus, seine Loyalität gegenüber KTM zu betonen. Daraus folgt: Die Weltmeisterschaft ist seit 4 Jahren in beiden Klassen fest in der Hand von KTM. Eine Änderung ist nicht in Sicht.

2. Contra: Die Generationen: Vieles hängt von Ken Roczen ab

In den USA ist Villopoto noch immer der unangefochtene Superstar. Aber aus den eigenen Reihen klopfen die Youngster bereits an: Adam Cianciarulo ist neben Ken Roczen das hoffnungsvollste US-Talent der Zukunft.

Wer könnte Villopoto in den USA ersetzen, wenn er in die WM wechselt? Der Youngster Cianciarulo kann mit seinen 17 (oder nächstes Jahr 18) Jahren Villopoto an Erfahrung und Professionalität noch nicht das Wasser reichen. Blake Baggett ist bei den 250ern schnell, aber in seinen Leistungen nicht verlässlich konstant. Arnaud Tonus wechselt 2015 ebenfalls zu den Grünen in die USA, aber zunächst nur in die 250er-Klasse. Wo er dort stehen wird, ist ungewiss. Dass Piloten wie Brett Metcalfe oder Jake Weimer plötzlich über sich hinauswachsen und zu Sieganwärtern werden, ist eher unwahrscheinlich.

Nur ein Pilot wie Ken Roczen wäre ein adäquater Ersatz für Ryan Villopoto in den USA! Ob und wohin der Deutsche wechselt, wird sich definitiv erst im September entscheiden. KTM wird alles tun, den Blondschopf zu halten. Bleibt er bei KTM oder wechselt er zu Suzuki, so sinken die Chancen, dass Villopoto schon nächstes Jahr in die WM kommt, denn dann wäre Kawasaki in den USA nicht mehr siegfähig.

Nur ein Wechsel von Roczen zu Kawasaki würde die Tür für Villopoto in Richtung Europa öffnen, denn der amerikanische Markt ist für jeden Hersteller der bedeutendste!

Besonders aber für KTM: Seit dem Auftauchen von Ryan Dungey und Ken Roczen unter dem KTM-Zelt in Orange werden sie dort als konkurrenzfähige Marke wahr- und ernstgenommen.

Die Erfolge zahlen sich für KTM direkt aus: Als Hersteller legt KTM bemerkenswerte Wachstumsraten hin. Ryan Dungey errang 2012 erstmals für KTM einen US-Titel! Seither gibt es zahlreiche KTM-Privat-Teams in den USA, die man früher dort nicht kannte!

Seit Anfang des Jahres trainieren Villopoto, Cianciarulo und Roczen zusammen bei Trainer und Meistermacher Aldon Baker. Dass die 3 Trainingspartner zu 2 konkurrierenden Teams gehören, ist eine skurrile Konstellation: Villopoto und Cianciarulo vom Team «Monster Energy Kawasaki» und Ken Roczen vom Team «Red Bull KTM»: Nicht nur zwei konkurrierende Motorradmarken, sondern auch noch zwei rivalisierende Titelsponsoren (Red Bull und Monster Energy) in einem Trainingscamp mit einem gemeinsamen Trainer!

3. Pro: Youthstream braucht US-Stars!

An dieser Stelle lasse ich sportliche Aspekte wie «spannende Rennen» außer Acht, die ohne Zweifel wichtige Komponenten für die Attraktivität der Serie sind. Allein die Teilnahme eines siegfähigen Amerikaners würde die Aufmerksamkeit der Weltmeisterschaft in den USA massiv steigern und den Stellenwert der Serie als «Weltmeisterschaft» fundamental untermauern. Wechselt Villopoto in die WM, so werden künftig auch junge US-Fahrer wie Malcolm Stewart, Jeremy Martin, Justin Barcia oder Josh Hansen interessierter in Richtung Europa und Weltmeisterschaft blicken.

WM-Rennen in den USA könnten von den amerikanischen Fans und den US-Medien nicht länger ignoriert werden.

Vermarkter Youthstream und FIM haben ihre Hausaufgaben diesbezüglich gemacht und die Weltmeisterschaft professionalisiert. Davon konnte sich Villopoto in Teutschenthal überzeugen und er selbst hat es auch mehrfach öffentlich geäussert: Die Infrastruktur im Fahrerlager und rund um die Strecke befindet sich auf höchstem Niveau.

4. Contra: Die Strecken

Falls Ryan Villopoto in die Weltmeisterschaft wechselt, kann er viel gewinnen: Ein Einzel-Weltmeistertitel stünde der Karriere dieses Ausnahmesportlers gut zu Gesicht. Aber es gibt für ihn noch mehr zu verlieren: Die Streckencharakteristiken unterscheiden sich: In den USA kennt man keinen Tiefsand wie in Lommel oder Valkenswaard. Aber auch auf Hartboden gibt es erhebliche Unterschiede: Die WM-Strecken sind weniger flüssig als die meisten US-Naturstrecken, oftmals zerfahrener, mit tieferen Spurrinnen, Bremslöchern und weniger Grip. Sie sind insgesamt viel «eckiger».

In Teutschenthal 2013 konnten die Zuschauer beim Motocross der Nationen gut beobachten, wie Dungey und Barcia mit der Strecke im Talkessel haderten. Ihre Souveränität während der US-Nationals wich einer klaren Verunsicherung beim Nationencross, die ihnen schliesslich den Nationen-Titel kostete.

Villopoto war nicht im Team dabei, aber er weiß genau, aus welchem Holz Dungey, Barcia und Eli Tomac geschnitzt sind!

Villopoto steht also unter Druck: Er darf bei einem Wechsel in die WM auf keinen Fall scheitern! Alles andere als Siege und der WM-Titel sind für ihn Niederlagen!

Antonio Cairoli oder künftig Jeffrey Herlings «zu Hause» zu schlagen, ist aber offensichtlich eine gewaltige Herausforderung.

Es bleibt also spannend. Tatsache ist: Seitdem Ken Roczen in den USA als Ex-Weltmeister Karriere macht, wird auch die Weltmeisterschaft in den USA stärker bewertet und von der US-Szene wahrgenommen.

Sollte Villopoto nicht in die WM wechseln, wäre das vor Allem für die Fans sehr enttäuschend!

Aber auch dann ist es nur noch eine Frage der Zeit: Der Karriere von Ken Roczen würde ein MXGP-Titel ebenfalls sehr gut stehen! Und er hat noch einige Jahre vor sich.

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