ADAC Eifel Rallye Festival: Rallye-Geschichte lebt

Von Toni Hoffmann
Rallye

Löwenrudel: Erstmals alle Pikes-Peak-Modelle von Peugeot vereint, Rudi Stohl: Privatier und Afrika-Spezialist, erneut für einen guten Zweck: Mitfahrt im Bi-Motor-Golf zu ersteigern.

Seit die Nennliste zum ADAC Eifel Rallye Festival (19. - 21. Juli 2018) veröffentlicht ist, steigt die Vorfreude bei Teilnehmern und Fans gleichermaßen an. Beim größten rollenden Rallye-Museum mit über 170 Fahrzeugen, davon über 45 Gruppe-B-Boliden, erlebt die Vulkaneifel rund um Daun eine noch nie dagewesene Qualität an historischen Fahrzeugen. Nirgends sonst auf der Welt wird Rallye-Geschichte so authentisch zum Leben erweckt. Jeder Sponsorenaufkleber sitzt an der richtigen Stelle. Nicht nur die Karosserie, selbst der Innenraum erstrahlt im richtigen Farbton. Und unter der Haube schuftet meist derselbe Motor wie vor vielen Jahrzehnten. Sound und Optik stimmen, einzig die vielen gezückten Smartphones in der Zuschauermenge erinnern einen daran, dass man nicht ins Jahr 1965, 1973 oder 1987 zurückgebeamt wurde.

Die Kombination von Originalität und der Verzicht auf jegliche Zeitwertung machte das Festival innerhalb von wenigen Jahren zu einer der größten Veranstaltungen für historische Rallyeautos auf der Welt. Die Startplätze sind schon Monate vorher ausgebucht, die Zuschauer strömen aus ganz Europa nach Daun. Sogar Australier und Neuseeländer haben schon die weite Reise auf sich genommen.

Angezogen werden sie aber nicht nur von den Ford Escorts, Audi Quattros und Lancia Deltas, sondern auch von deren früheren Bändigern. Mit Stig Blomqvist und Timo Salonen greifen zwei Fahrer-Weltmeister ins Lenkrad, dazu kommt mit Luis Moya der Mann, der Carlos Sainz zu zwei WM-Titeln navigierte. Ergänzt wird das Aufgebot um Europameister Jochi Kleint, die deutschen Meister Harald Demuth und Matthias Kahle, den fünffachen britischen Champion Jimmy McRae, den spanischen Titelträger Salvador Cañellas, Afrika-Spezialist Rudi Stohl und viele weitere namhafte Piloten aus dem In- und Ausland.

Loeb Racing macht die einmalige Pikes Peak-Sammlung komplett

Kurz vor Nennschluss überraschte Rekord-Weltmeister Sébastien Loeb die Organisatoren des Eifel Rallye Festivals. Auch wenn er selbst nicht teilnehmen kann, so schickt er dennoch seinen Siegerwagen von 2013, den Peugeot 208 T16 Pikes Peak, zur Ausstellung in die Rallye-Meile nach Daun. Bis zum letzten Wochenende hielt er damit am ‚heiligen Berg' den Streckenrekord, den übernahm jetzt Romain Dumas im Elektro-VW I.D. R. Mit Loebs 208 und den bereits gemeldeten 205 T16 und 405 T16 sind nun erstmals alle jemals von Peugeot werksseitig am Pikes Peak eingesetzten Modelle an einem Platz vereint. Doch nicht nur das: Auch von Audi sind alle werksseitig eingesetzten Modelle in Daun vertreten. Gleiches gilt für VW - mit Ausnahme des aktuellen Siegerwagens.

Rudi Stohl: Was anderes als die anderen machen.

Rudi Stohl dürfte einer der erfolgreichsten Privatfahrer in der Rallye-WM sein. Bei seinen über 60 WM-Starts war er nur bei einem (Safari 1986 für Audi) als Werksfahrer unterwegs. Neben seinen beiden Podestplätzen an der Elfenbeinküste ist als größter Erfolg der Vize-Weltmeistertitel in der Gruppe A von 1986 in Erinnerung. Besonders stolz ist Stohl auf einen weiteren Vize-Titel: «Ich war 20 Mal bei der Safari Rallye am Start, von den Fahrern aus Übersee hat nur Rauno Aaltonen drei mehr.» Überhaupt ging er immer dahin, wovon ihm alle abrieten. «Immer dann, wenn die Anderen sagten: ‚Da brauchst du nicht hinzugehen, da kannst du nichts reißen', wollte ich unbedingt dahin. Oft konnten wir dann auch die ‚großen Buben', manchmal sogar die Werke, etwas ärgern», erzählt er schmunzelnd. «Wir hatten nie einen Hubschrauber zur Verfügung oder riesige Servicecrews. Meist habe ich selbst geschraubt, das war auch der Schlüssel zum Erfolg.»

Seine große Erfahrung bei afrikanischen Langstrecken-Rallyes machte sich auch Audi zu Nutze. Vor der Safari 87 testete er den Audi 200 quattro mehrere Wochen in Kenia und legte so wichtige Grundlagen für den späteren Doppelsieg von Hannu Mikkola und Walter Röhrl. Beim ersten Sieg eines Allradlers in Kenia belegte er selbst im privaten Audi den siebten Platz. Der Rallye-Weltenbummler hat vieles erlebt: «Einer der Höhepunkte war mit Sicherheit die Siegerehrung durch Indira Gandhi bei der Himalaya-Rallye.» In der Vulkaneifel bringt er seinen originalen Audi 90 quattro an den Start: «Vom Festival habe ich bislang nur Positives gehört. Ich freue mich sehr, dort viele Bekannte zu treffen, die ich teilweise seit mehr als 20 Jahren nicht mehr gesehen habe.»

Reini Sampl: Man darf sich nicht hinter der Behinderung verstecken!

Der frühere alpine Skisportler Reini Sampl belegt durch seine Lebensfreude Tag für Tag, dass der Spaß am Leben nicht mit der Querschnittslähmung nach einem Sportunfall beendet sein muss. Der Österreicher startete anschließend durch: Im Behindertensport feierte er Erfolge in den verschiedensten Sparten wie Rolli-Basketball, Handbike-Fahren oder Behindertenskilauf. Im Mono-Ski schaffte er sogar drei erfolgreiche Teilnahmen an den Paralympics. «So konnte ich den Sport wieder als Beruf, mehr aber als Berufung ausüben. Die Paralympics waren dabei natürlich ein absolutes Highlight, denn nur die Besten der Besten dürfen dorthin und ich bin sehr dankbar, das alles erleben zu dürfen», berichtet Sampl. Der umtriebige Allrounder gründete ein Modelabel für Menschen im Rollstuhl, «die normalen Schnitte sind nicht für das dauernde Sitzen gemacht,» und betreibt auch die dazu passende Model-Agentur. Für Audi ist er seit 2007 als Markenbotschafter im Bereich der Entwicklung und Betreuung der Umbauten für Menschen mit Handicap unterwegs.

«Vorträge, Schulungen, Informationsveranstaltungen auf Messen oder auch Fahrertrainings - die Einsatzmöglichkeiten sind hier sehr vielfältig.» In den Wintermonaten ‚treibt' er sich dann auf dem Eis herum und leitet mit seinem Bruder als Chef-Instruktor Wintertrainings mit Fahrzeugen auf Eis und Schnee. Vor einigen Jahren kam für Sampl der Wechsel zum Rallyesport: «Rallyefahren ist mehr als nur Autofahren, es ist die gesamtheitlichste Herausforderung. Den richtigen Schrieb zu erstellen, eine perfekte Co-Pilotin wie Tina Annemüller, die das umsetzen kann, die sich verändernden Straßen einschätzen und dann auch noch schnell fahren, ohne Auslaufzonen für Fehler.»

Mit seinem auf ihn angepassten Audi TT, in dem er Gas und Bremse mit den Händen bedienen kann, gewann er 2016 die seriennahe M1-Klasse in der österreichischen Meisterschaft. Sampl sagt schmunzelnd: «Es ist einfach großartig, wenn man trotz einer vermeintlichen Schwäche Spaß am Leben haben und Leistung bringen kann und nicht nur aus Mitleid mitmachen darf.» Auf seinen Einsatz im Audi TT in der Vorauswagengruppe beim Eifel Rallye Festival freut er sich. «Alle sagen immer, da muss man unbedingt dabei gewesen sein. Ich darf heuer mitfahren, dafür ‚opfere' ich sogar den gleichzeitig stattfindenden ÖM-Lauf in Weiz. Ich freue mich auf ein Mega-Wochenende mit all den coolen Autos und Stars.»

Zweite Chance: Mitfahrt mit Jochi Kleint im Pikes-Peak-Bimotor-Golf

Nach dem großen Andrang bei der ersten Versteigerung eines Beifahrerplatzes neben Jochi Kleint im frisch restaurierten Bi-Motor-Golf von 1986 aus dem Fundus von Wolf-Dieter Ihle legt nun VW nach. Die Niedersachsen geben eine Mitfahrt im Doppelmotor-Prototypen auf Basis des VW Golf aus dem Jahr 1987 zur Versteigerung frei. Auch hier wird im originalen Auto mit Jochi Kleint der originale Chauffeur von damals am Steuer sitzen. Beim ‚Über-Golf' bringt jeder der beiden Motoren jeweils 326 PS an die Räder, Kleint lag mit der Kraft des ‚Doppelherzen' bis zur Zwischenzeit sogar vor dem späteren Sieger Walter Röhrl.

Die einmalige Mitfahrt steigt am Donnerstag, 19.07.2018, während des Shakedowns zum Eifel Rallye Festival. Location ist die erstmals befahrene und 5,4 Kilometer lange Strecke "Maubach-Arena". Die exklusive Mitfahrt wird ab dem 01.07.2018, 20:00 Uhr,  bei eBay (Link: https://www.ebay.de/itm/263786599284), meistbietend versteigert.

Die Initiative «Vor-Tour der Hoffnung», die Spenden für krebskranke und hilfsbedürftige Kinder sammelt, darf sich also über einen weiteren Geldregen freuen. Die Erlöse aus beiden Versteigerungen kommen ihrem Projekt zu Gute. Mehr Infos unter: https://www.vortour-der-hoffnung.de.

www.eifel-rallye-festival.de

Siehe auch

Kommentare

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.

SPEEDWEEK.com im neuen Look: Änderungen wurden nötig

Ivo Schützbach
Seit heute erscheint SPEEDWEEK.com in allen Ländern und auf allen Geräten in einem einheitlichen Design. Unser Ziel war, die Seite moderner zu gestalten und besonders für mobile Endgeräte attraktiver zu machen.
» weiterlesen
 

TV-Programm

  • Mi. 21.10., 18:45, Eurosport 2
    Motocross: FIM-Weltmeisterschaft
  • Mi. 21.10., 19:15, ServusTV Österreich
    Servus Sport aktuell
  • Mi. 21.10., 19:20, ORF Sport+
    Erzbergrodeo 2019
  • Mi. 21.10., 19:30, Sport1
    SPORT1 News Live
  • Mi. 21.10., 19:30, Motorvision TV
    Formula E - Specials
  • Mi. 21.10., 20:00, Motorvision TV
    GT World Challenge
  • Mi. 21.10., 20:10, National Geographic
    Food Factory - Woher kommt unser Essen?
  • Mi. 21.10., 20:30, National Geographic
    Food Factory - Woher kommt unser Essen?
  • Mi. 21.10., 22:10, SPORT1+
    Motorsport - FIA World Rallycross Championship
  • Mi. 21.10., 23:15, Hamburg 1
    car port
» zum TV-Programm
14DE