Hans Siegl wollte nichts riskieren – und starb

Kolumne von Christian Kalabis
Sandbahn
Hans Siegl starb 1978 an einem Leberriss

Hans Siegl starb 1978 an einem Leberriss

26. Mai 1978 in Linz: Hans Siegl konnte einem vor ihm gestürzten Fahrer nicht ausweichen, verunglückte schwer und starb schließlich vier Wochen später am 25. Juni. Meine Erinnerungen an einen guten Freund.

Hans Siegl, der Langbahn-Vizeweltmeister von 1973 und 1977, ist auf dem Weg nach Linz in Österreich, zu einem Flutlicht-Speedway-Rennen ohne Meisterschaftswertung, aber unter anderen mit Weltmeister Ole Olsen und dem holländischen Profi Henny Kroeze, unseren Assen Hansi Wassermann und Christoph Betzl und natürlich der österreichischen Spitze am Start. Vorher hat er noch einen Termin beim Fernsehen, Promotion für die Veranstaltung war auch früher schon angesagt.

Am Tag zuvor – Fronleichnam – hatte Siegl nach seiner schweren Verletzung (Rippenbrüche) vom Plattlinger Palmsonntags-Sandbahnrennen bei seinem Heimatclub MSC Olching ein Comeback gewagt – unter starken Schmerzen. Und sie haben die Rückkehr ihres Kapitäns gefeiert, ebenso die Gröbenzeller, seine Heimatgemeinde, ja alle Fans. Es lief noch nicht, verständlich.

Zu Hause bereitete sein Mechaniker Günther das Motorrad vor, Hans war mit Sohn Harry vorher aufgebrochen. «Ich muss das Geld mitnehmen, das TV bezahlt gut, und am Abend habe ich auch einen guten dotierten Vertrag», sagte er mir fast entschuldigend. «Ich habe eine junge große Familie (seine Verlobte Triexie hatte ihm gerade Tochter Diana geboren, dazu kamen die drei Kinder Hans jun, Harry und Brigitte aus erster Ehe – der Autor) und außerdem eine neue Drehbank in meiner Werkstatt abzuzahlen.» Er versprach mir auf meinem Einwand es langsam angehen zu lassen: «Ich werde heute Abend nichts riskieren.»

Wir kamen am Nachmittag nach, das Stadion war gut gefüllt und Hans riskierte nichts, er fuhr zweimal – unter starken Schmerzen – hinterher. Dann kam sein verhängnisvoller dritter Lauf. Als es in die erste Kurve ging, brach dem vor ihm liegenden Österreicher Wannasek die Fußraste und er stürzte. Hans, Eisspeedway-Weltfinalist von Inzell, Nassjö und Assen und dort oft in gefährlicheren Situationen, konnte nicht mehr ausweichen und überschlug sich mit dem Motorrad so unglücklich, dass er sich wieder die Rippen brach, und, viel schlimmer, einen Leberriss erlitt. Auf dem Transport zum Krankenwagen im Stadion begleitete ich ihn ein letztes Mal. Ich werde seine schmerzerfüllten Augen, die bei mir nach Hilfe suchten, nie vergessen. Aber auch sein Lächeln, wie er es immer getan hat.

Gangster schossen sich den Weg frei

Zur gleichen Zeit gab es einen Zwischenfall an der nahen deutsch/österreichischen Grenze. Zwei Gangster oder Bankräuber hatten sich bei den Grenzbeamten freigeschossen und es gab Tote und Schwerverletzte, die ebenfalls ins gleiche Hospital eingeliefert wurden. Verständlich, dass es ab diesem Moment unter strengster Bewachung stand und ich nur unter der Angabe, der Bruder von Hans zu sein, hinein durfte. Der behandelnde Arzt, ein Spezialist aus dem ehemaligen Jugoslawien (weiß nicht mehr Slowene oder Kroate) dämpfte meine hoffnungsvollen Fragen gleich: «Die Leber, ein Riss ist vergleichbar mit einer Orange, die platzt, nur schwer wieder zuzunähen.» Heute wäre es mit der modernen Lasertechnik wohl kein lebensbedrohendes Problem mehr.

Hans hatte leider damals nicht das Glück, nach mehreren Operationen in den nächsten vier Wochen war er so geschwächt, dass er den Kampf um sein Leben verlor. Am 25. Juni 1978 verließ der so sympathische Mensch seine junge Familie und seine vielen Fans im In- und Ausland für immer. Hans, du warst immer ein guter Freund und wunderbarer Mensch.

Hans Siegl, 8. September1944 bis 25. Juni 1978:

Sandbahn-Vizeweltmeister 1973, 1977
Deutscher Sandbahn-Meister 1972
Mehrfacher Eisspeedway-Weltfinalist
Team-Kapitän MSC Olching

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